Überraschungen

5 Tage habe ich schon in der Galerie CC in der Königsstraße verbracht. 5 Jahre als Mitarbeiterin im Hospiz Luise. Ich mache mit der Benefizausstellung nicht nur auf 112 Unikate (inzwischen sind es 115, aber dazu später mehr) aufmerksam, sondern auch auf die wichtige Hospizarbeit.


Es gibt Tage, da denke ich, ich habe alles gesehen. Nichts kann mich mehr überraschen. Dann werde ich meistens eines Besseren belehrt. Nehmen wir doch mal Patientin Meyer-Müller-Schulze, die zu uns kommt und wir alle sehen – es wird nicht mehr lange dauern, dann wird sie sterben. Vom ersten Moment kommt die Zeit in der sich die Patient*innen, Angehörige und wir im System einschwingen und aufeinander einstimmen. Wir haben oft wenig Zeit dafür.
Stellt euch vor, ihr kommt nach langer Krankheit, viel Aufregung und Umwegen zu uns. Da wird erstmal durchgeatmet und viele können es gar nicht fassen, dass jetzt andere Aufgaben übernehmen und dann tatsächlich nochmal Leben möglich ist. So auch bei dieser Patientin. Überraschenderweise lassen sich die Kinder beide von der Arbeit freistellen und ziehen quasi bei uns ein. Der Ehemann komplettiert dieses 3-Schicht-System und wir sind dazwischen, wann immer wir gebraucht werden. Medikamente werden umgestellt, abgesetzt und ehrfürchtig warten wir auf den Tod. Der kam in diesem Fall aber nicht und die Patientin hat sich erholt und ist wieder ausgezogen. Einige Monate später ist sie zuhause verstorben. Hatte einfach noch Zeit geschenkt bekommen. Das hat mich überrascht. Ich lasse mich gerne überraschen. Dazu muss man ja auch irgendwie innerlich bereit sein.

Eine Überraschung ist es für mich gerade wie offen viele Gäste in der Galerie mit mir sprechen. Die nicht wissen, wofür wir wohl so viele Spenden brauchen. Ich sehe ja nur die Augenbrauen und die werden regelmäßig hochgezogen, wenn ich erwähne, dass wir jeden Tag pro Patient 5% der Behandlungskosten selber zahlen müssen. 365 Tage im Jahr. Jahr für Jahr. Oder die mir von sich erzählen. Das sie bald heiraten, oder wie Ihnen die Zeit jetzt zusetzt. Welche Stadt barrierefrei ist, welche Verbindung sie zur Galerie oder zu unserem Hospiz haben. Das ist Leben.

Dann sind da noch meine Spätmaler*innen. Da wurde ich auch angenehm überrascht!.Die könnt ihr vor Ort ersteigern oder mir eine Mail schreiben. (25jahrehospizluise@gmx.de) Oberbürgermeister Belit Onay, Maria Groß von der Bachstelze in Erfurt, Sven Cordes von Cordes Bestattungen und eines von Fynn Kliemann!

Überhaupt ist es toll, wenn ihr weiter mitsteigert oder einfach eine Kleinigkeit spendet. Wir wollen weiter ganzheitlich Familien wie die von Frau Meyer-Müller-Schulze betreuen. Auf guten Matratzen, mit Blumen im Zimmer, mit wunderbaren Ölen für Einreibungen, mit Mitarbeitenden die Fortbildungen gezahlt kriegen, Musiktherapie soll es geben und all die Dinge, die das Leben im Sterben erleichtern, und überraschenderweise manchmal auch noch richtig gut werden lassen.

Sagt es weiter, macht mit und unterstützt das Hospiz Luise in Hannover.
https://bidaid.com/auction/luise oder auch Paypal: spenden@hospiz-luise.de

Kommt noch bis Donnerstag in die Galerie CC, Königsstraße 8, Hannover. Ich bin immer von 11 bis 18 Uhr für euch da!

Herzlich Eure Nici

Finale

Seit März beschäftige ich mit Minileinwänden. Eigenwillig wie ich bin, schreibe ich sie auch wie ich will. Ohne Bindestrich. Irgendwie haben das alle ausgehalten.
Am Ende eines Projektes angekommen. Aber es ist ja noch nicht das Ende. Denn ab sofort könnt ihr Teil des Projektes werden. Unterstützt unsere Arbeit, wenn es euch möglich ist. Bietet auf Eure Favorit*innen.

Hier geht es zur Auktion

Bevor ich diesen Beitrag angefangen habe, habe ich noch Sachen ausgedruckt, meinem Chef eine Liste geschrieben, immer noch keine Ahnung was ich morgen anziehe, mein Abendessen aufgegessen, damit es nicht regnet. Nachrichten gelesen, mein Handykabel verlegt und die Zeit rennt davon…ach, und die Kataloge sind auch nicht rechtzeitig angekommen. Dafür habe ich jetzt einen QR-Code von Sabrina Behm bekommen. Es ist wie vor jedem großen Event. Was soll ich sagen. Ich freue mich und kann nicht glauben, dass ich schon wieder so etwas Großes und wundervolles tun durfte.

7 Monate habe ich mich mit diesem Projekt beschäftigt, meine Traurigkeit über den Ausfall von allen anderen Veranstaltungen ist darüber verflogen. Das verdanke ich allen Teilnehmer*innen und dem Vertrauensvorschuss von Kurt, meinem Chef und seinen Vorgesetzten. Alle haben darauf vertraut, dass es schon gut gehen wird.

Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Ich danke allen, die jetzt mitbieten. Bietet nicht nur auf die Promis. Bietet auch auf die kleinen und feinen Bilder, die in 10×10 cm so einzigartig sind, oder auf die tollen Events.
Macht mit und rettet dieses verrückte Jahr für uns – es ist der Abschluss meines Blogs.
Danke an meine Kolleg*innen im Hospiz, weil ihr wundervoll seid. Für euch hab ich das in erster Linie gemacht,

herzlich
Nici

Tue Gutes – Teil 4

Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder über uns.
Rainer Maria Rilke

Der Sommer ist da und ich kann schon wieder von guten Taten berichten.
Ich habe mich sehr gefreut, dass gleich zwei kleine Schweine wieder den Weg ins Hospiz gefunden haben.

Ein kleines Schweinchen hat 65,21 Euro für uns gesammelt und durfte eine zeitlang bei Katrin Kokemüller in ihrem Friseurgeschät Kokis Coiffeur wohnen. Vielen Dank dafür!

Ein zweites Schwein hat bei Nicole Lang in der Haarschneyderey gewohnt, wo gleich alle Mitarbeitenden auf ihr Trinkgeld verzichtet haben, Kunden spendeten und der Betrag am Ende von Uwe Lang noch großzügig aufgefrundet wurde, so dass wir 400 Euro erhalten haben. Vielen Dank auch dafür!

Dann war da noch meine Kollegin Walburga Schnock-Störmer vom Leuchtturm e. V., die mir bei einem Besuch in Ihrem schönen Garten von der Aktion #wekickcorona erzählt hat. Unser Antrag war schnell und unkompliziert geschrieben und so haben wir unglaubliche 4000 Euro für die Beschaffung von Schutzkitteln erhalten. Wow!

Dazu kam noch meine Idee, Schutzkittelpatenschaften zu vergeben. Das hat sehr schnell jemand aufgeschnappt und schon hatten wir nochmal 1500 Euro für Schutzmaterialien! Die Spender*innen möchten gerne anonym bleiben, dennoch wollte ich das hier gerne erwähnen! Auch wenn Corona augenscheinlich an vielen Orten vorbei ist, sind wir im Hospiz auf die Materialien händeringend angewiesen und mehr als dankbar für die finanziellen Zuschüsse! Das habe ich allerdings in meiner Arbeitszeit organisiert, deshalb zähle ich das fairerweise nicht mit.

Ebenso unser Sommer (food) to go. Die Idee stammte von meiner Kollegin Manuela Gabbert Funke und mir und wir haben dank wundervoller Unterstüzung einiger Ladies Circle (LC 27, LC 127 und der TC 27), Janet Nesmedin, unseren Haupt- und Ehrenamtlichen ein großartiges Ergebnis von 2292,20 erzielt! Ein dickes Danke auch an meinen Chef, der sofort einverstanden war und Monika Ingelmann für das schöne Plakat im Vorfeld.

Mein Ziel ist also quasi schon erreicht, aber ihr wisst, die große Benefizversteigerung von Minileinwänden steht noch bevor. Das wird wunderbar, also bleibt dran! Ich bleibe es auch.

Jetzt verschwimmt mein Blog an manchen Stellen mit meiner neuen Stelle im Hospiz, aber ich glaube es ist egal, woher und in welcher Form die Unterstützung unser Hospiz erreicht. Es ist einfach wundervoll, dass so viele Menschen mit Herz an unserer Seite sind und ich bin so glücklich, dass meine neue Spendensumme sich nunmehr auf :
27.342,48 Euro beläuft (ohne Sommerfood und die anonyme Spende).

Mit viel Dankbarkeit im Herz,

Eure Nici

close up of tree against sky
Photo by Pixabay on Pexels.com

Fotos: Benush Martinez und ich 😊

Weißt du noch?

Könnt ihr euch noch an letztes Jahr erinnern? Als ihr unbekümmert im Juli am Strand gelegen habt? Oder mit den Kindern und Freunden auf einem Sommerfest gewesen seid? An das Open Air Konzert in einer großen Arena?
So schnell hat sich alles verändert. So schnell bilden sich aber in der Krise auch Umgehungskreisläufe. Wir liegen mit Abstand oder dieses Jahr auch gar nicht, wir streamen online oder haben inzwischen ein Abo bei einem Streaminganbieter. Wir verzichten. Wir reduzieren. Wir haben Sehnsucht nach Leben und Umarmung. Wir fragen „Warum“ und wollen die Normalität, die wir vorher oft nicht zu schätzen wussten.

So geht es uns auch im Hospiz. Unser Jubiläum. Ich weiß noch wie ich mich gefreut habe, als mein Chef mich gefragt hat, ob ich die Projektleitung übernehmen möchte. Von November 2019, unserem 25. Geburtstag, bis zum 04. Juli 2020 wollten wir feiern und uns in der Öffentlichkeit zeigen. Mit Asphalt in der Marktkirche, an der Uni, mit Nerissa Rothardt im Promitalk, im Glockseetheater, in Gottesdiensten und auf unserem Sommerfest. 1,5 Jahre Arbeit für nichts? So würde ich das nicht sagen. Das Jubiläumsschiff ist bildlich untergegangen, aber mit diesem Blog und einigen spontanen Ideen machen wir Rettungsboote klar.
Wie zum Beispiel unser Sommer (food) to go am Samstag, den 04. Juli 2020 von 11 bis 16 Uhr.
Was für ein Support, dass uns der Lady Circle 27 Kuchen backt, die wir außer Haus verkaufen! Das machen die Damen ja in jedem Jahr, aber in diesem dürfen Sie leider nicht vor Ort sein und selber verkaufen. Das ist sooo schade, aber auf die Unterstützung freuen wir uns dennoch und sind sehr dankbar. Auch der Round Table und der Lions Club Hannover haben uns unterstützt, obwohl sie selber nicht dabei sein dürfen. Wir freuen uns auf euch im nächsten Jahr!

Dann ist da noch Janet Nesmedin aus Garbsen, die 2018 Drittplazierte beim Grossen Backen von Sat 1 wurde. Da ich nicht sehr zurückhaltend bin habe ich sie schon im letzten Jahr angefragt, ob sie uns eine Torte backen würde. Zum Sommerfest als krönenden Abschluss sollte es „die eine Torte“ geben. Das wird jetzt nicht so sein, aber vielleicht dann ja zum Abschluss meiner Benefizaktion im Oktober. Janet hat uns auch schon im Hospiz besucht (vor Corona) und unterstützt uns, wo sie kann. Sie steht ebenfalls schon in der Küche und backt für Samstag! Danke von Herzen Janet!

Unsere legendären mediterranen Speisen können am Samstag auch mitgenommen werden. Alles gegen Spende. Das Dreamteam des Standes ist schon in den Startlöchern und ich möchte euch zumindest Fotos vom letzten Jahr zeigen. Dieses Jahr wird es auch lecker, aber ruhiger und reduzierter. Danke an Manuela, Manuela, Anne, Gerda, Carina, Susanne im Hintergrund des Geschehens und natürlich auch an Kurt und Slavko, die ja alles mit mir aufbauen….und an Britta, die sich die Finger wund gemalt hat, damit auch noch Troststeine gegen Spende ausgeben werden. Auch den Helfer*innen aus dem Hauptamtlichen Team sei gedankt, dass ihr uns Samstag unterstützt. Wir hoffen, dass unsere Ehrenamtlichen Mitarbeitenden uns besuchen kommen….

Jetzt fehlt noch ihr! Kommt doch vorbei, nehmt ein Stück Kuchen mit und unsere leckeren Grillbeilagen, schenkt uns ein Lächeln und eine Spende, wenn ihr das könnt. Wer nicht selber kommen kann, der hat in Kirchrode/Bemerode auch die Möglichkeit unseren Lieferservice zu nutzen. Einfach eine Mail an sommerlieferung@gmx.de und dann können die Details besprochen werden!

Dann können wir im nächsten Jahr sagen, weißt du noch, beim Sommer (food) to go in der Luise….das war so schön!

Herzlich
Eure Nici

Fotos: Nici, Janet Nesmedin

ABSCHIED IM HOSPIZ

Ein Artikel von Grit Biele aus der Märzausgabe des Asphaltmagazin

Mit freundlicher Genehmigung des Asphaltmagazin darf ich diesen Artikel hier heute auch einstellen. Danke, Grit, für deine Worte!

Sonnenstrahlen funkeln durch die Fenster. Sie machen das Zimmer hell und freundlich. An der Wand steht ein großer Tisch mit zwei Stühlen. Auf dem Tisch stehen Fotos. Von den erwachsenen Kindern und den Enkeln. So, dass man sie auch im Liegen gut sehen kann. In der Mitte des Zimmers zwei Betten. Dicht nebeneinander. Eins ist leer. Nur eine glatt gezogene
Decke und ein Kopfkissen liegen drin. In dem anderen Bett liegt Ralf-Otto Burgdorf. Frisch rasiert und mit kurzem grauen Stoppelhaar. Er hat einen blauen Kapuzenpullover an, die Bettdecke ist bis zum Bauchnabel hochgezogen. Links neben seinem Bett steht ein Infusionsständer mit Perfusor. Über den bekommt der hagere Mann Medikamente gegen die Schmerzen. Ganz langsam, aber kontinuierlich. Auf dem Stuhl am Tisch sitzt seine Frau Ariane. Seit November 2019 wohnen die beiden gemeinsam im Hospiz Luise in Hannover.


Vor 25 Jahren hat die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim das Hospiz Luise gegründet. Es befindet sich im Hannoverschen Stadtteil Kirchrode und war das erste stationäre Hospiz in Niedersachsen. Bis zu acht Patienten kann das Hospiz gleichzeitig aufnehmen. Fünf Patientenzimmer befinden sich im Obergeschoss des Hauses, drei im Untergeschoss. Sie sind in erster Linie zweckmäßig eingerichtet, denn allein schon wegen der Hygiene müssen bestimmte Standards eingehalten werden. Und auch die bestmögliche Versorgung durch die Pflegekräfte sollte stets gewährleistet sein. Daher ist es wichtig, dass nichts im Weg steht. Um dem Zimmer dennoch einen wohnlichen Hauch zu verleihen, ist persönliches Mobiliar, wie beispielsweise der bequeme Lieblingssessel zum Ausruhen, immer gern gesehen. Für eine heimische Atmosphäre sorgen daneben ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer und der gemeinsame Essbereich im Wintergarten im Erdgeschoss des Hauses. Hier können die Patienten zusammenkommen, sich austauschen, gemeinsam essen oder auch einfach mal abschalten. »Insgesamt 17 Hauptamtliche und 27 Ehrenamtliche kümmern sich im stationären Bereich um die Belange unserer Patienten und deren An- und Zugehörigen«, sagt Kurt Bliefernicht, Leiter des Hospizes Luise.


Diagnose mit Folgen
Ralf-Otto Burgdorf ist auf pflegerische und medizinische Hilfe angewiesen. Weil der Dachdeckermeister längere Zeit mit enormen Bauchschmerzen zu kämpfen und ständig Probleme beim Toilettengang hat, lässt er sich gründlich untersuchen. »Durch Ultraschall hat mein Arzt im April 2019 dann Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt«, erzählt der 57-Jährige mit langsamer rauer Stimme. Weil diese Erkrankung lange symptomlos bleibt, ist sie tückisch. Erst spät bekommen Patienten Beschwerden wie Oberbauchschmerzen und Verdauungsstörungen. Deshalb wird Bauchspeicheldrüsenkrebs oft erst entdeckt, wenn er bereits weit fortgeschritten ist. Dann aber sind die Chancen auf Heilung meist nur noch sehr gering. Am 08. April wird der Familienvater operiert. »Die Ärzte wollten gucken, ob man noch was machen kann. Als ich wieder wach geworden bin und nicht auf der Intensivstation lag, wusste ich schon Bescheid. Es war nichts zu mehr machen. Sie hatten mich also nur aufgeschnitten, nachgeguckt und wieder zugenäht«, sagt Burgdorf. Doch aufgeben war keine Option. Ärzte prognostizieren noch drei Monate Lebenszeit ohne Chemotherapie, etwa sechs bis acht Monate mit Chemotherapie. »Ich habe mich dann für eine Chemotherapie entschieden. Ich wollte ja leben«, gibt sich Burg dorf kämpferisch. Eine Zeit voller Torturen beginnt. Die Chemotherapie schwächt den Körper, zusätzliche Erkrankungen kommen hinzu, weitere Operationen folgen. Aber es gibt auch schöne Momente. Gemeinsam mit seiner Familie geht es nochmal in den Urlaub. Nach Spanien. »Den wollte ich unbedingt noch machen. Von den 14 Urlaubstagen hatte ich dann auch fünf schöne Tage, bevor ich in Spanien für den Rest der Zeit ins Krankenhaus gekommen bin«, verrät der 57-Jährige. Vom Krankenhaus in Spanien geht es dann direkt ins Krankenhaus in der Heimat und von dort zunächst wieder nach Hause. In die eigenen vier Wände. Unterstützt wird Burgdorf ab jetzt von einem ambulanten Pflegedienst. »Die waren immer mal für zehn Minuten da, um mir mein Schmerzmittel, das Morphin, über die Pumpe zu verabreichen. Aber ich hatte den Eindruck, dass es nicht wirklich ausgebildete Pflegekräfte waren. Die Schläuche von meiner Pumpe wurden nicht ordnungsgemäß gespült, wodurch es dann zum Stau kam. Natürlich habe ich fürchterliche Schmerzen bekommen. Niemand war dann erreichbar, um zu helfen«, bemerkt Burgdorf kopfschüttelnd. Schon bald steht fest: Zu Hause geht es nicht mehr. Ralf-Otto Burgdorf kommt zunächst auf die Palliativstation in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). »Im Juni hatten wir erstmals Kontakt mit dem Hospiz Luise aufgenommen. Denn die Palliativstation ist ja auch nur eine Durchgangsstation«, betont Ariane Burgdorf. Im November dann die erlösende Nachricht: Im Hospiz Luise ist ein Platz frei geworden. Der Dachdeckermeister und seine Frau ziehen gemeinsam ein. »Das ich hier einen Platz bekommen habe, ist für mich wie ein Sechser im Lotto. Diese Versorgung hier, die kriege ich sonst nirgends. Auch wenn ich zu Hause einen ganzen Harem an Frauen hätte. Was die Pflegekräfte hier leisten und wie würdevoll sie mit mir umgehen, habe ich noch nie erlebt«, schwärmt Burgdorf. Immer wieder befeuchtet er sich mit einer kleinen Sprühflasche, gefüllt mit Wasser, seinen trockenen Mund. Trinken fällt ihm mittlerweile schwer und auch das lange Reden geht nicht mehr ganz so leicht.


Individuelle Pflege und Betreuung
Bei ihren täglichen Ablaufplanungen versuchen die Mitarbeitenden im Hospiz Luise die Bedürfnisse der Patienten immer mit einzubeziehen. »Wir treffen beispielsweise Verabredungen mit ihnen, wann wir sie waschen, ob sie zu den Mahlzeiten in den Wintergarten kommen möchten oder ob sie lieber im Zimmer essen. Jeder Tag wird sehr individuell gestaltet und sieht daher immer anders aus«, erzählt Nicole Friederichsen, Krankenschwester im Hospiz. Bei all dem ist die würdevolle Begleitung zum Lebensende für alle das Wichtigste. Dabei soll die Symptomlast der Patienten so gering wie möglich gehalten werden. »Viele genießen es, in eine ruhige Atmosphäre zu kommen. Wo sie Zeit haben, mit der Familie Abschied zu nehmen. Sich mit dem Thema Tod und Sterben auseinanderzusetzen. In erster Linie wird hier aber erst nochmal gelebt, bevor gestorben wird«, beschreibt Friederichsen die Grundhaltung aller Kollegen. Regelmäßig kommt eine Musiktherapeutin ins Haus und hin und wieder gab es auch schon mal Konzerte für die Patienten. Aber: »Wir versuchen schon herauszufinden, was für die Patienten von Bedeutung ist oder ob sie einfach nur die Ruhe genießen möchten« betont Friederichsen.

Eine feste Größe im Haus ist der gemeinsame Mittagstisch. Jeder der kann und Zeit hat, nimmt daran teil. Patienten, der Hausmeister, die Kolleginnen aus der Pflege, Mitarbeitende aus dem Sekretariat und Besucherinnen und Besucher. »Das wird von unseren Ehrenamtlichen immer ganz liebevoll begleitet. Die sind sozusagen die Gastgeber für uns. Das ist wirklich schon ein Ritual hier«, verrät die 46-jährige Krankenschwester. Einzige Regel: man muss pünktlich um 12 Uhr im Wintergarten sein. Trotz der täglichen Konfrontation mit dem Sterben und dem Tod arbeitet Nicole Friederichsen gerne im Hospiz. Für sie ist ihr Beruf Berufung. »Ich kann mir keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Schon als junge Auszubildende habe ich mich viel um Patienten gekümmert, die im Sterben lagen. Ich habe immer akzeptiert, und das muss man, wenn man in einem Hospiz arbeitet, dass das Leben endlich ist und das Sterben dazu gehört«, bestätigt sie.

Ralf-Otto Burgdorf bekommt nicht nur Unterstützung und Trost von den Pflegekräften und den Ehrenamtlichen. Auch seine 53-jährige Ehefrau ist immer für ihn da. »Seitdem mein Mann hier im Hospiz ist, habe ich noch nicht wieder zu Hause geschlafen«, erzählt sie etwas erschöpft. Zwar ist sie in der Zeit von 12 bis 17 Uhr regelmäßig zu Hause, kümmert sich um das Büro der Firma und geht ein Mal in der Woche in einem Steuerbüro arbeiten, den Rest der Zeit ist sie aber fast ununterbrochen bei ihrem Mann und gibt ihm Halt und Kraft. »Ich glaube, für ihn ist das Wichtigste, dass ich einfach nur da bin«, bemerkt die 53-Jährige. »Wo ich kann, unterstütze ich ihn. Ich helfe ihm beim Waschen, reibe meinen Mann mit Pflegemitteln ein, bringe Getränke mit oder wenn er Lust darauf hat, auch mal ein Eis.« Sie selbst schöpft ihre Kraft aus dem Zusammenhalt der Familie. Und: »Weil mein Mann und ich uns eben lieben. Das ist wohl das Wichtigste überhaupt«, betont sie.

Die weihnachtliche Tafel im Zimmer Burgdorf


Kurzfristige Ziele setzen
Neun Wochen wohnen die beiden nun schon im Hospiz Luise. Das Zimmer verlässt Ralf-Otto Burgdorf kaum. Die Krankheit hat ihn geschwächt. »Ab und zu bekommen die Pflegekräfte mich so stabil, dass ich meine ganze Energie aufbringe und in den Rollstuhl kann. Dadurch bin ich jetzt schon zwei Mal unten im Aufenthaltsraum gewesen und konnte gemeinsam mit anderen Patienten essen«, erzählt er. Aufgrund seiner fortgeschrittenen Erkrankung kann der 57-Jährige jedoch nur noch Miniportionen zu sich nehmen. Die meiste Zeit des Tages verbringt Burgdorf im Bett. Wasser in den Beinen und im Körper belasten ihn zusätzlich. Dafür bekommt er regelmäßige
Lymphdrainagen. »Ansonsten ist es nur ein Warten, dass ich dann würdevoll die Seite wechsle. Woanders könnte ich das wahrscheinlich nicht. Aber hier wird mir so viel Angst genommen, dass ich mich nicht fürchte, die Seite zu wechseln«, verrät der Familienvater. Seitdem der Hobby-Hühnerzüchter von seiner unheilbaren Krebserkrankung erfahren hat, hat er sich immer wieder kleine Ziele gesetzt. Nicht zu weit im Voraus. Die Ziele sollen schließlich erreicht werden. »Ich wollte unbedingt Weihnachten noch erleben. Nochmal mit der ganzen Familie feiern. Die Schwestern hier haben das dann ermöglicht. Sie haben das Zimmer so umgeräumt, dass die gesamte Familie genügend Platz hatte«, erzählt Burgdorf begeistert. Wieder befeuchtet er mit seinem Spray den Mundraum. Er wirkt erschöpft. Sein nächstes Etappenziel, Silvester zu feiern, erlebt Burgdorf ebenfalls. Und seinen Geburtstag am 04. Januar. Da kommt der Familienvater sogar noch mal nach Hause. »Das war das Schönste, was ich erlebt habe. Die Schwestern hier im Hospiz haben den Wünschewagen von den Maltesern gebucht und die haben mich dann nach Hause gefahren. Mit 75 Gästen konnte ich so meinen Geburtstag feiern«, erzählt er gerührt. Als nächstes möchte er am 24. Januar gemeinsam mit seinen Kindern Urlaubsfotos gucken. Dann kommen diese nämlich aus der Karibik zurück, von einem Urlaub, den Ralf-Otto und Ariane Burgdorf ihnen geschenkt haben, weil sie selber diese Reise nicht mehr antreten konnten. Es war das letzte Ziel, das der 57-Jährige noch geschafft hat. Einen Tag später hat Ralf-Otto Burgdorf die Seite gewechselt.

Grit Biele



Aufnahmekriterien

Jeder Antrag auf einen Platz im Hospiz wird zunächst gründlich geprüft. Klare und strenge Aufnahmekriterien sorgen dafür, dass nur diejenigen in ein Hospiz einziehen dürfen, die diese Hilfe auch wirklich benötigen. »Der Patient muss zu diesem Zeitpunkt eine unheilbare, weit fortgeschrittene Erkrankung haben und die Lebenserwartung wird nur noch für Tage bis wenige Wochen vermutet«, erklärt Kurt Bliefernicht, Leiter im Hospiz Luise. Außerdem müsse der Patient eine hohe Symptomlast aufweisen, wie Übelkeit, Schmerzen, massive Unruhe, die in der häuslichen Versorgung nicht beherrschbar ist. Und, der Arzt muss die Aufnahme in ein Hospiz aus medizinischer Sicht begründen. »98 Prozent unserer Patienten sind Krebspatienten im Endstadium. Die restlichen zwei Prozent sind neurologische Erkrankungen wie ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), MS (Multiple Sklerose) oder eine schwere
COPD (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung)«, so Bliefernicht. Maximal sechs Monate dürfen die Patienten im Hospiz bleiben. Zeichnet sich ein längerer Aufenthalt ab, muss der Arzt erneut eine Begründung einreichen, warum die Unterbringung im Hospiz weiterhin notwendig ist. Die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten im Hospiz beträgt 19 Tage.


Hospiz in Zahlen

Die Geschichte der Hospize geht bis ins Mittelalter zurück. Ein Hospitium (lateinisch für Hospiz) war damals eine kirchliche oder klösterliche Einrichtung, die sich um Pilger, Bedürftige, Fremde, Kranke oder auch Schwache kümmerte. In Frankreich gab es 1842 eine Einrichtung, die sich erstmals speziell mit der Pflege von Sterbenden beschäftigte. 1967, also mehr als 100 Jahre später, wurde das erste stationäre Hospiz im Sinne der Palliativ Care bei London eröffnet, wo 1982 auch das erste Kinderhospiz entstand. In Deutschland wurde das erste stationäre Hospiz 1986 in Aachen gegründet. Inzwischen gibt es deutschlandweit etwa 240 stationäre Einrichtungen, davon mehr als 15 für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern sowie über 1500 ambulante Hospizdienste. Finanziert wird die Arbeit in einem deutschen Hospiz durch die Kranken- und Pflegekassen. Hierfür fechten die Betreiber regelmäßig Bedarfssatzverhandlungen aus. 95 Prozent der Kosten übernehmen dann die Kassen, fünf Prozent muss der Betreiber über Spenden und über das Ehrenamt selbst finanzieren. Patienten zahlen für ihren Aufenthalt im Hospiz nichts.

Danke an Grit Biele für diesen großartigen Artikel, Danke an Familie Burgdorf für die Bereitschaft so offen einen ganz persönlichen Teil ihres Lebens mit uns zu teilen, Danke an die Asphalt Redaktion und Georg Rinke. Danke, dass ich das hier im Blog teilen durfte!

Herzliche Grüße

Eure Nici

Tue Gutes – Teil 3

Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder. Sie geben das Empfangene zehnfach zurück.

August von Kotzebue

Die Zeiten sind gerade ungewöhnlich – milde ausgedrückt. Gerade gestern habe ich eine Mail in meinem Hospizpostkasten gefunden. Frau Prof. Dr. Begemann hat uns geschrieben, denn am 15. hätten wir eingentlich eine gemeinsame Veranstaltung gehabt. Die werden wir nachholen!
Dennoch passiert hier was. Das berührt mich immer wieder auf´s Neue. Was für eine Kreativität da entsteht und wie viele Menschen an uns denken.

Wohnzimmerkonzert

Mein Geburtstag am 23. März fiel auf den ersten Tag der Kontaktbeschränkungen. Mein ohnehin geplantes Konzert mit Milou&Flint war schon abgesagt und gemeinsam mit H1 Fernsehen, Grünes Zimmer und Matthias Brodowy gab es ein Wohnzimmerkonzert im Livestream. Bis heute sind
4915.55 Euro an Spenden eingegangen. Im Umschlag, über Paypal, über das Konto, über betterplace. Ich bin total überwäligt und sage allen an dieser Stelle nochmal DANKESCHÖN!!! Auch mit dem Brief von unserer Leitung Kurt Bliefernicht!

#stayathomemarathon

Wir wollten mit zwei Staffeln laufen, jetzt laufen wir zuhause. In unseren wunderbaren Trikots, die uns die Firma Gerd Koch noch gerade fertigstellen konnte. Außerdem haben wir eine Unterstützung für die Trikots von 100 Euro von einem Spender erhalten. Danke dafür!!
Unfassbar, was das Team von Stefanie Eichel jetzt leistet und die erste Startnummer ist auch schon da! Wer uns pro gelaufenen Kilometer dennoch unterstützen möchte, der darf sich gerne bei uns melden oder direkt spenden:

Hospiz Luise
Sparkasse Hildesheim
IBAN: DE91 2595 0130 0039 9993 31
BIC: NOLADE21HIK
Verwendungszweck: Marathon

Hasispende

Das ist sicherlich die rührendste Spende dieser Tage. Viele meiner KollegInnen und ich waren schockverliebt in den Handschmeichler-Hasen einer Patientin. Ich habe mit Erlaubnis ein paar Fotos gemacht und eine Freundin aus Burgwedel hat uns dann einen eigenen Luisen-Hasen genäht. Der muss unbedingt in Serie gehen. Wir sind sehr verliebt und mein Kollege Holger hat wie versprochen das erste Exemplar erhalten. Merci, Claudia!! Die Anleitung gibt es auf ihrer Seite bei KIRADO

Maskenspende

Dann gab es noch die Unterstützung vom NKR. Gleich 20 selbstgemachte Masken, die eine Mitarbeiterin nach ihrem Feierabend näht sind bei uns angekommen und helfen uns bei der täglichen Arbeit. Tausend Dank dafür!!

Wiederholungstäterin

Sandra von Centaurea Cosmetic hat uns auch schon wieder 100,50 Euro überwiesen. Dafür hat sie ihr letztes Trinkgeld und Spenden aus einem Hefedeal gesammelt. Danke dafür, liebe Sandra!

Schokolade

Eine große Spende in Form von Schokolade hat uns vor Ostern erreicht. Ich durfte bei Ikea Großburgwedel eine Wagenladung Schokolade abholen. Meine Freundin Amely hat es vermittelt und die Kolleg*innen von Ikea haben es umgesetzt. Die rechne ich jetzt aber nur auf unsere Hüften – nicht auf die Gesamtsumme. Vielen lieben Dank dafür!!

Damit bin ich bei 10.147,27 Euro von erhofften 25.000 Euro!!!!

Ihr wißt, es fällt in meiner Blogzeit noch einiges aus, aber ich bin ja schon dabei wieder kreativ zu werden. Zum Beispiel bei meiner neuesten Aktion, Minileinwände von Prominenten und KünstlerInnen gestalten lassen. Wer mitmachen will, der schreibe mir einfach eine Nachricht!
25jahrehospizluise@gmx.de

Herzlichen Dank an euch alle und ich freue mich auf weitere kreative Ideen und Unterstützung. Das Leben ist bunt!

Eure Nici

Fotos Nici, Claudia, Jacky & Pixabay

Ostern im Hospiz

Meine erste Aufgabe gestern im Dienst, war mir eine Stoffmaske im Dienstzimmer auszusuchen. Wie ein Teenager bin ich dann zum Wäscheständer im Keller gegangen und habe mir ein wunderschönes Rosenmusterexemplar für den Tag gegriffen, in der Kiste war eben nicht das Richtige dabei.
Ostern im Hospiz. Das ist normalerweise voll von Grün, Blumen, grandioser Dekoration, Eiern mit Namensgravuren, einem Haus voller Besucher*innen, Freude, Geschenken und Festmahl. Auferstehung feiern, jeder auf seine Weise.
Eigentlich schmückt unser Haus zu den Festen Susanne. Susanne arbeitet ehrenamtlich bei uns. In diesem Jahr hat sie uns die Tasche mit der Deko dagelassen und die Nachtschwestern haben das Werk begonnen und wir im Frühdienst haben es beendet. In Ermangelung von Zweigen bin ich früh morgens mit der Gartenschere losgelaufen und habe einige überstehende Zweige mitgenommen. Ein Miniosterstrauch.

Unsere Ehrenamtlichen fehlen uns. Wir ihnen auch. Das sagen zumindest die Karten, die jede Woche bei uns eintreffen. Unseren Patienten und Besucher*innen fehlen die Mitarbeitenden auch. Die schon an der Tür ein freundliches Wort haben. Wissen wo die Besucher*innen hinwollen. Die informiert sind über die aktuellen Ereignisse und die immer ein Ohr haben. Auch für Nichtgesagtes. So eine wertvolle Ressource – einfach weg. Genauso in unseren ambulanten Diensten. Wie verzweifelt die Menschen sich Unterstützung wünschen und dann können Sie diese nicht bekommen. Vielleicht noch telefonisch. Corona bestimmt unseren Rhythmus.

Eine Kollegin vom Bundesverband Trauerbegleitung hat in diesen Zeiten eigens ein Konzept mit einer Gruppe sehr aktiver Menschen entwickelt. Chris Paul und ihr Team bieten eine telefonische Unterstützung für Menschen mit Covid 19 an, die in Quarantäne sein müssen, deren Angehörige und auch für medizinischem Personal. Das lohnt sich in jedem Fall weiterzusagen, deshalb sind hier auch die Informationen dazu. Wir erleben täglich die große Trauer und Last der Angehörigen und Patienten. In der ambulanten Versorgung und in Pflegeheimen potenziert sich das noch. Wenn ihr also jemanden kennt, der erkrankt ist oder in Quarantäne und jetzt Beratung und Hilfe gebrauchen kann – sogar täglich, dann meldet euch dort!

Zurück zu uns. Auch wenn wir nicht in der gewohnten Fülle gefeiert haben, so haben wir doch in einem Moment der Achtsamkeit die Osterkerze entzündet. Eine Riesenkiste mit Schokolade für alle Mitarbeitenden zum Mitnehmen, gestiftet von Ikea Burgwedel, erhellt die Gesichter. Meine Freundin Amely hat den Kontakt vermittelt und Mitarbeiterin Nicole hat mir eine Wagenladung Schokolade geschenkt. Diese kleinen Gesten sind ganz groß in Zeiten wie diesen.
Die Patient*innen haben immerhin ein buntes Ei erhalten und sich beim Ausflug auf die Terrasse an den kleinen Dekorationen im Haus erfreut.
Einige haben auf Nachfrage auch erzählt, was Ihnen Ostern bedeutet. Wie sie es in den Jahren vorher immer gefeiert haben.

Gibt es ein Leben nach dem Tod? In einem Hospiz wird diese Frage oft gestellt. Wir sind nah dran an dem, was danach kommt. Dennoch weiß es keiner genau.
Wie geschockt waren die Frauen damals, als Jesus nicht in der Grabhöhle zu finden war. Darüber haben meine Kollegin Elisabeth und ich beim Frühstück gesprochen. Ich sagte, „vielleicht waren sie gar nicht so erschrocken, weil sie auch viele Wunder erlebt haben“. Wunder gibt es heute auch noch, aber die Menschen sehen sie nicht richtig. Das war unsere Quintessenz.

Morgen werde ich im Büro arbeiten und dann endlich sagen können, was ihr vor Ostern für mein Wohnzimmerkonzert gespendet habt! Ich bin sehr gespannt und freue mich, dass ihr das Video mit Matthias Brodowy immer noch schauen könnt. Besonders an so einem kalten Ostermontag.
Herzliche Grüße
Eure Nici

Fotos: Nici´s Handykamera

Zeit

Heute ist mein erster Urlaubstag und es schneit draußen. Eigentlich wäre ich jetzt an einem Strand, würde die Sonne genießen und händchenhaltend mit meinem Mann spazieren gehen. Stattdessen bin ich zuhause. In meinem Arbeitszimmer. Heute nachmittag halten wir beim Hundespaziergang auch Händchen, hoffentlich gibt es dann auch ein paar Schneeflocken.
Wir können die jetzige Situation nicht ändern. Wir können das Beste aus ihr machen. Letzte Woche im Hospiz war es ähnlich. Auch hier mussten wir uns einschränken. Mundschutz und Schutzkittel, bei körpernaher Pflege. Trostlos. Bedrückend.
Wir schenken Lächeln, besondere Leckereien, ermutigen durch Gesten, haben Zeit für Gespräche.

So ist es auch in den Krankenhäusern. Keiner kann mehr rein. So ist es bei Bestattungen. Abstand von 1,50m bis 2m. Nur die engsten Familienangehörigen. Ein Freund der Familie meines Mannes ist dieser Tage verstorben. Die Trauerfeier hat schon in aller Stille stattgefunden. Ein Riesenberg an Trauer türmt sich in diesen Zeiten auf. Neben all den wirtschaftlichen Katastrophen und der Trauer um geplatzte Lebensträume, werden die Toten in diesen Zeiten minimalistisch verabschiedet. Dabei braucht die Trauer der Lebenden doch auch diese Schleusenzeit, mit Berührung, Totenwache, Gestaltung der Trauerfeier und den Trost der Gemeinschaft. Ich habe zu meinem Mann gesagt: „wenn ich jetzt sterbe, dann lass mich bitte einäschern und feiere danach nochmal groß Abschied“.

Meine Kollegin Inga ist gerade in der Aufnahme. Das Telefon steht nicht still. Traumatisierte Menschen melden sich und suchen händeringend Trost, Rat und Unterstützung in der Hilflosigkeit.
Diese Menschen dürfen wir jetzt nicht vergessen. Ich bin dankbar, dass wir die Telefonseelsorge haben, die einen unfassbaren Job macht. Ich bin dankbar, dass Kolleg*innen der Trauerarbeit Onlineangebote ins Leben rufen. Ich bin dankbar, dass wir Smartphones haben, mit denen wir Kontakt zu unseren Liebsten halten können.

Was machen wir jetzt also mit unserer Zeit? Mein Aszendent ist Waage, das besagt ich bin ein Putzteufel. Leider ist das Horoskop an dieser Stelle fehlerhaft. Also werde ich heute eine Serie auf meinem Tablet schauen und nebenbei gemütlich mein Arbeitszimmer entrümpeln. In Erinnerungen schwelgen.

Gerne wüsste ich auch, was du machst! Also schreib mir doch bitte eine Nachricht und im nächsten Blogeintrag würde ich das gerne veröffentlichen. Oder du schreibst mir ein Gedicht, sendest mir dein Onlineangebot für Trauernde, schickst mir ein Bild deiner Aktivität, deinen Buchtipp, einen Gruß aus dem Homeoffice, grüßt jemanden…..bitte an:

25jahrehospizluise@gmx.de

Im Hintergrund läuft das Wohnzimmerkonzert von meinem Freund Matthias Brodowy. Geschenkte Zeit – Eine Stunde Musik und Humor. Seelenfutter.
Zeit nochmal Danke zu sagen, an das Team von H1 Fernsehen, Grünes Zimmer, Matthias und an alle Spender*innen.


Nutzen wir also die geschenkte Zeit so gut es eben geht. Nährt die Hoffnung in euch. Schreibt mal wieder Briefe. Schreibt mir. Spielt Gesellschaftsspiele. Lest die verstaubten Bücher aus dem Regal. Allen die arbeiten wünsche ich Kraft, sage Danke und bin gespannt, wielange mein Urlaub anhält. Wir Krankenschwestern stehen auch auf Abruf bereit…

Herzliche Grüße
Eure Nici

Fotos: Pixabay und ich 🙂

Livestream mit Matthias Brodowy geht immer in diesen Zeiten

Eigentlich fallen momentan alle unsere geplanten Veranstaltungen aus. Alternativ könnt ihr euch aber kostenfrei den Livestream mit Matthias Brodowy ansehen. Unterstützt und umgesetzt von Grünes Zimmer und H1 Fernsehen.

https://www.youtube.com/watch?v=NssJfRWyo_0

Passt auf euch auf!

Herzlich

Eure Nici