Zwei Schweine packen aus

Mich haben zwei Schweinepaten gebeten die Geschichten ihrer Schweine weiterzugeben. Lest doch mal rein und vielleicht möchtet ihr auch so ein Schwein kennenlernen und ausleihen? Dann schreibt mir doch eine Nachricht an 25jahrehospizluise@gmx.de
Danke an Kerstin und Uwe, dass ihr so gut zuhören könnt und uns daran teilhaben lasst!

Das Luther-Festschweinchen

Ich möchte auch von ein paar „Schweinereien“ berichten, die ich in diesem Hospizgeburtstagsjahr bisher erlebt habe …
Hier in meinem Stall werde ich das „Luther Festschweinchen“ genannt 😊. Schon im November bin ich nach Luthe gezogen und konnte am 9.11.19 meine erste Lagerfeuerparty erleben. Meine Freunde Kerstin und Detlef haben´30 Jahre Mauerfall` gefeiert und zu Soljanka, Quarkbällchen, Hallorenkugeln und Getränken eingeladen. Die Gäste sollten statt Mitbringseln nur für mein Futter sorgen und haben das gern getan.

Nun kannte mich der Freundeskreis der beiden und war nicht verwundert, daß ich im Advent beim Krippensingen wieder mit dabei war – Ursel und Willi hatten geladen und ich danke für den Glühweinobulus in meinem Bauch.

Da wegen der Coronaeinschränkungen die Geburtstagsfeiern eher klein ausgefallen sind, gab es erst an Pfingsten wieder eine Gartenparty. Diesmal wurde gegrillt und später noch am Lagerfeuer gesessen. Statt Gaben fürs Buffet sollte wieder Futter für mich dabei sein – und alles war sehr lecker…😊
Ich danke allen, die ich bisher in Luthe kennenlernen durfte, daß sie sich immer etwas einfallen lassen, mir eine Freude zu machen. So bin ich schon gespannt auf die nächsten Treffen, bevor ich im November wieder in meinen Heimatstall Hospiz Luise ziehe…

Mein Schweineleben in der Haarschneyderey zu Burgdorf

Als ich im November 2019 in mein neues Zuhause, der Haarschneyderey zu Burgdorf, gebracht wurde, war mein Magen total leer. Meine neuen Pflegeeltern, Nicole Lang und Martin Sniehotta, die dort arbeiten, gaben mir einen super Platz auf der Fensterbank, der mir einen Rundumblick erlaubte.Das Geschehen im Arbeitsraum und auf der Straße konnte ich von dort aus gleichermaßen gut beobachten.Viele Menschen, die ich dort kennenlernte, waren daran interessiert, dass es mir gut ging. Ich wurde gerne und oft gefüttert. Besonders in der Adventszeit meinten es viele mit einem hungrigen Schwein gut. Auch Nicole und Martin haben ihr Essen oft mit mir geteilt.

Gerne haben die beiden ihren Kunden etwas über mein Elternhaus, dem Hospiz Luise, warmherzig erzählt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Viele Kunden wussten gar nichts über die Arbeit im Hospiz, weil sie Angst vor dem Thema „Sterben“ haben. Aber es gab aber auch andere, die durch eigene Erfahrungen mit ihren Angehörigen vom Hospiz Luise wussten. Sie haben sich sehr lobend über die Menschen, die dort arbeiten, geäußert.

Sie fühlten sich in der schweren Situation gut begleitet. Besonders die liebevolle Pflege ihrer kranken Angehörigen hat sie sehr beeindruckt. Auch die Atmosphäre mit bunten und fröhlichen Farben im ganzen Haus empfanden sie sehr angenehm. Darüber habe ich mich ganz doll gefreut.

Da ich noch nicht so schnell zurückkommen werde, nutze ich diesen Weg, den Mitarbeiter*Innen  im Hospiz weiterzugeben, wie positiv die Meinung der betroffenen Menschen über ihre Arbeit war.

Nicole hat mich auch zu einem Geburtstag mitgenommen, wo ich alle „Geschenke“ auffuttern durfte. Das war auch ein Festtag für mich.Ich freue mich darauf, noch eine ganze Weile auf meinem schönen Fensterplatz bleiben zu können, Geschichten zu hören, Menschen kennen zu lernen und bin dankbar, wenn die Kunden von Nicole und Martin mich (trotz Corona) weiter füttern würden.
Viele Grüße vom Schweinchen aus der Haarschneyderey zu Burgdorf
Uwe Lang  ( mir hat das Schweinchen seine Geschichte erzählt)

Danke an alle meine Schweinepaten und ich grüße euch alle herzlich,

Nici

Silvester im Hospiz

In diesem Jahr habe ich Weihnachten gearbeitet. Deshalb habe ich Silvester frei. Das sind die Regeln im Schichtdienst – meistens klappt das ganz gut. Letztes Jahr hatte ich am 31.12. Spätdienst und am 01. Januar Frühdienst. Das lasse ich jetzt gerne nochmal kurz für Euch Revue passieren:

Silvester im Hospiz- heute übernachte ich nach dem Spätdienst hier und habe morgen Frühdienst. Mit meiner Kollegin, so ein bisschen Pyjamaparty mit Wein und Chips. Wir haben Berliner zum Kaffee gehabt, mit unserem Ehrenamtlichen Karsten und Patient*innen über Traditionen gesprochen. Auch was wir um Mitternacht denen wünschen, die kein glückseliges ganzes Jahr mehr haben werden.
Einen lichtvollen und warmen Neujahrstag vielleicht. Die Stimmung ist gar nicht so traurig wie ich erwartet habe.

Wir haben gerade „stabile“ Verhältnisse im Hospiz, unsere Patienten haben noch Zeit und nutzen diese auch. Ein Patient plant schon einen Ausflug mit dem Wünschewagen, um nochmal jemanden zu besuchen. Eine andere Patientin freut sich auf den Besuch des Bruders. Pläne werden geschmiedet.

Bis vor ein paar Stunden wollte keiner geweckt werden, jetzt wirbelt unsere liebe Nachtschwester um uns herum und zaubert „Partysets“ für den Jahreswechsel, dabei läuft Musik von Coldplay im Hintergrund. Jetzt will es doch keiner verpassen.
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Wie gut, dass es diesen Ort gibt. Wie gut, dass wir mitten im Sterben soviel Leben und Liebe erleben dürfen.
Mein Highlight war sicher die Klingel kurz vor Mitternacht. Wir haben niemanden mehr erwartet. Alle angekündigten Besucher*innen waren schon eingetroffen. Dann standen mein Mann und meine Tochter plötzlich vor mir. Strahlend, überraschend, aufgeregt. Überraschung gelungen. Das hat mich sehr berührt und mir viel bedeutet. Solche Erinnerungen tragen einen durch schwere Zeiten und zaubern ein Lächeln ins Gesicht.
Was für eine besondere Nacht.

Einen Gruss in den Silvestertag und die Silvesternacht an alle, die in 2020 leben, lieben und lachen werden. An diejenigen die jemanden vermissen, traurig sind und nicht wissen wie es werden wird im neuen Jahr. Ich wünsche euch Momente mit liebevollen Begegnungen.
Wie der kleine Prinz schon sagte:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Herzlich,

Eure Nici

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Letzte Wünsche

Fotos: Hospiz Luise, Britta Krämer und ich

Was für ein besonderes Gefühl, sich um die Wunscherfüllung zu kümmern, den Wunsch zu realisieren und anschließend zu erfahren, wie glücklich der Gast und seine Familie waren. Da bekomme ich das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Und das, obwohl ich gar nicht dabei war!
Antje Doß, Hospizkoordinatorin ambulanter Hospiz und Palliativdienst Malteser
Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen

Mit Antje Doß habe ich schon vor Jahren zusammengearbeitet und sie nie aus den Augen verloren. Jetzt melden wir uns öfter bei ihr oder ihrem Kollegen Christoph Mock. Dann brauchen wir den Wünschewagen, um schwerkranken Patienten einen letzten Wunsch zu erfüllen.
Vor kurzem hat das Team kurzfristig organisieren können, dass eine Patientin nochmal nach Hause konnte. Medizinisch betreut und begleitet von meiner Kollegin Anne und dem Team des Herzenswunsch Krankenwagen. Nochmal im eigen Bett liegen, den Duft der Wohnung, eines Lebens, wahrnehmen. Bilder im Regal anschauen, die ein Leben – oft ein viel zu kurzes – erzählen.
Aber auch zum Elton John Konzert ist der Wagen gefahren, zu einem Besuch auf die Pferdekoppel, oder zum Steinhuder Meer. Manchmal ist ein letzter Wunsch auch eine Ausstellung der eigenen Bilder bei uns.

Das geht uns unter die Haut. Meistens ist jemand von uns mit dabei. Da sehen wir Freude und Trauer. Es ist das letzte gemeinsame Konzert oder ein letzter Besuch zu Hause. Besondere Stunden, die nochmal voller Leben sind und Erinnerungen für die Zugehörigen schaffen, die zukünftig ihr Leben ohne den anderen gestalten. Neue Rituale finden, Raum für die Erinnerungen schaffen und weiterleben. Wir freuen uns über die Berichte der Kolleg*innen, schauen die Fotos an und lassen uns alles haargenau erzählen.
Manchmal werden Erinnerungen als Tatoo auf den Körper gebracht. Berührend für mich, die Geschichte einer Patientin, die sich erst bei uns tätowieren ließ. Dominik von Barrys Tattoo Twister hat einen Hausbesuch bei uns gemacht und die Initalien der Familie zieren jetzt den Unterarm der Patientin. Wie tröstend, dass es möglich war ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Die Stimmung im Zimmer war ähnlich wie in einer Bahnhofshalle, weil wir alle mal gucken wollten.

Oder wir fahren ins Fußballstadion, gehen nochmal die Lieblingsnudeln essen oder helfen ein Wochenende zuhause zu organisieren. Oder sind manchmal leider auch nicht schnell genug. Auch das passiert. Dann ist der Tod schneller.
Das zu erleben macht mich in meinem Leben achtsamer. Ich warte nicht lange, meine Wünsche zu erfüllen, Sätze zu sagen oder jemanden zu umarmen. Keiner von uns weiß ja, was uns vorbestimmt ist und ich finde es erstrebenswert mindestens 1x am Tag etwas Gutes zu tun, für andere und für mich.

Vorgestern hat mich jemand gefragt, wie ich diese Arbeit machen kann? Wie ich damit umgehe? Eigentlich ganz gut, ich habe ja noch eine andere Teilzeitstelle und kann meine Energie oftmals auftanken. Manchmal gelingt das auch nicht so gut und dann kann auch ich mich nicht so gut schützen. Oder wenn wir viele junge Patient*innen haben. Das ist schwer.
Einmal hatten wir einen Patienten, dem wir auch einen Wunsch erfüllen konnten. Clemens war sein Name. Mein Kollege Hans-Jörg und ich sind mit ihm ins Sealife gefahren. Mit der Bahn. Im Frühling. Daran denke ich oft, wenn ich mal traurig bin. Weil er so voll Lebensfreude alles aufgesaugt hat. Mit einer geistigen Einschränkung war er wie ein Kind und dabei so klug und weise. Definitv hat er mein Herz gestohlen, mich zum Lachen und Weinen gebracht.

Die Parole dieses Beitrages kann nur heißen: Geht raus und lebt, erfüllt euch kleine und große Wünsche, seid verrückt, liebt und streitet euch, habt Mut, sagt mal „nein“ und lacht und weint.
Unterstützt die, die euch brauchen. Überrascht die, die nicht mit euch rechnen. Umarmt Bäume und knuddelt die Katze oder auch mal die Verkäuferin  – warum denn auch nicht?
Danken möchte ich den Menschen, die uns dabei helfen letzte Wünsche zu erfüllen. Sie schenken uns Karten, ihre Plätze im Stadion oder unterstützen uns finanziell.
Gerade ganz tief berührt, bis nächste Woche,

herzlich
Eure Nici

P.S. Uns könnt ihr natürlich immer noch bei unseren Wünschen unterstützen und uns eine kleine Spende zukommen lassen. Von Herzen Dank dafür!

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Roncalli hat uns dieses Jahr Karten für einen Besuch geschenkt – unvergessliche Momente

Tue Gutes und rede darüber!

Kaum war mein Blog 15 Tage jung, habe ich schon die ersten Spenden annehmen dürfen!

Die erste Aktion war die absolut einzigartige Idee von Sven Friedrich Cordes einen Sarg zugunsten des Hospiz Luise zu versteigern. Gestaltet von Mansha Friedrich und Gästen hat das schöne Stück ein Jahr lang in der Galerie gestanden, bevor er am 02. November für 500 Euro seinen Besitzer wechselte und jetzt eine Weinbar wird. In der Galerie metavier hatten meine Kollegin Manuela und ich jedenfalls einen richtig tollen Abend. Danke, lieber Sven für diese großartige Idee!
Spendenertrag: 500 Euro Versteigerungserlös plus 50,50 Euro in meinem Schweinchen

30 Jahre Mauerfall – Party mit Spendenschweinchen

Meine Kollegin Kerstin, die bei unserem Ambulanten PalliativDienst arbeitet hat auch gleich ein Schweinchen bestellt und es mit zu einer besonderen Feier genommen. Neben Lagerfeuer und einem köstlichen Essen haben die Freunde von Kerstin 30 Jahre Mauerfall gewürdigt und nebenbei unser Schweinchen liebevoll gefüttert. Danke dafür!!
Spendenertrag: 200 Euro und viele weitere Ideen, wo das Schwein noch Gast sein kann

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Hannoverscher Carnevals Club sammelt beim Tiergartenfest

Beim Tiergartenfest konnte für 0,50 Cent das Glücksrad gedreht werden und viele Kinder erhielten ein wunderschön geschminktes Gesicht. Möglich machten das die Mitglieder des HCC. Der Erlös war für das Hospiz Luise bestimmt. Was für ein toller Einsatz! Die Übergabe fand im Leonardo Hotel Hannover am Tiergarten statt und ich danke Dirk Knappert und seinen Mitarbeitenden für den netten Rahmen der Scheckübergabe. Merci an den HCC!
Spendenübergabe von 535,72 Euro plus 30 Euro spontan Spende

Das macht nach Adam Ries schon eine Summe von 1316,22 Euro!!!

Ein weiteres Schweinchen durfte ich diese Woche nach Burgdorf in die Haarschneyderei von Nicole Lang bringen. Dort wird es jetzt in der Hannoversche Neustadt 14 für uns sammeln. Herzlichen Dank auch dafür!

Jetzt seid Ihr dran! Ich suche noch weitere Geburtstagskinder, Partymäuse, Hochzeitspaare, Geldverschenker und Schweinehüter! Unterstützt mich bei meinem Ziel 25.000 Euro für das Hospiz Luise in Hannover zu sammeln. Ich freue mich über Eure Mail an mailto:25jahrehospizluise@gmx.de. Gerne bringe ich Euch die Schweinchen und berichte auch über Euch, Euer Geschäft oder wo auch immer Ihr sammeln möchtet…Weihnachtsfeiern sind doch auch eine gute Möglichkeit 😉

Tue Gutes und rede darüber, ich kann es gar nicht oft genug schreiben. Danke an alle, die mit mir unterwegs sind, sein werden und über die ich berichten darf.

Herzliche Grüße

Eure Nici

BVT (27)

Fotos: Leonardo Hotel und ich