Zwei Schweine packen aus

Mich haben zwei Schweinepaten gebeten die Geschichten ihrer Schweine weiterzugeben. Lest doch mal rein und vielleicht möchtet ihr auch so ein Schwein kennenlernen und ausleihen? Dann schreibt mir doch eine Nachricht an 25jahrehospizluise@gmx.de
Danke an Kerstin und Uwe, dass ihr so gut zuhören könnt und uns daran teilhaben lasst!

Das Luther-Festschweinchen

Ich möchte auch von ein paar „Schweinereien“ berichten, die ich in diesem Hospizgeburtstagsjahr bisher erlebt habe …
Hier in meinem Stall werde ich das „Luther Festschweinchen“ genannt 😊. Schon im November bin ich nach Luthe gezogen und konnte am 9.11.19 meine erste Lagerfeuerparty erleben. Meine Freunde Kerstin und Detlef haben´30 Jahre Mauerfall` gefeiert und zu Soljanka, Quarkbällchen, Hallorenkugeln und Getränken eingeladen. Die Gäste sollten statt Mitbringseln nur für mein Futter sorgen und haben das gern getan.

Nun kannte mich der Freundeskreis der beiden und war nicht verwundert, daß ich im Advent beim Krippensingen wieder mit dabei war – Ursel und Willi hatten geladen und ich danke für den Glühweinobulus in meinem Bauch.

Da wegen der Coronaeinschränkungen die Geburtstagsfeiern eher klein ausgefallen sind, gab es erst an Pfingsten wieder eine Gartenparty. Diesmal wurde gegrillt und später noch am Lagerfeuer gesessen. Statt Gaben fürs Buffet sollte wieder Futter für mich dabei sein – und alles war sehr lecker…😊
Ich danke allen, die ich bisher in Luthe kennenlernen durfte, daß sie sich immer etwas einfallen lassen, mir eine Freude zu machen. So bin ich schon gespannt auf die nächsten Treffen, bevor ich im November wieder in meinen Heimatstall Hospiz Luise ziehe…

Mein Schweineleben in der Haarschneyderey zu Burgdorf

Als ich im November 2019 in mein neues Zuhause, der Haarschneyderey zu Burgdorf, gebracht wurde, war mein Magen total leer. Meine neuen Pflegeeltern, Nicole Lang und Martin Sniehotta, die dort arbeiten, gaben mir einen super Platz auf der Fensterbank, der mir einen Rundumblick erlaubte.Das Geschehen im Arbeitsraum und auf der Straße konnte ich von dort aus gleichermaßen gut beobachten.Viele Menschen, die ich dort kennenlernte, waren daran interessiert, dass es mir gut ging. Ich wurde gerne und oft gefüttert. Besonders in der Adventszeit meinten es viele mit einem hungrigen Schwein gut. Auch Nicole und Martin haben ihr Essen oft mit mir geteilt.

Gerne haben die beiden ihren Kunden etwas über mein Elternhaus, dem Hospiz Luise, warmherzig erzählt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Viele Kunden wussten gar nichts über die Arbeit im Hospiz, weil sie Angst vor dem Thema „Sterben“ haben. Aber es gab aber auch andere, die durch eigene Erfahrungen mit ihren Angehörigen vom Hospiz Luise wussten. Sie haben sich sehr lobend über die Menschen, die dort arbeiten, geäußert.

Sie fühlten sich in der schweren Situation gut begleitet. Besonders die liebevolle Pflege ihrer kranken Angehörigen hat sie sehr beeindruckt. Auch die Atmosphäre mit bunten und fröhlichen Farben im ganzen Haus empfanden sie sehr angenehm. Darüber habe ich mich ganz doll gefreut.

Da ich noch nicht so schnell zurückkommen werde, nutze ich diesen Weg, den Mitarbeiter*Innen  im Hospiz weiterzugeben, wie positiv die Meinung der betroffenen Menschen über ihre Arbeit war.

Nicole hat mich auch zu einem Geburtstag mitgenommen, wo ich alle „Geschenke“ auffuttern durfte. Das war auch ein Festtag für mich.Ich freue mich darauf, noch eine ganze Weile auf meinem schönen Fensterplatz bleiben zu können, Geschichten zu hören, Menschen kennen zu lernen und bin dankbar, wenn die Kunden von Nicole und Martin mich (trotz Corona) weiter füttern würden.
Viele Grüße vom Schweinchen aus der Haarschneyderey zu Burgdorf
Uwe Lang  ( mir hat das Schweinchen seine Geschichte erzählt)

Danke an alle meine Schweinepaten und ich grüße euch alle herzlich,

Nici

Wege

Mein Name ist Manuela Mehrtens und seit 23 Jahren darf ich hier im Hospiz Luise als Krankenschwester arbeiten. Zuvor war ich lange Zeit in einer großen Klinik in Hannover tätig. Damals fragte ich mich immer wieder – gibt es einen Ort, an dem Menschen in Würde, selbstbestimmt und mit erfüllten Tagen ihre letzte Lebenszeit verbringen können, wenn dies nicht zuhause möglich ist?

Jahre zuvor war ich durch einen Benediktinermönch auf den geplanten Bau des Hospizes aufmerksam gemacht worden. Bruder Willibrord war den Menschen auf meiner Klinikstation immer wieder ein großer Seelentröster. Nach einigen Gesprächen und Begegnungen mit ihm machte ich mich auf den Weg und fuhr mit meinem Käfer zu diesem Hospiz.
Dort stand die damalige Gründerin Sr. Katharina Maria an ein Auto gelehnt und ich sprach sie an und zeigte mein Interesse an der Hospizarbeit. Tage später durfte ich Probe arbeiten und was soll ich sagen, es war einfach so wohltuend diesen Dienst tun zu können und dürfen.
Die Begegnungen waren leicht und voll Wärme und Offenheit. Das Thema Tod wurde in den Alltag integriert und ja, mir viel gleich auf, hier wird gelebt und es darf auch gelacht werden neben den traurigen Momenten.

23 Jahre später komme ich immer noch sehr gerne an diesen Ort, um mich mit meinen Möglichkeiten einzubringen, Menschen auf unterschiedliche Weise zu begleiten. Neben traurigen Momenten habe ich so viele schöne und bereichernde Begegnungen erleben dürfen. Von einer Geschichte möchte ich gerne ein wenig erzählen. Eine junge Mutter war bei uns Patientin und bevor sie zu uns kam, sorgte sie für einen Pflegeplatz für ihre 12jährige Tochter. Als es ihr schlechter ging und der Geburtstag der Tochter anstand, war es für sie ganz wichtig, den neuen Lebensort der Tochter noch einmal zu besuchen und dort mir ihr zu feiern.
Gesagt – geplant – gemacht.
Meine Kollegin Brigitte und ich fuhren gemeinsam mit ihr in unserem neuen Caddy durch die Winterlandschaft. Sie mochte Peter Maffay und es war klar, dass seine Musik mitmusste. Gut gelaunt kamen wir an und wurden schon von einigen kleinen Erdenbürgern aufgeregt erwartet. Jeder hatte eine kleine Tischkarte auf dem Teller: „Mama, Pflege 1 und Pflege 2“ 🙂
Ein kleiner Mitbewohner, ca. 4 Jahre alt, sollte ganz verhalten und schüchtern fremden Menschen gegenüber sein. Nach ein paar Minuten hörte ich ihn mit Brigitte in seinem Zimmer auf dem Boden Auto spielen und laut brummen. Ich durfte die kleinste Dame (ca. 1,5 Jahre) auf dem Schoß halten und wir probierten uns an Seifenblasen.
Frau R., unsere Patientien, strahlte inmitten der Geburtstagsgesellschaft und ihre Tochter Julia hatte soviel zu erzählen und war glücklich über die mitgebrachten Geschenke. Sie spielte Fußball und so gab es auch ein cooles Trikot. Der Nachmittag ging viel zu schnell zu Ende und als wir auf dem Heimweg waren, äußerte Frau R. den Wunsch so gerne nochmal zu Mc Donalds zu wollen.
Gesagt – getan- begleitet von Peter Maffays „Über sieben Brücken musst du gehen“
Ich glaube sie hatte zwei Riesenburger- viel zu viel an Menge- aber einfach nur glücklich für den Moment.

Eine kurze Zeit verging und als ihre letzte Lebensnacht begonnen hatte, saß ihre eigene Pflegemutter an ihrem Bett und sang ihr Kinderlieder vor, bis der letzte Atemzug geschehen war. In dieser Nacht hatte ich Nachtdienst und trotz aller Traurigkeit war es ein so großes Geschenk, diese tiefe Verbundenheit und Liebe zwischen zwei Menschen erleben zu dürfen.
Im nächsten halben Jahr gab es noch einen Besuch bei Julia, die uns das Grab ihrer Mama gezeigt hat. Zu unserem traditionellen Sommerfest kam Julia dann auch und flog mir in die Arme, um mich zu begrüßen. Das sind so unglaubliche Momente, die mich bewegen und in denen ich weiß, dass das was ich hier gemeinsam mit einem tollen Team tun darf, etwas ganz Besonderes sind. Dankbar bin ich für all die Begegnungen und diese besonderen Momente im Leben von Menschen, die ihr Vertrauen in unsere und meine Hände legen und meistens bewusst ihren letzten Weg gehen.

Carpe diem
Manuela Mehrtens

P.S. Danke für diesen schönen Text, bis bald
Herzlich,
Nici

Ich habe einen Traum…

Am Sonnabend den 28. April 2018 ist ein Artikel in „hallo Wochenende“ in Hannover erschienen. Heute beim Aufräumen habe ich ihn gefunden und ich würde es genauso nochmal schreiben.
Voilá, also schreibe ich jetzt hier nochmal über meinen Traum von Trauer und einer Gesellschaft, die Trauernden wieder mit Zuwendung begegnet.

Bevor ich anfing zu schreiben, habe ich kurz davon geträumt, dass alle die anfangen zu lesen, bis zum Ende durchhalten. Das fällt uns ja nicht immer leicht. Ich kenne mich damit ein wenig aus, denn ich arbeite im Hospiz Luise in Hannover als Krankenschwester. Mein Traumberuf, den ich an einem besonderen Arbeitsplatz mit meinen wunderbaren KollegInnen ausüben darf. Wo gestorben wird, da ist auch viel Trauer. Deshalb träume ich oft von einer Gesellschaft, die Trauernden wieder mit Zuwendung, offenen Ohren und Geduld begegnet. Wir alle werden ja früher oder später mal trauern, um was und wen auch immer, aber dann brauchen wir auch Halt (-ung) in unserem Umfeld. Wieso nicht vorher mal mit anderen ausprobieren? Wo gestorben wird, da ist auch viel Leben. Das ist in der Tat ein traumhafter Zustand im Hospiz, denn wir lachen auch viel und erleben besondere Augenblicke. Wir blicken in die Vergangenheit, träumen uns in die Zukunft und bauen Brücken für die, die übrig bleiben werden.
Trauer ist ein wichtiges Thema für mich, deshalb engagiere ich mich in dem Bereich, auch im Bundesverband Trauerbegleitung e.V. Es ist ein Lebensthema, auch wenn wir uns oft wünschen, „lass es einen Traum sein“, wenn ein lieber Mensch verstorben ist. Manchmal träume ich davon, dass es mehr Menschen wie den Kabarettisten Matthias Brodowy gibt. Er redet in seinen Programmen ganz offen über die Themen Tod und Trauer. Davon brauchen wir mehr Menschen. Fangen wir doch bei Ihnen an.
Wie wäre es, wenn Sie nach dem Lesen überlegen, wer unter einem Verlust leidet und schenken der Person ein Lächeln, trinken Kaffee zusammen oder machen einen Spaziergang. Alles ist besser als nichts zu tun – ich traue Ihnen das jedenfalls zu!
Im September wird Matthias Brodowy wieder ein besonderes Wohnzimmerkonzert geben. Für das Hospiz Luise und mein persönliches Spendenziel.

Herzliche Grüße
Eure Nici

Bild: Nici, Titelbild Tobi Wagner

 

Heiligabend im Hospiz

In den letzen Tagen hatte ich Dienst. Wir haben heute den 23.12., es ist schon spät und um 5 Uhr klingelt mein Wecker. Frühdienst an Heiligabend. Mein Sohn fragt mich, ob ich das Arbeitszimmer zuhause schon aufgeräumt habe. Er sollte mich freundlich erinnern. Ich muss das verneinen. Mein letzten Wochen hatten genügend Ausreden, um dies immer wieder nach hinten zu schieben. So machen wir das. Wir schieben Dinge nach hinten.
Weihnachten im Hospiz wird so gar nichts geschoben. Da wird eher vorverlegt, aber immer alles nach Plan erledigt. Wir wissen, wann der Baum kommt, wann er geschmückt wird, wer unsere Weihnachtsleckereien einkauft und wie viele Gästebetten wir brauchen werden.
Wir wissen nicht, ob jemand noch vorher verstirbt, ob jemand Neues den Mut hat noch vor Weihnachten einzuziehen und wer letztendlich an Heiligabend im Wohnzimmer die Weihnachstsgeschichte hören wird. Ich habe im Hospiz nur Frühdienst an Heiligabend gehabt. Als junge Krankenschwester im Krankenhaus habe ich auch gerne Spätdienst gemacht. Das war immer besonders. Wie gut, dass ich Kolleg*innen habe, die ich immer fragen kann und so hat Elisabeth mir aufgeschrieben, wie der heilige Abend für sie ist und was dann im Hospiz passiert. In den Tagen vor Heiligabend begeistern uns vorallem Susanne Keller und ihr Mann, denn sie verzaubern das Hospiz in eine Weihnachtswelt. Ebenso sind wir dankbar, dass so viele Musiker*innen kommen und für uns singen und musizieren. Unsere Ehrenamtlichen dekorieren jeden Tag liebevoller den Tisch.
Reich beschenkt.

Spätdienst am Heiligen Abend

Für viele Menschen ist der Heilige Abend etwas besonderes. Und auch im Hospiz würdigen wir diesen Abend und geben Raum und Möglichkeiten, dass jeder etwas von dem erhält, was er sich wünscht.

In der Woche vorher ist es öfter schon Thema, was für wen wichtig ist. Traditionell gibt es bei uns Kartoffelsalat mit Würstchen. Manchmal bringen auch Angehörige genau das mit, was in der jeweiligen Familie am hl. Abend gegessen wurde.

Wir treffen uns um 17 Uhr im Wohnzimmer. Da brennt das Feuer im Kamin, der Tannenbaum leuchtet, es gibt Punsch und Plätzchen. Angehörige und Patienten, mit Rollator und Rollstuhl, mit Infusionen und Sauerstoff oder auch ganz bequem im Bett , wir sind eine große Runde von Menschen dort im Wohnzimmer. Und es macht sich eine Stimmung breit, voller Erwartung, Sehnsucht und Freude. Wir singen Weihnachtslieder, manchmal ist jemand dabei und spielt Gitarre oder Klavier.

Wir hören die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel und spätestens wenn vorgelesen wird: „Der Engel sprach: Fürchtet euch nicht!“ ist eine Stille im Raum und Frieden spürbar. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach, den Träumen, den Erinnerungen. Manchmal kommen wir darüber ins Gespräch, oft singen wir noch alle Lieder die gewünscht werden, manchmal lesen wir noch eine Geschichte.

Gegen 18.30 treffen wir uns zum gemeinsamen Essen und es ist ein gemütliches Miteinander. Jeder kann so lange im Esszimmer sitzen bleiben, wie es für ihn möglich ist und wir Pflegenden unterstützen, wo es nötig ist und erfüllen alle Wünsche, die möglich sind.

Danke, liebe Elisabeth für deinen Text!
Heute haben wir jedenfalls einige Patienten gebadet, Abschied genommen, neu aufgenommen oder noch Besuch mit Geschenken und guten Wünschen erhalten. Die Stimmung ist plapperig, aufgeregt, hoffnungsvoll und seelenschwer, glitzerig und wehmütig, ängstlich, köstlich duftend und ganz zart und zerbrechlich.
Ich selber habe heute nach dem Dienst noch einen Ausflug in die Stadt gemacht und einige Weihnachtskarten persönlich ausgefahren. So wie der Schneemann Olaf aus dem Disney Film „Frozen“ wollte ich noch ein paar Umarmungen verteilen. Ich liebe Umarmungen und bin froh so gute Freunde an meiner Seite zu wissen. Aber keine Sorge, sollten wir uns mal begegnen, dann bin ich erstmal sehr zurückhaltend.

Morgen dann mein letzter Dienst im Hospiz. Für dieses Jahr.
Heilige Nacht – Jesus liegt noch immer gesichert im Dienstzimmer. Der Rest der Krippe ist schon in der Kapelle aufgebaut. Ich bin froh, dass mein Leitung Maike und ich die wunderhübschen Holzkrippenfiguren an die richtigen Stellen bringen konnten.
Ich wünsche Euch allen da draussen ein paar friedliche und glückselige Tage. Auch im Kleinen gibt es Dinge, an denen wir uns erfreuen können. Selbst, wenn wir traurig sind. Wir stricken unser Leben selbst, und denen, die gerade viele Maschen verlieren und löcherige Muster haben, denen möchte ich Mut zusprechen. Es wird wieder anders.
Heller. Wärmer. Zuversichtlicher.
Jetzt freue ich mich auf morgen und den Dienst mit einigen wunderbaren Kolleg*innen.
Herzliche Weihnachstgrüße
Eure Nici

Letzte Wünsche

Fotos: Hospiz Luise, Britta Krämer und ich

Was für ein besonderes Gefühl, sich um die Wunscherfüllung zu kümmern, den Wunsch zu realisieren und anschließend zu erfahren, wie glücklich der Gast und seine Familie waren. Da bekomme ich das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Und das, obwohl ich gar nicht dabei war!
Antje Doß, Hospizkoordinatorin ambulanter Hospiz und Palliativdienst Malteser
Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen

Mit Antje Doß habe ich schon vor Jahren zusammengearbeitet und sie nie aus den Augen verloren. Jetzt melden wir uns öfter bei ihr oder ihrem Kollegen Christoph Mock. Dann brauchen wir den Wünschewagen, um schwerkranken Patienten einen letzten Wunsch zu erfüllen.
Vor kurzem hat das Team kurzfristig organisieren können, dass eine Patientin nochmal nach Hause konnte. Medizinisch betreut und begleitet von meiner Kollegin Anne und dem Team des Herzenswunsch Krankenwagen. Nochmal im eigen Bett liegen, den Duft der Wohnung, eines Lebens, wahrnehmen. Bilder im Regal anschauen, die ein Leben – oft ein viel zu kurzes – erzählen.
Aber auch zum Elton John Konzert ist der Wagen gefahren, zu einem Besuch auf die Pferdekoppel, oder zum Steinhuder Meer. Manchmal ist ein letzter Wunsch auch eine Ausstellung der eigenen Bilder bei uns.

Das geht uns unter die Haut. Meistens ist jemand von uns mit dabei. Da sehen wir Freude und Trauer. Es ist das letzte gemeinsame Konzert oder ein letzter Besuch zu Hause. Besondere Stunden, die nochmal voller Leben sind und Erinnerungen für die Zugehörigen schaffen, die zukünftig ihr Leben ohne den anderen gestalten. Neue Rituale finden, Raum für die Erinnerungen schaffen und weiterleben. Wir freuen uns über die Berichte der Kolleg*innen, schauen die Fotos an und lassen uns alles haargenau erzählen.
Manchmal werden Erinnerungen als Tatoo auf den Körper gebracht. Berührend für mich, die Geschichte einer Patientin, die sich erst bei uns tätowieren ließ. Dominik von Barrys Tattoo Twister hat einen Hausbesuch bei uns gemacht und die Initalien der Familie zieren jetzt den Unterarm der Patientin. Wie tröstend, dass es möglich war ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Die Stimmung im Zimmer war ähnlich wie in einer Bahnhofshalle, weil wir alle mal gucken wollten.

Oder wir fahren ins Fußballstadion, gehen nochmal die Lieblingsnudeln essen oder helfen ein Wochenende zuhause zu organisieren. Oder sind manchmal leider auch nicht schnell genug. Auch das passiert. Dann ist der Tod schneller.
Das zu erleben macht mich in meinem Leben achtsamer. Ich warte nicht lange, meine Wünsche zu erfüllen, Sätze zu sagen oder jemanden zu umarmen. Keiner von uns weiß ja, was uns vorbestimmt ist und ich finde es erstrebenswert mindestens 1x am Tag etwas Gutes zu tun, für andere und für mich.

Vorgestern hat mich jemand gefragt, wie ich diese Arbeit machen kann? Wie ich damit umgehe? Eigentlich ganz gut, ich habe ja noch eine andere Teilzeitstelle und kann meine Energie oftmals auftanken. Manchmal gelingt das auch nicht so gut und dann kann auch ich mich nicht so gut schützen. Oder wenn wir viele junge Patient*innen haben. Das ist schwer.
Einmal hatten wir einen Patienten, dem wir auch einen Wunsch erfüllen konnten. Clemens war sein Name. Mein Kollege Hans-Jörg und ich sind mit ihm ins Sealife gefahren. Mit der Bahn. Im Frühling. Daran denke ich oft, wenn ich mal traurig bin. Weil er so voll Lebensfreude alles aufgesaugt hat. Mit einer geistigen Einschränkung war er wie ein Kind und dabei so klug und weise. Definitv hat er mein Herz gestohlen, mich zum Lachen und Weinen gebracht.

Die Parole dieses Beitrages kann nur heißen: Geht raus und lebt, erfüllt euch kleine und große Wünsche, seid verrückt, liebt und streitet euch, habt Mut, sagt mal „nein“ und lacht und weint.
Unterstützt die, die euch brauchen. Überrascht die, die nicht mit euch rechnen. Umarmt Bäume und knuddelt die Katze oder auch mal die Verkäuferin  – warum denn auch nicht?
Danken möchte ich den Menschen, die uns dabei helfen letzte Wünsche zu erfüllen. Sie schenken uns Karten, ihre Plätze im Stadion oder unterstützen uns finanziell.
Gerade ganz tief berührt, bis nächste Woche,

herzlich
Eure Nici

P.S. Uns könnt ihr natürlich immer noch bei unseren Wünschen unterstützen und uns eine kleine Spende zukommen lassen. Von Herzen Dank dafür!

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Roncalli hat uns dieses Jahr Karten für einen Besuch geschenkt – unvergessliche Momente

Tue Gutes und rede darüber!

Kaum war mein Blog 15 Tage jung, habe ich schon die ersten Spenden annehmen dürfen!

Die erste Aktion war die absolut einzigartige Idee von Sven Friedrich Cordes einen Sarg zugunsten des Hospiz Luise zu versteigern. Gestaltet von Mansha Friedrich und Gästen hat das schöne Stück ein Jahr lang in der Galerie gestanden, bevor er am 02. November für 500 Euro seinen Besitzer wechselte und jetzt eine Weinbar wird. In der Galerie metavier hatten meine Kollegin Manuela und ich jedenfalls einen richtig tollen Abend. Danke, lieber Sven für diese großartige Idee!
Spendenertrag: 500 Euro Versteigerungserlös plus 50,50 Euro in meinem Schweinchen

30 Jahre Mauerfall – Party mit Spendenschweinchen

Meine Kollegin Kerstin, die bei unserem Ambulanten PalliativDienst arbeitet hat auch gleich ein Schweinchen bestellt und es mit zu einer besonderen Feier genommen. Neben Lagerfeuer und einem köstlichen Essen haben die Freunde von Kerstin 30 Jahre Mauerfall gewürdigt und nebenbei unser Schweinchen liebevoll gefüttert. Danke dafür!!
Spendenertrag: 200 Euro und viele weitere Ideen, wo das Schwein noch Gast sein kann

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Hannoverscher Carnevals Club sammelt beim Tiergartenfest

Beim Tiergartenfest konnte für 0,50 Cent das Glücksrad gedreht werden und viele Kinder erhielten ein wunderschön geschminktes Gesicht. Möglich machten das die Mitglieder des HCC. Der Erlös war für das Hospiz Luise bestimmt. Was für ein toller Einsatz! Die Übergabe fand im Leonardo Hotel Hannover am Tiergarten statt und ich danke Dirk Knappert und seinen Mitarbeitenden für den netten Rahmen der Scheckübergabe. Merci an den HCC!
Spendenübergabe von 535,72 Euro plus 30 Euro spontan Spende

Das macht nach Adam Ries schon eine Summe von 1316,22 Euro!!!

Ein weiteres Schweinchen durfte ich diese Woche nach Burgdorf in die Haarschneyderei von Nicole Lang bringen. Dort wird es jetzt in der Hannoversche Neustadt 14 für uns sammeln. Herzlichen Dank auch dafür!

Jetzt seid Ihr dran! Ich suche noch weitere Geburtstagskinder, Partymäuse, Hochzeitspaare, Geldverschenker und Schweinehüter! Unterstützt mich bei meinem Ziel 25.000 Euro für das Hospiz Luise in Hannover zu sammeln. Ich freue mich über Eure Mail an mailto:25jahrehospizluise@gmx.de. Gerne bringe ich Euch die Schweinchen und berichte auch über Euch, Euer Geschäft oder wo auch immer Ihr sammeln möchtet…Weihnachtsfeiern sind doch auch eine gute Möglichkeit 😉

Tue Gutes und rede darüber, ich kann es gar nicht oft genug schreiben. Danke an alle, die mit mir unterwegs sind, sein werden und über die ich berichten darf.

Herzliche Grüße

Eure Nici

BVT (27)

Fotos: Leonardo Hotel und ich

Auftakt

1994 – 2019 Hospiz Luise – Dankgottesdienst und Empfang

Nach über einem Jahr Vorbereitungen hat gestern die erste Veranstaltung stattgefunden. Ein Dankgottesdienst mit anschließendem Empfang in der schönen St. Joseph Kirche und dem dazugehörigen Forum.

Schon bei der Begrüßung der Gäste durch Hospizleiter Kurt Bliefernicht und Generaloberin Schwester M. Teresa war Wiedersehensfreude, Aufregung und Dankbarkeit zu spüren. Dankbarkeit für 25 Jahre Hospiz Luise.
Vorbereitet durch die Seelsorgegruppe unseres Hauses konnten wir einen berührenden und kraftspendenden Gottesdienst unter der Leitung von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ feiern.
Wenn eine große Gemeinde gemeinsam singt, betet oder der Musik lauscht, dann erleben wir Gemeinschaft. Wenn eine Gruppe von 89 Mitarbeitenden aus dem Haupt- und Ehrenamt Menschen in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens begleitet, dann gelingt das auch nur in Gemeinschaft. So wie in der Luise.

Im Forum gab es dann ein Gläschen mit Sekt oder Saft in die Hand und ein paar Ohnmachtshappen standen bereit, denn alle Ehrengäste hatten ein Grußwort vorbereitet. In der Planung war mir persönlich schon etwas mulmig bei der Länge von 5 Beiträgen und Kurt Bliefernichts Abschluss und Übergang. Aber es hat sich alles gefügt und die Gäste hörten kurzweilige, erheiternde, nachdenkliche und wohltuende Beiträge. Dafür bin ich so dankbar. Diese 25 Jahre sind so voll von Geschichten, beginnend in der ungewissen Pionierzeit bis heute. Voll des Lebens muss man sagen, und gestern auch mit dem notwendigen Humor und Leichtigkeit vorgetragen – neben dem Schweren in unserer Arbeit braucht es auch diesen Anteil.

Unser Schirmherr Ministerpräsident Stephan Weil musste sich leider entschuldigen, aber dafür gab es Grußworte der Sozialministerin Frau Dr. Carola Reimann, Frau Dagmar Vogt-Janssen (Leiterin des Fachbereiches Senioren der Stadt), Herrn Gert Klaus (Vorsitzender vom Hospiz und Palliativverband Niedersachsen), Herrn Ulrich Domdey (Vorsitzender des Landesstützpunktes Hospizarbeit und Palliativ Versorgung in Niedersachsen) und von der allerersten Hospizleitung Frau Felicitas Hanne.

Der Ausklang der Veranstaltung mit alten Bildern, wunderbarem Fingerfood und Begegnung war wunderbar. Die Festschrift, die Ute Reimann erstellt hat, wurde an die Gäste ausgegeben. Unser Jubiläumsbeutel mit einem Motiv von DELLA konnte endlich erworben werden und es war Zeit für Gespräche, Umarmungen, weitere Glückwünsche, Schulterklopfen und auch ein wenig Stolz. Stolz auf das, was andere da geschaffen haben vor 25 Jahren. Gegen alle Widerstände aus einer Vision von Felicitas Hanne.
„Einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen im Sterben, sanft in Gottes Hände fallen“. Nach dem Gedicht „Die Blätter fallen“ von Rainer Maria Rilke. Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr.

Einen Fernsehtipp gebe ich an dieser Stelle noch gerne ab. Demnächst könnt ihr einen kleinen Film vom NDR bei „Hallo Niedersachsen“ sehen. Frau von Lucke hat uns besucht und wir sind schon sehr gespannt! Hier gibt es schon einen Vorgeschmack.
Die nächste Veranstaltung ist der Weihnachtsmarkt auf der Lister Meile – dort verkaufen wir selbstgemachte Weihnachtsgeschenke zugunsten des Hospizes.

Herzliche Grüße

Eure Nici