Überraschungen

5 Tage habe ich schon in der Galerie CC in der Königsstraße verbracht. 5 Jahre als Mitarbeiterin im Hospiz Luise. Ich mache mit der Benefizausstellung nicht nur auf 112 Unikate (inzwischen sind es 115, aber dazu später mehr) aufmerksam, sondern auch auf die wichtige Hospizarbeit.


Es gibt Tage, da denke ich, ich habe alles gesehen. Nichts kann mich mehr überraschen. Dann werde ich meistens eines Besseren belehrt. Nehmen wir doch mal Patientin Meyer-Müller-Schulze, die zu uns kommt und wir alle sehen – es wird nicht mehr lange dauern, dann wird sie sterben. Vom ersten Moment kommt die Zeit in der sich die Patient*innen, Angehörige und wir im System einschwingen und aufeinander einstimmen. Wir haben oft wenig Zeit dafür.
Stellt euch vor, ihr kommt nach langer Krankheit, viel Aufregung und Umwegen zu uns. Da wird erstmal durchgeatmet und viele können es gar nicht fassen, dass jetzt andere Aufgaben übernehmen und dann tatsächlich nochmal Leben möglich ist. So auch bei dieser Patientin. Überraschenderweise lassen sich die Kinder beide von der Arbeit freistellen und ziehen quasi bei uns ein. Der Ehemann komplettiert dieses 3-Schicht-System und wir sind dazwischen, wann immer wir gebraucht werden. Medikamente werden umgestellt, abgesetzt und ehrfürchtig warten wir auf den Tod. Der kam in diesem Fall aber nicht und die Patientin hat sich erholt und ist wieder ausgezogen. Einige Monate später ist sie zuhause verstorben. Hatte einfach noch Zeit geschenkt bekommen. Das hat mich überrascht. Ich lasse mich gerne überraschen. Dazu muss man ja auch irgendwie innerlich bereit sein.

Eine Überraschung ist es für mich gerade wie offen viele Gäste in der Galerie mit mir sprechen. Die nicht wissen, wofür wir wohl so viele Spenden brauchen. Ich sehe ja nur die Augenbrauen und die werden regelmäßig hochgezogen, wenn ich erwähne, dass wir jeden Tag pro Patient 5% der Behandlungskosten selber zahlen müssen. 365 Tage im Jahr. Jahr für Jahr. Oder die mir von sich erzählen. Das sie bald heiraten, oder wie Ihnen die Zeit jetzt zusetzt. Welche Stadt barrierefrei ist, welche Verbindung sie zur Galerie oder zu unserem Hospiz haben. Das ist Leben.

Dann sind da noch meine Spätmaler*innen. Da wurde ich auch angenehm überrascht!.Die könnt ihr vor Ort ersteigern oder mir eine Mail schreiben. (25jahrehospizluise@gmx.de) Oberbürgermeister Belit Onay, Maria Groß von der Bachstelze in Erfurt, Sven Cordes von Cordes Bestattungen und eines von Fynn Kliemann!

Überhaupt ist es toll, wenn ihr weiter mitsteigert oder einfach eine Kleinigkeit spendet. Wir wollen weiter ganzheitlich Familien wie die von Frau Meyer-Müller-Schulze betreuen. Auf guten Matratzen, mit Blumen im Zimmer, mit wunderbaren Ölen für Einreibungen, mit Mitarbeitenden die Fortbildungen gezahlt kriegen, Musiktherapie soll es geben und all die Dinge, die das Leben im Sterben erleichtern, und überraschenderweise manchmal auch noch richtig gut werden lassen.

Sagt es weiter, macht mit und unterstützt das Hospiz Luise in Hannover.
https://bidaid.com/auction/luise oder auch Paypal: spenden@hospiz-luise.de

Kommt noch bis Donnerstag in die Galerie CC, Königsstraße 8, Hannover. Ich bin immer von 11 bis 18 Uhr für euch da!

Herzlich Eure Nici

Ausstellung Minileinwände in der Galerie CC

Ich bin sehr erfreut, dass uns Caren Cunst für eine Woche in ihre Galerie einlädt, um unsere schönen Minileinwände zu präsentieren. In dieser Zeit könnt ihr auch alle Kunstwerke und andere exklusive Artikel ersteigern, die wir mit Unterstützung von Event Fundraising Behm anbieten können. Save the date…

-5Tage -10Std. -40Min. -39Sek.

Täglich von 11 bis 18 Uhr
Tragt euch hier in den Newsletter ein, um nichts zu verpassen!

Finale

Seit März beschäftige ich mit Minileinwänden. Eigenwillig wie ich bin, schreibe ich sie auch wie ich will. Ohne Bindestrich. Irgendwie haben das alle ausgehalten.
Am Ende eines Projektes angekommen. Aber es ist ja noch nicht das Ende. Denn ab sofort könnt ihr Teil des Projektes werden. Unterstützt unsere Arbeit, wenn es euch möglich ist. Bietet auf Eure Favorit*innen.

Hier geht es zur Auktion

Bevor ich diesen Beitrag angefangen habe, habe ich noch Sachen ausgedruckt, meinem Chef eine Liste geschrieben, immer noch keine Ahnung was ich morgen anziehe, mein Abendessen aufgegessen, damit es nicht regnet. Nachrichten gelesen, mein Handykabel verlegt und die Zeit rennt davon…ach, und die Kataloge sind auch nicht rechtzeitig angekommen. Dafür habe ich jetzt einen QR-Code von Sabrina Behm bekommen. Es ist wie vor jedem großen Event. Was soll ich sagen. Ich freue mich und kann nicht glauben, dass ich schon wieder so etwas Großes und wundervolles tun durfte.

7 Monate habe ich mich mit diesem Projekt beschäftigt, meine Traurigkeit über den Ausfall von allen anderen Veranstaltungen ist darüber verflogen. Das verdanke ich allen Teilnehmer*innen und dem Vertrauensvorschuss von Kurt, meinem Chef und seinen Vorgesetzten. Alle haben darauf vertraut, dass es schon gut gehen wird.

Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Ich danke allen, die jetzt mitbieten. Bietet nicht nur auf die Promis. Bietet auch auf die kleinen und feinen Bilder, die in 10×10 cm so einzigartig sind, oder auf die tollen Events.
Macht mit und rettet dieses verrückte Jahr für uns – es ist der Abschluss meines Blogs.
Danke an meine Kolleg*innen im Hospiz, weil ihr wundervoll seid. Für euch hab ich das in erster Linie gemacht,

herzlich
Nici

Trauercafé

Das Hospiz Luise lädt jeden 1. Sonntag im Monat Menschen zum Trauercafé in den ka:punkt mitten in Hannovers Innenstadt ein. Durch Corona war dieses Angebot eingeschränkt. Jetzt sind unser haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden wieder für Sie da!

Amely Schönthaler ist seit Anfang des Jahres die Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienst Luise und schreibt:

Seit Februar dieses  Jahres habe ich als neue Koordinatorin im Ambulanten Hospizdienst Luise mein neues berufliches Zuhause gefunden.  Der ambulante Hospizdienst Luise besteht bereits seit 2015.

In unserem Dienst engagieren sich zurzeit 25 Ehrenamtliche, sie übernehmen die psychosoziale Begleitung von schwer kranken und sterbenden Menschen und ihren Zugehörigen. Wir begleiten Menschen in ihrer Häuslichkeit, darunter viele,  die auch von unserem Ambulanten Palliativdienst  betreut werden, aber auch Menschen in Pflegeheimen und in Krankenhäusern. Unsere Ehrenamtlichen nehmen alle an einem Befähigungskurs teil, seit Februar 2020 bereiten wir 12 weitere Ehrenamtliche in einem neuen Kurs auf ihre Aufgabe vor.

Der Ambulante Hospizdienst Luise organisiert gemeinsam mit dem stationären Hospiz und dem ambulanten Paliativdienst auch das Trauercafé im ka:punkt. Von März bis August mussten wir wegen der Coronapandemie eine Zwangspause einlegen. Seit September findet das Trauercafé nun (fast) wie gewohnt wieder statt.

Auch Anne Wögns aus dem stationären Team habe ich gebeten ein paar Zeilen zu schreiben. Dafür danke ich ihr sehr und freue mich, dass morgen wieder die ersten Gäste in der Grupenstraße 8 von 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr unser Angebot wahrnehmen können und die Möglichkeit zum Gespräch und Austausch in ihrer Trauer erfahren.

Anne aus dem stationären Team schreibt:
Bei uns gehört zur Trauerbegleitung da Trauercafé. Es ein Angebot für Angehörige, die um ihre Partner*innen; Kinder, Eltern, Geschwister oder Freunde trauern.

Sie kommen zu uns weil…
-sie sich allein gelassen fühlen
-sie sich nicht verstanden fühlen
-sie darüber reden möchten, wie es ihnen geht
-sie sich darüber austauschen möchten, wie andere mit dieser Situation zurechtkomen
Den trauernden Menschen hilft es, wenn Fremde zuhören. Wenn sie in diesem geschützten Rahmen ihre Trauer zulassen können.

Jeder hat seine persönliche Art mit seiner Trauer umzugehen, da gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“…alles darf sein.
Es ist jeder trauernde Gast Willkommen, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Vielleicht gibt es ja mal einen Sonntag, an dem Sie bei Kaffee und Kuchen zu Gast sein möchten.
Termine in 2020:
04.10.2020
01.11.2020
06.12.2020

Herzlich,
Eure Nici

Pflege

Vor gut 25 Jahren habe ich in der Krankenpflegeausbildung in Bremen waschen gelernt. An Mitschüler*innen haben wir geübt, wie wir anregend und beruhigend waschen. Zusätze für das Wasser ausprobiert und die Königsklasse versucht. Dem Menschen der dort gelegen hat das Gefühl zu geben, es ist alles gut. Deine Intimsphäre wird gewahrt. Ich behandel dich mit Respekt und Würde. Du bist nicht in einer Waschstraße. Deine Bedürfnisse werden gesehen. Da hatte ich Glück, dass ich so wunderbare Lehrer*innen hatte. Schon vor einem Vierteljahrhundert war ihnen das wichtig. Mir ist das heute noch wichtig, wenn ich pflege.

Im Hospiz ist die pflegerische und psychosoziale Betreuung eine unserer Aufgaben. Die Patient*innen sind unterschiedlich selbständig und benötigen irgendwann immer unsere Hilfe. Bevor ich persönlich einen Menschen das erste Mal pflegerisch betreue, stelle ich mich gedanklich gerne einen Schritt neben mich. Das schärft meine Sicht und hilft mir meinem Gegenüber besser zu begegnen. Der Handlung eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit zu geben. Sicherheit auszustrahlen. Vertrauen zu schaffen. Scham und Ängsten zu begegnen.
Da könnt ihr euch natürlich fragen, ob das bei so etwas banalem, wie der Grundpflege nötig ist. Da würde ich mal vorschlagen, dass ihr euch in die Situation begebt.
Stellt euch mal vor ihr seid von jetzt auf gleich auf Unterstützung angewiesen. Ein anderer, fremder Mensch kommt in euer Zimmer geschneit und nimmt euch die Grundpflege ab. Berührt euch. Kommt euch nah. Riecht euch, ihr riecht ihn/sie auch. Hilft euch auf den Toilettenstuhl, beim Füße waschen und der Intimpflege.


Keiner von uns möchte das. Verständlich. Dennoch werden wir nicht alle plötzlich tot umfallen, sondern die Meisten von uns werden irgendwann von irgendwem gewaschen und versorgt werden. Das ist jetzt blöd, sich das vorzustellen.
Aber für mich steigt damit die Hochachtung vor den Menschen, die tagtäglich in Einrichtungen genau dies tun. Die professionell, respektvoll und liebevoll pflegerische Tätigkeiten verrichten und es schaffen, dass die zu Pflegenden sich fallen lassen. Das Schicksal annehmen und plötzlich beim Rückenwaschen fast schon schnurrren, weil es so schön ist.
Pflegekräfte die unter übelsten Bedingungen Dutzende Menschen duschen und waschen müssen. Dennoch haben sie oft ein Lächeln zur rechten Zeit, obwohl sie absolut erschöpft sind.

Im Hospiz haben wir diesen Druck in dieser Form nicht. Auch bei uns gibt es natürlich ungewöhnliche Tage, an denen wir erst um 12 Uhr frühstücken, weil unsere Patient*innen unsere ganze Zeit und Aufmerksamkeit fordern. Doch es gibt auch die Tage an denen alles möglich ist und wir im Einklang mit den Bedürfnissen der uns anvertrauten Menschen durch den Tag kommen.
Es ist ganz wunderbar zu sehen, was eine rhythmische Einreibung auslösen kann, oder wie entspannt ein sterbender Mensch in die Kissen sinkt, wenn wir mit warmen Wasser und dem Lieblingsduft sanft waschen. Manchmal über den ganzen Tag verteilt, um die Anstrengung so gering wie möglich zu halten.

Wenn wir uns Zeit nehmen können, dann können wir auch abgeben und annehmen. Das tun wir im Grunde ja jeden Tag, ohne es zu merken.
Ein lieber Gruß an alle Kolleg*innen – ihr macht einen wunderbaren Job! Vergessen möchte ich auch nicht, die pflegenden Angehörigen❤ Ein Danke an alle Patient*innen, die sich uns vertrauensvoll zuwenden und uns unseren Lieblingsjob machen lassen.

Herzlich Eure Nici

„FREUND HAIN – Das Spiel des Lebens“

„FREUND HAIN – Das Spiel des Lebens“

„Wir werden sterben. Das ist absolut gewiss und vollkommen sicher. Aber wir wollen nichts davon wissen. Bis jetzt. Denn jetzt gibt es Freund Hain. Und unser wunder Punkt wird unsere größte Chance.“ Nach dem Riesen-Erfolg im Jahr 2019 wird das Theater an der Glocksee uns anlässlich des 25. Geburtstages erneut mit Fragen, Ideen und Vorstellungen rund um „Freund Hain“ auf anspruchsvolle und wunderbare Weise zum Nachdenken, Lachen und Leben bringen. Darauf freuen wir uns sehr und laden ein! Weitere Informationen finden Sie auf folgender Website

Theater an der Glocksee
Glockseestr. 35, 30159 Hannover
info@theater-an-der-glocksee.de

 

Bettenwechsel

Vor kurzem habe ich vor Student*innen einen Vortrag über die Hospizarbeit gehalten. Trotz der späten Stunde waren diese jungen Menschen sehr interessiert an unserer Arbeit. Dabei habe ich auch die neuen Zahlen aus 2019 vorgetragen. Statistiken. Wie viele Menschen, wie alt, die durchschnittliche Verweildauer im Haus.
Machen wir uns nichts vor. Hospize sind auch wirtschaftlichen Faktoren unterlegen. Unsere Betten müssen belegt sein. Nicht nur aus ethischen Gründen, weil da draußen Menschen auf einen ersehnten Platz warten. Auch, damit wir beispielweise weiter unseren hohen Personalschlüssel halten können. Jetzt muss ich also die rosa Farbe einmal wegwischen.

Wenn ein Mensch bei uns stirbt, dann folgt eine Reihe von Ritualen. Die sind für die Angehörigen, Mitpatienten und Mitarbeitenden wichtig. Wird ein verstorbener Patient dann nach der Aufbahrung und Abschiednahme vom Bestatter überführt, hat unser Aufnahmemanagment im Hintergrund schon alles in Bewegung gesetzt, um einem neuen Patienten die Möglichkeit zu geben bei uns einzuziehen.
Ich selber habe schon solche Anrufe getätig. Das machen wir manchmal am Wochenende. Wenn abzusehen ist, dass ein Mensch sterben wird. Bis Montag zu warten würde bedeuten, dass ein Bett vielleicht tagelang leer steht. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass wir herzlose Maschinen sind. Eher bricht so manches Herz an diesem Zyklus. Wird für manche von uns der Dienst eher zur Last, als zur Erfüllung. Jeden Tag sterben. Jeden Tag Tränen. Jeden Tag lachen.
Da muss jeder tatsächlich gut bei sich sein. Sterben im Leben kann auch bedeuten, dass Kolleg*innen andere Wege einschlagen. Sich bewusst gegen das Hospiz entscheiden. Weil das Sterben zu viel Leben einnimmt.

Wo aber konnte ich bisher soviel über das Leben lernen, wie an diesem Ort? Nirgendwo. Mein Blick hat sich geschult. Ich versuche gelassener mit Dingen umzugehen. Manchmal gelingt mir das natürlich nicht, dann ärgere ich mich über andere Menschen und lasse mir meine Energie klauen. Ich bin ja auch nur ein Mensch.

Im Hospiz müssen wir uns eingestehen, dass der Tod oft zum falschen Zeitpunkt kommt. Wir erleben einen Bruchtteil der Trauer von Angehörigen und gehen dann weiter, um ein neues Leben bis zum Sterben zu begleiten. Während ich das schreibe finde ich, das klingt nicht so leicht. Ist es auch nicht immer. Aber wir sind da, weil wir das aus irgendeinem Grund gut können.

Wenn ich also nächste Woche zum Dienst gehe, dann werde ich zwei Zimmertüren öffnen, in denen mir andere Augen entgegenblicken werden. Beim Frühstück wird nicht mehr die Angehörige sitzen, die einige Wochen bei uns verbracht hat. Mutter und Tochter werden nicht mehr gemeinsam im Bett liegen und liebevoll schweigen. Dennoch freue ich mich auch auf die Dienste. Mit meinen Kolleg*innen, dem besonderen Geist, der durch unser Haus weht und bin dankbar, dass wieder einige Familien die Möglichkeit hatten, in diesem Umfeld ihren Abschied zu gestalten.

Bleibt behütet,

herzlich Nici

Wege

Mein Name ist Manuela Mehrtens und seit 23 Jahren darf ich hier im Hospiz Luise als Krankenschwester arbeiten. Zuvor war ich lange Zeit in einer großen Klinik in Hannover tätig. Damals fragte ich mich immer wieder – gibt es einen Ort, an dem Menschen in Würde, selbstbestimmt und mit erfüllten Tagen ihre letzte Lebenszeit verbringen können, wenn dies nicht zuhause möglich ist?

Jahre zuvor war ich durch einen Benediktinermönch auf den geplanten Bau des Hospizes aufmerksam gemacht worden. Bruder Willibrord war den Menschen auf meiner Klinikstation immer wieder ein großer Seelentröster. Nach einigen Gesprächen und Begegnungen mit ihm machte ich mich auf den Weg und fuhr mit meinem Käfer zu diesem Hospiz.
Dort stand die damalige Gründerin Sr. Katharina Maria an ein Auto gelehnt und ich sprach sie an und zeigte mein Interesse an der Hospizarbeit. Tage später durfte ich Probe arbeiten und was soll ich sagen, es war einfach so wohltuend diesen Dienst tun zu können und dürfen.
Die Begegnungen waren leicht und voll Wärme und Offenheit. Das Thema Tod wurde in den Alltag integriert und ja, mir viel gleich auf, hier wird gelebt und es darf auch gelacht werden neben den traurigen Momenten.

23 Jahre später komme ich immer noch sehr gerne an diesen Ort, um mich mit meinen Möglichkeiten einzubringen, Menschen auf unterschiedliche Weise zu begleiten. Neben traurigen Momenten habe ich so viele schöne und bereichernde Begegnungen erleben dürfen. Von einer Geschichte möchte ich gerne ein wenig erzählen. Eine junge Mutter war bei uns Patientin und bevor sie zu uns kam, sorgte sie für einen Pflegeplatz für ihre 12jährige Tochter. Als es ihr schlechter ging und der Geburtstag der Tochter anstand, war es für sie ganz wichtig, den neuen Lebensort der Tochter noch einmal zu besuchen und dort mir ihr zu feiern.
Gesagt – geplant – gemacht.
Meine Kollegin Brigitte und ich fuhren gemeinsam mit ihr in unserem neuen Caddy durch die Winterlandschaft. Sie mochte Peter Maffay und es war klar, dass seine Musik mitmusste. Gut gelaunt kamen wir an und wurden schon von einigen kleinen Erdenbürgern aufgeregt erwartet. Jeder hatte eine kleine Tischkarte auf dem Teller: „Mama, Pflege 1 und Pflege 2“ 🙂
Ein kleiner Mitbewohner, ca. 4 Jahre alt, sollte ganz verhalten und schüchtern fremden Menschen gegenüber sein. Nach ein paar Minuten hörte ich ihn mit Brigitte in seinem Zimmer auf dem Boden Auto spielen und laut brummen. Ich durfte die kleinste Dame (ca. 1,5 Jahre) auf dem Schoß halten und wir probierten uns an Seifenblasen.
Frau R., unsere Patientien, strahlte inmitten der Geburtstagsgesellschaft und ihre Tochter Julia hatte soviel zu erzählen und war glücklich über die mitgebrachten Geschenke. Sie spielte Fußball und so gab es auch ein cooles Trikot. Der Nachmittag ging viel zu schnell zu Ende und als wir auf dem Heimweg waren, äußerte Frau R. den Wunsch so gerne nochmal zu Mc Donalds zu wollen.
Gesagt – getan- begleitet von Peter Maffays „Über sieben Brücken musst du gehen“
Ich glaube sie hatte zwei Riesenburger- viel zu viel an Menge- aber einfach nur glücklich für den Moment.

Eine kurze Zeit verging und als ihre letzte Lebensnacht begonnen hatte, saß ihre eigene Pflegemutter an ihrem Bett und sang ihr Kinderlieder vor, bis der letzte Atemzug geschehen war. In dieser Nacht hatte ich Nachtdienst und trotz aller Traurigkeit war es ein so großes Geschenk, diese tiefe Verbundenheit und Liebe zwischen zwei Menschen erleben zu dürfen.
Im nächsten halben Jahr gab es noch einen Besuch bei Julia, die uns das Grab ihrer Mama gezeigt hat. Zu unserem traditionellen Sommerfest kam Julia dann auch und flog mir in die Arme, um mich zu begrüßen. Das sind so unglaubliche Momente, die mich bewegen und in denen ich weiß, dass das was ich hier gemeinsam mit einem tollen Team tun darf, etwas ganz Besonderes sind. Dankbar bin ich für all die Begegnungen und diese besonderen Momente im Leben von Menschen, die ihr Vertrauen in unsere und meine Hände legen und meistens bewusst ihren letzten Weg gehen.

Carpe diem
Manuela Mehrtens

P.S. Danke für diesen schönen Text, bis bald
Herzlich,
Nici

„Ins Dunkel? Ins Licht?“ – Sterben und Tod im Spielfilm

Referent: Dr. theol. Kurt W. Schmidt, Zentrum für Ethik in der Medizin des DW Frankfurt

Seit Anbeginn der Filmkunst wird auf der Kinoleinwand gestorben. Allerdings wird hier das Sterben nicht dokumentiert, sondern inszeniert. Jeder Blick, jede Geste, jedes Wort ist überlegt. Doch was genau wird gezeigt, wenn im Spielfilm und in TV-Serien gelitten, gestorben, begraben und getrauert wird? Kommunales Kino – Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, Hannover Freier Eintritt, um Spenden wird gebeten