„Um Leben leben zu lernen“ – vom Ehrenamt im Hospiz Luise

Wie unser Hospiz ohne ehrenamtliche Mitarbeitende funktioniert, haben wir in den letzten Monaten schmerzlich erfahren müssen. Es ist wie ein Mobilee, an dem ein Hauptteil fehlt. Schieflage. Umso schöner, dass sich seit einiger Zeit die Auflagen entspannen und ein wichtiger Teil des Teams mit den Ehrenamtlichen wieder Einzug ins Haus hält. Unter strengen Hygienereglen.
Hilde Weeg hat mir mal das beste Frühstücksei der Welt gekocht. An so einem Morgen, wo nichts geklappt hat und alle Bemühungen manchmal nichts nützen, weil ein Patient mit dir gerade nicht weiterkommt, weiterkommen will, der Himmel weint und man sich selbst am liebsten in Embryonalstellung ins Bett rollen würde. Dann schlurfst du irgendwann auf einen Kaffee in den Wintergarten und dann kommt Hilde, lächelt, stellt dir ein frisch gekochtes Ei vor die Nase. Eine wunderbare Geste und dann lächelst du auch, startest frisch gestärkt in die nächste Runde und meist klappt dann irgendwie alles besser.
Hilde ist ein Beispiel für viele Ehreamtliche, die alle so unterschiedlich, liebevoll, witzig, speziell, überraschend und großartig sind.
Danke, dass es euch gibt!

Der Text von Hilde Weeg aus der Festschrift
„Warum machst Du das?“ Diese Frage wird im Freundes- und Bekanntenkreis häufig gestellt, wenn es umden ehrenamtlichen Dienst im Hospiz geht. Einigevon uns Ehrenamtlichen – rund 30 jüngere und ältere
Männer und Frauen – haben sie bei einer hausinternen Umfrage beantwortet. Hier ein paar Zitate aus der
Liste:

• Fühle mich wohl, wahrgenommen und aufgehoben.
• Bereicherung.
• Gebraucht werden.
• Weil es schön ist!
• Aus Dankbarkeit für mein sorgenfreies Leben.
Ich möchte etwas davon zurückgeben.
• Um Leben leben zu lernen und Widrigkeiten
in Relation zu sehen.

Einige der Antworten geben vermutlich auch Ehrenamtliche in Sportvereinen, bei der Essensausgabe der Tafel oder in der Flüchtlingshilfe. Aber die Antwort „Um Leben leben zu lernen“ trifft ganz besonders gut
das, was den Dienst in einem Hospiz von anderen Ehrenämtern unterscheidet. Leben lernen – mit und vonschwer und schwerstkranken Menschen. Und ebensoviel von den Menschen, die diese Menschen respektund liebevoll begleiten.

Es sind vor allem die kleinen Gesten, die wir als Ehrenamtliche hier erleben, die den Unterschied zur üblichen „Wurschtigkeit“ im Alltag machen. Dass eine Blume im Zimmer steht (im Sommer aus dem Hospizgarten), wenn ein neuer Gast kommt. Dass genau erfragt wird, ob das Rührei eher fest oder eher weich sein soll. Und wieviel Löffel Kakao in die warme Milch gehören. Dass Zeit ist, mal kurz Heidelbeeren oder eine
bestimmte Zahnpasta zu besorgen. Dass alle mit allem kommen können: Verbitterung, Erleichterung, Schmerz oder Hilflosigkeit.
Oder dem Wunsch nach einer Tasse Kaffee.

Wahrnehmen, was ist. Genauer hinschauen. Hinhören. Zusammen die Eichhörnchen im Garten beobachten. Manchmal am Tisch sitzen bleiben, weil das hilft. Manchmal aufstehen und Geschirr wegklappern, weil das besser ist als Stille. Wir lernen von und mit allen, die am Tisch sitzen. Wie man mit dem umgeht, was schwierig ist. Abschied, Enttäuschungen oder eine schlaflose Nacht: Wie man die großen oder kleinen Probleme ignorieren, auslachen, niederkämpfen kann. Wie man einfach weitermacht. Oder etwas ändert.

Was wir von den Pflegenden lernen: Geduld. Sich Zeit nehmen. Liebevolle Zuwendung. Eigene Befindlichkeiten ausblenden, wenn Anderes wichtiger ist. Der eigene Ärger: Peanuts. Meistens. Wir lernen sensibler zu werden, auch für uns selbst. Konflikte austragen, ohne zu verletzen. Und wenn doch etwas wehgetan hat, das miteinander zu klären. Die Schwächen und
Stärken aushalten. Fehler: erlaubt. Erfahren, dass alle einen wichtigen Anteil am Ganzen haben – vom Hausmeister über die Reinigungskräfte und die Ehrenamtlichen bis zu den Pflegekräften und den Sekretärinnen.
Von Kaffeekochen (eins der wichtigsten Ehrenamtspflichten!) bis Katheter legen. Manches dauert länger. Schlimm? Nein.

Für manche hat die Arbeit mit ihrer christlichen Überzeugung zu tun. Aber diese Einstellung ist keine Voraussetzung, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Ist das Hospiz ein idealer Ort? Nein. Aber es ist ein Ort, an
dem das Miteinander besser klappt, als an sehr vielen anderen Orten. Woran das zu sehen ist? Am Aufatmen beim Ankommen. Ruhiger werden. Am Aufklaren vieler Gesichter über die Tage. ,Ah, da ist jemand, der zuhört.‘ ‚Wie schön, hier ist es ruhig.‘ ‚Ach, hier darf gelacht werden?‘ Das Hospiz: ein Ort, in dem Menschen für Menschen da sind. Und das immer wieder üben. Weil das zum Leben gehört. Eigentlich könnten viele Orte so
sein. Noch etwas, was man hier lernen kann.

Die Aufgaben der Ehrenamtlichen im stationären Hospiz Luise:
• Die Essenszeiten in drei Schichten von 7.30h-19h
begleiten: Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen.
• Die Rolle eines Gastgebers/einer Gastgeberin einnehmen: auf Wünsche oder Bedürfnisse am Tisch eingehen. Den Esstisch auf- und abräumen.
• Auf die Türklingel reagieren und Besucherinnen empfangen. • Bei Engpässen in der Pflege bei den Patientinnen nachschauen, wenn sie klingeln.
• An- und Zugehörige betreuen, wenn sie das wünschen.
• Auf kurzfristige Bedarfe reagieren (Mahlzeiten für Patient*innen vorbereiten, die auf dem Zimmer bleiben, kleine Einkäufe erledigen, Zeit haben für ein Gespräch).
• Vorräte im Blick haben und auffüllen (Getränke, Kaffee, Servietten usw.).

Quelle: https://www.weeg-kommunikation.de/zur-person/

Hilde Weeg
Ehrenamtlich Mitarbeitende

Bilder

Gestern kam ein Fotoalbum bei mir zuhause an. Die letzten Jahre im Zeitraffer. Ich habe es mit meiner Tochter angesehen, mein Mann hat sofort seine Brille gesucht und wir haben die Momente an uns vorbeifliegen lassen. Schöne Erinnerungen, ich habe bunt gelebt im letzten Jahrzehnt.
Das fällt mir auch immer wieder in meiner Arbeit auf. Unsere Patienten bringen ihre Biografie mit. Nicht nur in Erzählungen und Worten, sondern auch in Bildern. Die stehen in Rahmen auf dem Nachtschrank, hängen am Schrank oder füllen ganze Wände. Lachende Enkelkinder, Hochzeitfotos in alten Rahmen. Kalenderblätter und andere digitale Wunderwerke.

Ich weiß nicht, ob Sie sich das als Leserinnen und Leser vorstellen können. Manchmal sind die Menschen nur sehr kurz bei uns. Dennoch gibt es diese besonderen Momente, in denen wir Teil des Lebens werden, weil wir ein Stück davon erzählt bekommen. Tragische, komische, interessante, aufwühlende, belastende, hoffnungsvolle und erfüllende Geschichten.
Das beginnt auch mal, wenn wir über ein altes Bild sprechen, das da im Zimmer steht. Wann war das denn, wer ist das noch? Wo haben Sie da gelebt. Wenn wir unsere hospizliche Begleitung in einer Sanduhr des Lebens darstellen, dann sind wir da, bevor das letzte Sandkorn fällt. Zu sehen, was dann bleibt, was wichtig ist und vor allem wer, ist für mich sehr beeindruckend.

Keiner von uns weiß genau, wann wir gehen müssen. Keiner weiß, wer einem am Ende sehr nah kommt. Wir sind sehr viele Kolleg*innen und ich glaube, das macht es für unsere Patienten einfacher einen Menschen zu finden, mit dem sie vielleicht noch einmal etwas teilen möchten.
Das sind diese Sternmomente, wenn da eine tiefe Vertrautheit und Ruhe zwischen den Menschen und mir herrscht und sich vielleicht noch einmal etwas bewegt. Eine Situation werde ich niemals vergessen. Ein junger Vater hatte das Foto seiner Tochter an seinem Bett. Vor seinem Tod wollte er sie nicht mehr sehen, ihr die Belastung ersparen. Alles war gesagt.
Ich war gar nicht für ihn zuständig, aber als er klingelte, war ich dann doch in diesem Zimmer. Schon nach 1 Minute waren wir im Gespräch über die Situation. Wir sprachen darüber, dass seine Tochter diesen Schritt vielleicht in einigen Jahren bereut, vielleicht war doch nicht alles gesagt. Mein Vorschlag war, er solle noch einen Brief schreiben. Etwas, dass sie auch Jahre später immer wieder in die Hand nehmen könnte. Man spürt, wann es Zeit ist zu gehen und gesprochene Worte wirken zu lassen. Also ging ich. Ohne ein Ergebnis.
Kurze Zeit später kam meine Kollegin die Treppe runter, suchte im Dienstzimmer nach Briefbögen. Das war für Zimmer 8. Ein Brief wurde geschrieben. Ein Brief, der auch Jahre später in einer Schublade liegen würde, immer greifbar – darüber die Bilder. Bilder die Etappen eines Lebens zeigen. Welche Bilder würden da bei Euch stehen?

Herzlich,

Eure Nici

Fotos: Pixabay und ich

Wege

Mein Name ist Manuela Mehrtens und seit 23 Jahren darf ich hier im Hospiz Luise als Krankenschwester arbeiten. Zuvor war ich lange Zeit in einer großen Klinik in Hannover tätig. Damals fragte ich mich immer wieder – gibt es einen Ort, an dem Menschen in Würde, selbstbestimmt und mit erfüllten Tagen ihre letzte Lebenszeit verbringen können, wenn dies nicht zuhause möglich ist?

Jahre zuvor war ich durch einen Benediktinermönch auf den geplanten Bau des Hospizes aufmerksam gemacht worden. Bruder Willibrord war den Menschen auf meiner Klinikstation immer wieder ein großer Seelentröster. Nach einigen Gesprächen und Begegnungen mit ihm machte ich mich auf den Weg und fuhr mit meinem Käfer zu diesem Hospiz.
Dort stand die damalige Gründerin Sr. Katharina Maria an ein Auto gelehnt und ich sprach sie an und zeigte mein Interesse an der Hospizarbeit. Tage später durfte ich Probe arbeiten und was soll ich sagen, es war einfach so wohltuend diesen Dienst tun zu können und dürfen.
Die Begegnungen waren leicht und voll Wärme und Offenheit. Das Thema Tod wurde in den Alltag integriert und ja, mir viel gleich auf, hier wird gelebt und es darf auch gelacht werden neben den traurigen Momenten.

23 Jahre später komme ich immer noch sehr gerne an diesen Ort, um mich mit meinen Möglichkeiten einzubringen, Menschen auf unterschiedliche Weise zu begleiten. Neben traurigen Momenten habe ich so viele schöne und bereichernde Begegnungen erleben dürfen. Von einer Geschichte möchte ich gerne ein wenig erzählen. Eine junge Mutter war bei uns Patientin und bevor sie zu uns kam, sorgte sie für einen Pflegeplatz für ihre 12jährige Tochter. Als es ihr schlechter ging und der Geburtstag der Tochter anstand, war es für sie ganz wichtig, den neuen Lebensort der Tochter noch einmal zu besuchen und dort mir ihr zu feiern.
Gesagt – geplant – gemacht.
Meine Kollegin Brigitte und ich fuhren gemeinsam mit ihr in unserem neuen Caddy durch die Winterlandschaft. Sie mochte Peter Maffay und es war klar, dass seine Musik mitmusste. Gut gelaunt kamen wir an und wurden schon von einigen kleinen Erdenbürgern aufgeregt erwartet. Jeder hatte eine kleine Tischkarte auf dem Teller: „Mama, Pflege 1 und Pflege 2“ 🙂
Ein kleiner Mitbewohner, ca. 4 Jahre alt, sollte ganz verhalten und schüchtern fremden Menschen gegenüber sein. Nach ein paar Minuten hörte ich ihn mit Brigitte in seinem Zimmer auf dem Boden Auto spielen und laut brummen. Ich durfte die kleinste Dame (ca. 1,5 Jahre) auf dem Schoß halten und wir probierten uns an Seifenblasen.
Frau R., unsere Patientien, strahlte inmitten der Geburtstagsgesellschaft und ihre Tochter Julia hatte soviel zu erzählen und war glücklich über die mitgebrachten Geschenke. Sie spielte Fußball und so gab es auch ein cooles Trikot. Der Nachmittag ging viel zu schnell zu Ende und als wir auf dem Heimweg waren, äußerte Frau R. den Wunsch so gerne nochmal zu Mc Donalds zu wollen.
Gesagt – getan- begleitet von Peter Maffays „Über sieben Brücken musst du gehen“
Ich glaube sie hatte zwei Riesenburger- viel zu viel an Menge- aber einfach nur glücklich für den Moment.

Eine kurze Zeit verging und als ihre letzte Lebensnacht begonnen hatte, saß ihre eigene Pflegemutter an ihrem Bett und sang ihr Kinderlieder vor, bis der letzte Atemzug geschehen war. In dieser Nacht hatte ich Nachtdienst und trotz aller Traurigkeit war es ein so großes Geschenk, diese tiefe Verbundenheit und Liebe zwischen zwei Menschen erleben zu dürfen.
Im nächsten halben Jahr gab es noch einen Besuch bei Julia, die uns das Grab ihrer Mama gezeigt hat. Zu unserem traditionellen Sommerfest kam Julia dann auch und flog mir in die Arme, um mich zu begrüßen. Das sind so unglaubliche Momente, die mich bewegen und in denen ich weiß, dass das was ich hier gemeinsam mit einem tollen Team tun darf, etwas ganz Besonderes sind. Dankbar bin ich für all die Begegnungen und diese besonderen Momente im Leben von Menschen, die ihr Vertrauen in unsere und meine Hände legen und meistens bewusst ihren letzten Weg gehen.

Carpe diem
Manuela Mehrtens

P.S. Danke für diesen schönen Text, bis bald
Herzlich,
Nici

Trauercafé

Für An- und Zugehörige, die einen nahen Menschen verloren haben.

Kontakt, Begegnung und Austausch bei  Kaffee, Tee und Kuchen.

An jedem ersten Sonntagnachmittag im Monat von 15:30 – 17:30 Uhr im ka:punkt, Grupenstraße 8, 30159 Hannover, Nähe Marktkirche.

Das Trauercafé wird geleitet von Mitarbeitenden des Ambulanten HospizDienstes und des Hospiz Luise.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Für Getränke und Kuchen erbitten wir eine kleine Kostenbeteiligung.

AHD Flyer Trauercafe

Von einem Wagnis (das) zum Beispiel (wurde)

Heute gibt es einen Gastbeitrag aus unserer Festschrift von Kurt Bliefernicht, Gesamtleitung, Hospiz Luise

Der Anfang war für uns ein Wagnis. So die Aussage unserer damaligen Generaloberin Sr. M. Isidora Hebenstreit, als die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim die Entscheidung traf: Ja, wir gründen das erste stationäre Hospiz in Niedersachsen. Ein Haus für 8 Patienten soll entstehen, denen wir mit unserer christlichen Grundhaltung begegnen, wo Körper, Geist und Seele in den Blick genommen werden, Fragen nach dem Sinn des Lebens ihren Platz finden und in dem die Themen Schmerztherapie und Symptomkontrolle ebenso im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen werden.
Meine Vorgängerin, die damalige Ordensschwester Sr. Katharina-Maria Hanne war es, die schon Ende der 80er Jahre die Idee hatte, ein stationäres Hospiz zu gründen. Es gelang ihr, ihre Mitschwestern davon zu überzeugen. Als ein Einfamilienhaus neben dem Vinzenzkrankenhaus in Hannover Kirchrode zum Kauf angeboten wurde, war der Erwerb dieses Hauses der erste Schritt zur Verwirklichung dieser Idee. Ab dem 3. November 1994 sollten die ersten Patient*innen einziehen. Mit hohem persönlichem Engagement hat Sr. Katharina-Maria vom Beginn an das Hospiz in seinen ersten neun Jahren aufgebaut. Sie hat sich auch auf Landesebene für die Verbreitung und Verankerung der Hospizarbeit eingesetzt. Mit dem Austritt aus der Gemeinschaft der Vinzentinerinnen im Jahre 2003 hat Sr. Katharina Maria die Leitung des Hospizes abgegeben.
Hausansicht 1994

Meine persönliche Begegnung mit dem Hospiz Luise begann im Juni 1994 mit einem vagen Hinweis auf die Initiative der Gründung eines stationären Hospizes in Hannover. Ich war neugierig geworden und so fuhr ich von Bremen nach Hannover und schaute mir die Baustelle des zukünftigen Hospiz Luise an. Die Gespräche mit Sr. Katharina-Maria, Sr. M. Alexandra und zwei weiteren späteren Kolleginnen bestärkten mich in dem Wunsch, hier zukünftig mitzuarbeiten und den Aufbau mit zu gestalten. Die Begleitung sterbender Menschen war für mich nicht neu. Ich hatte durch meine ambulante pflegerische Tätigkeit bereits viele Erfahrungen darin sammeln können und ich war bereit und willens, mich ausschließlich auf diesen Bereich pflegerischer Tätigkeit zu konzentrieren. Der Anfang war ein Wagnis für uns alle. Über die Einladung zum Eröffnungstag der offenen Tür stand damals ein Wort von der Ordensgründerin der Vinzentinerinnen der heiligen Luise von Marillac: „Ermutigen wir uns gegenseitig mehr durch unser Beispiel als durch Worte.“ Das bedeutete für uns im Miteinander vor allem voneinander zu lernen und uns mit unseren bisherigen Erfahrungen gegenseitig zu bereichern. Wir waren mit vielen Fragen konfrontiert, die auch für uns neu waren wie z. B. „Was braucht der einzelne Mensch am Lebensende?“ „Welche Sicherheiten können wir den Patienten geben, wenn sie bei uns aufgenommen werden mit Ihren An- und Zugehörigen?“. Das waren und bleiben wichtige Themen unserer Hospizarbeit. Später haben wir diese Erfahrungen zu gemeinsamen formulierten Zielen zusammen gefügt. Daraus ist unser Leitbild entstanden, später die Qualitätsarbeit und das Gütesiegel.
Verleihung des Gütesiegels - Dörfler- Zu meinem Glück
Der Anfang war ein Wagnis auch aus finanzieller Sicht. Mit dem Einzug der ersten Patient*innen im November 1994 gab es noch keine Regelfinanzierung, was für uns heute unvorstellbar ist. Es fanden zwar Gespräche mit den Kostenträgern statt, aber es gab nur Einzelfallentscheidungen auf der Basis der damaligen Tagessätze für Kurzeitpflege. Das änderte sich erst im Verlauf des Jahres 1995. Heute, 25 Jahre später, sind wir per Gesetz eine Einrichtung der Regelversorgung. Das bedeutet für uns eine große Sicherheit, aber keine vollständige Kostendeckung. Wir sind weiter auf tatkräftige Unterstützung und Spenden angewiesen. Ehrenamtliche Tätigkeit ist ein wichtiger Stützpfeiler unserer Arbeit im Hospiz. Schon im ersten Jahr nahmen die ersten im Hause geschulten Ehrenamtlichen ihren Dienst im stationären Hospiz Luise auf. In den vergangenen Jahren haben wir ehrenamtliche Begleitung und Unterstützung auch in der häuslichen Betreuung und in der Trauernachsorge etabliert. Auch bei der Vorbereitung und Durchführung zahlreicher Feste sowie bei der Pflege und Gestaltung unseres großen Gartens freuen wir uns über vielseitige und tatkräftige ehrenamtliche Unterstützung.
Ohne das Engagement Ehrenamtlicher, das erfahren wir tagtäglich, gäbe es weder stationäre noch ambulante Hospizarbeit. Neben aktiver ehrenamtlicher Unterstützung in unserem Alltag freuen wir uns seit Bestehen des Hauses über vielfältige ideelle und materielle Unterstützung. Bereits in unseren Gründungsjahren hat sich ein Freundeskreis gegründet, der durch regelmäßige Spenden unsere Arbeit unterstützt. Seit über 20 Jahren steht uns der Lions Club Hannoververlässlich zur Seite.
Die Mitarbeitenden des Kinderzirkus Salto, der regelmäßig bei unserem Sommerfest auftritt und mit einer Sachspende zur Versorgung der Patient*innen im stationären Hospiz beiträgt, sind uns ebenso treu wie die Frauen des Ladies Circles 27 mit Ihrer Unterstützung beim Küchenbuffet. Auch der Round Table 197 Hannover engagiert sich jedes Jahr am Grill, um die gespendeten Würstchen lecker zuzubereiten und zu servieren. Darüber hinaus können wir uns über viele spontane Zuwendungen und Spenden freuen.
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Das Hospiz Luise war das erste stationäre Hospiz in Hannover und in Niedersachsen, dem bald weitere Gründungen folgten, die sich teilweise Rat und Anschauung bei uns holten. Wir waren und sind froh über ein Netzwerk von Kollegen und Gleichgesinnten in der Region und im Land, mit denen wir einen kollegialen Austausch pflegen. Persönlich erinnere ich mich nach 25 Jahren Hospizerfahrung an viele frohe, erheiternde aber auch traurige und schwere Situationen. Wir geben unseren Patienten die Zusicherung, dass wir bei Ihnen bleiben, auch wenn sich andere abwenden. Manchmal finden wir keine Möglichkeit auf Fragen zu antworten, Trost zu spenden oder schwierige Situationen aufzulösen, aber dann gehen wir nicht weg, sondern bleiben an der Seite des Patienten und seiner Angehörigen. Manchmal bleibt uns nur das gemeinsame Aushalten. Als überzeugter Christ habe ich die Möglichkeit, solche Situationen abzugeben, was ich als große Entlastung erlebe.
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Ermutigen wir uns gegenseitig mehr durch unser Beispiel als durch Worte. Wir haben die Pionierphase, in der alle für alles zuständig waren, hinter uns gelassen. Wir haben Verantwortung aufgeteilt, Zuständigkeitsbereiche innerhalb des Hauses definiert und Strukturen geschaffen, die uns helfen, uns unseren Kernaufgaben intensiver zu widmen. Dadurch haben wir für Transparenz gesorgt, die wir in der Zusammenarbeit dringend brauchen. Wir sind eine große Institution geworden mit insgesamt 89 Mitarbeitenden aus Haupt- und Ehrenamt. Im Laufe dieses Wandlungsprozesses mussten wir uns von liebgewordenem Altem, von Gewohnheiten und scheinbar Selbstverständlichem verabschieden, was nicht immer leicht war. Dabei unterstützt haben uns regelmäßiger gemeinsamer Austausch in Dienstbesprechungen und Qualitätszirkeln, sowie Supervisionen und extern moderierte Workshops. Wir treffen dabei auch immer wieder auf die Frage: Wie lange kann und sollte man diese Aufgabe wahrnehmen? Wieviel Tod verträgt ein Mensch? Diese Fragen zu reflektieren ist und bleibt Aufgabe jedes einzelnen Mitarbeitenden, sie ist nicht allgemein zu beantworten.
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Ermutigen wir uns gegenseitig mehr durch unser Beispiel als durch Worte Wir freuen uns, dass unsere Pionierarbeit für viele andere zum Beispiel wurde. Ich werde oft gefragt: Brauchen wir nicht noch mehr stationäre Hospize? Es fällt mir schwer, auf diese Frage mit einem eindeutigen „Ja“ zu antworten. Ich glaube wir brauchen vorrangig das, was auch vor 25 Jahren bereits wichtig war: Wir brauchen eine hospizliche Haltung in allen Bereichen und Einrichtungen, in denen Menschen begleitet werden und sterben. Und jede – jeder von uns braucht den Mut, sich mit dem Lebensthema Sterben und Tod auseinanderzusetzten. Ich glaube, dann werden auch Fragen nach mehr Hospizeinrichtungen nicht mehr im Vordergrund stehen, weil die Idee auch in anderen Einrichtungen leben kann. Ein fernes Ziel? Wir haben in den vergangenen 25 Jahren durch vielfältige Aktivitäten vielen Menschen Mut gemacht, sich diesen drängenden Fragen zu stellen und ich glaube, wir sind damit auf einem guten Weg. Wir sind mit diesen Anliegen nicht alleine, es gibt viele Gleichgesinnte in regionalen, landes – und bundesweiten Netzwerken und politischen Vertretungen. Abschließend möchte ich allen Schwestern von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim DANKE sagen im Namen aller Mitarbeitenden aus dem Hospiz Luise für den Mut, den sie vor 25 Jahren hatten. Ich danke meiner Vorgängerin für die ersten Schritte, sowie den drei Generaloberinnen Sr. M. Isidora Hebenstreit, Sr. M. Hildegard Theinert und unserer derzeitigen Generaloberin Sr. M. Teresa Slaby mit ihren Ratsschwestern und der gesamten Verwaltung des Mutterhauses für die kontinuierliche und zuverlässige Unterstützung und ich danke für jedes Gebet. Nicht zuletzt gilt mein ganz persönlicher Dank jedem einzelnen Haupt – und Ehrenamtlich Mitarbeitenden. Ebenso danke ich meinen beiden Leitungskolleginnen Anja Bohlen-Bruchmann und Maike Dudek für ihren Einsatz für das Haus und seine Weiterentwicklung. Dank an Ute Reimann für den Aufbau des Ehrenamtlichen Dienstes, der Trauerarbeit und ihren Einsatz auf Landesebene. Sie alle tragen mit Herz und Hand dazu bei, dass das Hospiz Luise weiter ein lebendiger Ort des Lebens im Angesicht des Todes ist. Ich bin sehr dankbar mit diesem Team das Hospiz Luise zu leiten und freue mich auf die Herausforderungen der Zukunft.
Kurt Bliefernicht
Gesamtleitung Hospiz Luise
Kurt

„Ermutigen wir uns gegenseitig mehr durch unser Beispiel als durch Worte“

Im nächsten Beitrag wird es um Abschied gehen, bis dahin
Herzlich Eure Nici

Silvester im Hospiz

In diesem Jahr habe ich Weihnachten gearbeitet. Deshalb habe ich Silvester frei. Das sind die Regeln im Schichtdienst – meistens klappt das ganz gut. Letztes Jahr hatte ich am 31.12. Spätdienst und am 01. Januar Frühdienst. Das lasse ich jetzt gerne nochmal kurz für Euch Revue passieren:

Silvester im Hospiz- heute übernachte ich nach dem Spätdienst hier und habe morgen Frühdienst. Mit meiner Kollegin, so ein bisschen Pyjamaparty mit Wein und Chips. Wir haben Berliner zum Kaffee gehabt, mit unserem Ehrenamtlichen Karsten und Patient*innen über Traditionen gesprochen. Auch was wir um Mitternacht denen wünschen, die kein glückseliges ganzes Jahr mehr haben werden.
Einen lichtvollen und warmen Neujahrstag vielleicht. Die Stimmung ist gar nicht so traurig wie ich erwartet habe.

Wir haben gerade „stabile“ Verhältnisse im Hospiz, unsere Patienten haben noch Zeit und nutzen diese auch. Ein Patient plant schon einen Ausflug mit dem Wünschewagen, um nochmal jemanden zu besuchen. Eine andere Patientin freut sich auf den Besuch des Bruders. Pläne werden geschmiedet.

Bis vor ein paar Stunden wollte keiner geweckt werden, jetzt wirbelt unsere liebe Nachtschwester um uns herum und zaubert „Partysets“ für den Jahreswechsel, dabei läuft Musik von Coldplay im Hintergrund. Jetzt will es doch keiner verpassen.
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Wie gut, dass es diesen Ort gibt. Wie gut, dass wir mitten im Sterben soviel Leben und Liebe erleben dürfen.
Mein Highlight war sicher die Klingel kurz vor Mitternacht. Wir haben niemanden mehr erwartet. Alle angekündigten Besucher*innen waren schon eingetroffen. Dann standen mein Mann und meine Tochter plötzlich vor mir. Strahlend, überraschend, aufgeregt. Überraschung gelungen. Das hat mich sehr berührt und mir viel bedeutet. Solche Erinnerungen tragen einen durch schwere Zeiten und zaubern ein Lächeln ins Gesicht.
Was für eine besondere Nacht.

Einen Gruss in den Silvestertag und die Silvesternacht an alle, die in 2020 leben, lieben und lachen werden. An diejenigen die jemanden vermissen, traurig sind und nicht wissen wie es werden wird im neuen Jahr. Ich wünsche euch Momente mit liebevollen Begegnungen.
Wie der kleine Prinz schon sagte:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Herzlich,

Eure Nici

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Heiligabend im Hospiz

In den letzen Tagen hatte ich Dienst. Wir haben heute den 23.12., es ist schon spät und um 5 Uhr klingelt mein Wecker. Frühdienst an Heiligabend. Mein Sohn fragt mich, ob ich das Arbeitszimmer zuhause schon aufgeräumt habe. Er sollte mich freundlich erinnern. Ich muss das verneinen. Mein letzten Wochen hatten genügend Ausreden, um dies immer wieder nach hinten zu schieben. So machen wir das. Wir schieben Dinge nach hinten.
Weihnachten im Hospiz wird so gar nichts geschoben. Da wird eher vorverlegt, aber immer alles nach Plan erledigt. Wir wissen, wann der Baum kommt, wann er geschmückt wird, wer unsere Weihnachtsleckereien einkauft und wie viele Gästebetten wir brauchen werden.
Wir wissen nicht, ob jemand noch vorher verstirbt, ob jemand Neues den Mut hat noch vor Weihnachten einzuziehen und wer letztendlich an Heiligabend im Wohnzimmer die Weihnachstsgeschichte hören wird. Ich habe im Hospiz nur Frühdienst an Heiligabend gehabt. Als junge Krankenschwester im Krankenhaus habe ich auch gerne Spätdienst gemacht. Das war immer besonders. Wie gut, dass ich Kolleg*innen habe, die ich immer fragen kann und so hat Elisabeth mir aufgeschrieben, wie der heilige Abend für sie ist und was dann im Hospiz passiert. In den Tagen vor Heiligabend begeistern uns vorallem Susanne Keller und ihr Mann, denn sie verzaubern das Hospiz in eine Weihnachtswelt. Ebenso sind wir dankbar, dass so viele Musiker*innen kommen und für uns singen und musizieren. Unsere Ehrenamtlichen dekorieren jeden Tag liebevoller den Tisch.
Reich beschenkt.

Spätdienst am Heiligen Abend

Für viele Menschen ist der Heilige Abend etwas besonderes. Und auch im Hospiz würdigen wir diesen Abend und geben Raum und Möglichkeiten, dass jeder etwas von dem erhält, was er sich wünscht.

In der Woche vorher ist es öfter schon Thema, was für wen wichtig ist. Traditionell gibt es bei uns Kartoffelsalat mit Würstchen. Manchmal bringen auch Angehörige genau das mit, was in der jeweiligen Familie am hl. Abend gegessen wurde.

Wir treffen uns um 17 Uhr im Wohnzimmer. Da brennt das Feuer im Kamin, der Tannenbaum leuchtet, es gibt Punsch und Plätzchen. Angehörige und Patienten, mit Rollator und Rollstuhl, mit Infusionen und Sauerstoff oder auch ganz bequem im Bett , wir sind eine große Runde von Menschen dort im Wohnzimmer. Und es macht sich eine Stimmung breit, voller Erwartung, Sehnsucht und Freude. Wir singen Weihnachtslieder, manchmal ist jemand dabei und spielt Gitarre oder Klavier.

Wir hören die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel und spätestens wenn vorgelesen wird: „Der Engel sprach: Fürchtet euch nicht!“ ist eine Stille im Raum und Frieden spürbar. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach, den Träumen, den Erinnerungen. Manchmal kommen wir darüber ins Gespräch, oft singen wir noch alle Lieder die gewünscht werden, manchmal lesen wir noch eine Geschichte.

Gegen 18.30 treffen wir uns zum gemeinsamen Essen und es ist ein gemütliches Miteinander. Jeder kann so lange im Esszimmer sitzen bleiben, wie es für ihn möglich ist und wir Pflegenden unterstützen, wo es nötig ist und erfüllen alle Wünsche, die möglich sind.

Danke, liebe Elisabeth für deinen Text!
Heute haben wir jedenfalls einige Patienten gebadet, Abschied genommen, neu aufgenommen oder noch Besuch mit Geschenken und guten Wünschen erhalten. Die Stimmung ist plapperig, aufgeregt, hoffnungsvoll und seelenschwer, glitzerig und wehmütig, ängstlich, köstlich duftend und ganz zart und zerbrechlich.
Ich selber habe heute nach dem Dienst noch einen Ausflug in die Stadt gemacht und einige Weihnachtskarten persönlich ausgefahren. So wie der Schneemann Olaf aus dem Disney Film „Frozen“ wollte ich noch ein paar Umarmungen verteilen. Ich liebe Umarmungen und bin froh so gute Freunde an meiner Seite zu wissen. Aber keine Sorge, sollten wir uns mal begegnen, dann bin ich erstmal sehr zurückhaltend.

Morgen dann mein letzter Dienst im Hospiz. Für dieses Jahr.
Heilige Nacht – Jesus liegt noch immer gesichert im Dienstzimmer. Der Rest der Krippe ist schon in der Kapelle aufgebaut. Ich bin froh, dass mein Leitung Maike und ich die wunderhübschen Holzkrippenfiguren an die richtigen Stellen bringen konnten.
Ich wünsche Euch allen da draussen ein paar friedliche und glückselige Tage. Auch im Kleinen gibt es Dinge, an denen wir uns erfreuen können. Selbst, wenn wir traurig sind. Wir stricken unser Leben selbst, und denen, die gerade viele Maschen verlieren und löcherige Muster haben, denen möchte ich Mut zusprechen. Es wird wieder anders.
Heller. Wärmer. Zuversichtlicher.
Jetzt freue ich mich auf morgen und den Dienst mit einigen wunderbaren Kolleg*innen.
Herzliche Weihnachstgrüße
Eure Nici

Weihnachtsbude

Einmal im Jahr herrscht bei uns im Hospiz Ausnahmezustand. Schon Ende Oktober ist es kaum noch möglich unsere Kreativgarage zu betreten. Kiste, an Kiste finden sich dort zum Bespiel Sterne, bemalte Steine, Gläser mit den leckersten Marmeladen, Schmuck, Selbstgestricktes und ab Mitte November auch Kekse. Ein wechselndes Team von inzwischen 3 Kolleginnen aus dem stationären Bereich hat alles unter Kontrolle und blickt auf insgesamt mehr als 10 Jahre Erfahrung zurück. Angefangen hat vor 11 Jahren Kurt Bliefernicht mit einem kleinen Team. Verkauft wurden Fröbelsterne, Kekse und selbstgemachte Socken. Diese drei Dinge sind auch heute noch der Renner.

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Anne, Manuela, und seit diesem Jahr auch Mandy, sind schon in den letzten Tagen in der Hochphase, ab morgen eng begleitet von unserer Hospizleitung Kurt Bliefernicht und seinem Auf- und Abbauteam. Seit Wochen hängt in der Küche der Dienstplan für die Haupt- und Ehrenamtlich Mitarbeitenden, die dann in der Weihnachtsbude von 11 – 21 Uhr stehen und für den guten Zweck alles verkaufen, ins Gespräch kommen und sich über bekannte Gesichter freuen.

Auch ich habe heute Kontakt mit meinen Kolleginnen gehabt. Sie haben mir Bilder geschickt, aber in der Hauptsache wurde heute sortiert, ausgezeichnet und umverpackt, damit morgen alles gut auf der Lister Meile ankommt.
Manche Kisten waren richtige Überraschungen, denn uns bringen inzwischen mehr als 40 fleißige Wichtel etwas ins Haus. Unfassbar! Gerne hätte ich an dieser Stelle auch ein Foto der drei Heldinnen mit Strickmützen gezeigt, aber das wurde leider nicht genehmigt 😉 Wer sie sehen möchte, der muss einfach in den nächsten 3 Tagen zur Kirchenbude auf der Lister Meile kommen. Täglich von 11-17 Uhr! Am Sonntag um 12 Uhr singt sogar der Markuschor vor unserer Bude!

Ich habe in diesem Jahr auch mal gebastelt. Korken-Schlüsselanhänger, Minitannenbaumgirlanden (habe ich schon gesagt, dass ich wirklich ungerne handarbeite und bastel) und meine Favoriten – Ministaffeleien mit 12 Fotos zum Austauschen, je nach Lust und Laune. Dazu noch Klappkarten. Die Motive haben wir in unserer kleinen Postkartengruppe zusammengesucht. Jeder wie er kann. Ja, und Mango-Chili-Chutney aus dem von Sigrid Bruch geliehenen Thermomix habe ich auch gekocht.

Am Ende hoffen wir einfach auf eine große Menge an Menschen, die Freude hat etwas bei uns einzukaufen, mit uns ins Gespräch kommen und die wir ein wenig in Adventsstimmung zaubern möchten.
Unser Hospiz verwandelt sich dieser Tage, auch Dank unserer Dekorationsbeauftragen Susanne, in eine große Adventlandschaft. Kerzen sind uns aus Sicherheitsgründen nicht mehr uneingeschränkt erlaubt und so funkeln jetzt eben LED Lampen um die Wette.

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In den Zimmern hängen schon die ersten Adventskalender und auch die Gewissheit, dass es wohl das letzte Fest ist, dass die Patienten mit ihren Zugehörigen verbringen. Das auszusprechen ist hart. Einmal war ich dabei, als ein Paar darüber gesprochen hat. Kein bitterer Beigeschmack, Akzeptanz, tiefe Seufzer und ein langer Blick. Das gelingt nicht allen so gut. Weihnachten, Fest der Liebe, der Familie…wie schnell wird in der Erinnerung daraus ein Fest der Trauer, das war die Zeit als mir mein Liebster genommen wurde. Im Trauercafé hören wir immer wieder, dass es so schwer ist jetzt alles zu schmücken. Die Kraft fehlt, die Lust. Wofür?
Manchmal kehrt die Freude auch langsam wieder zurück. Wird vorsichtig um den leeren Platz ein virtueller Zweig gelegt, eine Kerze angezündet und ein Wunsch in den Himmel geschickt. Aber das kann dauern. Sich verändern. Alles ist dann richtig, solange es den Trauernden gut tut.

Wem eigentlich nicht so nach einem Weihnachtsmarktbesuch ist, der kann trotzdem zu uns kommen. Sich in die Ecke der Bude setzen, einen Kinderpunsch oder Glühwein trinken. Sich ein Lächeln oder Lachen abholen, oder um ein Ohr bitten. Was immer es braucht – wir sind da!

Bis dahin,

herzlich Nici

P.S. DELLA hat uns wunderschöne Beutel zum Jubiläum gestaltet, die gibt es auch im Büdchen!
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Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich 🙂

Spätdienst

Der Dienst beginnt um 13:30 Uhr mit einer stillen Übergabe. 20min lesen meine Kollegin und ich uns durch die Dokumentation. Wir können aus den Aufzeichnungen erkennen ob unsere Patienten Schmerzen oder Übelkeit hatten, wir bekommen Auskunft darüber ob am Vormittag jemand geduscht hat, wo er gefrühstückt hat oder ob wichtiger Besuch da war. Zwischen den Zeilen können wir auch lesen, ob es ein ruhiger oder turbulenter Vormittag war.

Manchmal spürt man das schon nach dem Aufschließen der Tür. Dann liegt etwas in der Luft. Ist Anspannung zu spüren, so als ob die Emotionen kurz vor dem Überkochen sind. Dann liegen manchmal auch alle Patientenakten noch wild auf dem Tisch im Dienstzimmer, es klingelt, die Kolleg*innen vom Frühdienst sind alle in den Zimmern oder fliegen über die Flure.

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Heute ist es relativ still, wir nehmen das von unserer Ehrenamtlichen vorbereitete Kaffeetablett und unsere Lektüre mit nach oben, und teilen uns direkt ein, damit jeder erstmal nur 4 Akten durchblättert. Als Teilzeitkraft passiert es mir manchmal, dass ich lange nicht im stationären Bereich eingesetzt bin und auch die Diagnosen, das Familiensystem und den Verlauf zügig erfassen muss. Auch das ist heute anders, denn ich habe schon ein paar Tage Dienst. Bald kommen die Kolleg*innen dazu und wir hören uns eine Übergabe an, die sich auf wesentliche Punkte beschränkt. Wir fragen manchmal nach, wir atmen auch mal tief durch. Acht Patienten, acht Schicksale, achtmal Zugehörige. Da muss jeder für sich aufpassen, dass er bei sich bleibt und den Fokus nicht verliert. Begleitung am Lebensende ist nicht immer so verklärt, wie es in Filmen dargestellt wird. Begleitung am Lebensende ist auch nicht immer schwer. Manchmal auch gar nicht friedlich. Manchmal plötzlich und still.
Trotz einer durchschnittlichen Liegezeit von 21 Tagen haben wir manchmal alle zusammen noch eine richtig gute Zeit. Ein bisschen also wie im richtigen Leben. Auf und ab, mal links, mal rechts. Der eine mag es steinig, andere könnten über Scherben laufen und dem Dritten muss man jedes Mal behutsam aus dem selbst erschaffenen Labyrinth helfen.
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Um 14:30 Uhr sind wir nur noch zu zweit. Das Ehrenamt und der Frühdienst sind weg. Wir hangeln uns an den Routinen durch den Nachmittag, sehen nach unseren Patienten. Es gibt Kaffee und Kuchen im Wintergarten oder im Bett. Für die Terrasse ist es schon zu kalt, zu nass. Nur die rauchenden Patienten finden noch den Weg raus. Unsere Eichhörnchen im Garten können wir aber auch durch die großen Fensterfronten beobachten. Der Garten ist wunderschön angelegt, liebevoll gestaltet und gepflegt durch eine Ehrenamtliche und ihren Mann, was für ein wundervoller Einsatz.

Es ist manchmal anstrengend am Nachmittag. Die Küche versorgen wir mit, wenn kein Ehrenamt da ist. Müssen wir aber auch in den Zimmern Speisen anreichen, ist es schwieriger das Abendessen zu begleiten. Es braucht also eine gute Absprache, Geduld und Flexibilität. Wenn es ruhig scheint, dann gibt es auch manchmal Überraschungen.

Meine Patientin in Zimmer 1 wird bald sterben. Den ganzen Sommer war sie bei uns, eine lange Begleitung. Wir kommen gut klar, ich kann ihre klaren Anweisungen und die irgendwie liebevoll, schroffe Art gut aushalten. Angst vor dem Ende ist bei ihr ein großes Thema. Atemnot. Wer wird wohl bei ihr sein. Angehörige gibt es nur wenige, keine Kinder. Wir bereiten uns mit ihr darauf vor, reden, zeigen Möglichkeiten auf und versuchen ruhig zu bleiben, wenn sie am unruhigsten ist. Keiner hat eine Glaskugel und kann voraussehen was kommt.

Auf ihrem Balkon stehen Geranien. Ich bin eine bekennende Geranienhasserin. Im Schutz des Balkons sind sie vor dem ersten Frost verschon geblieben. Da ich sehr ehrlich bin erzähle ich ihr im Gespräch, dass ich diese Blumen eigentlich grauenhaft finde, aber die mit den pinken Blüten gefällt mir doch irgendwie. Die einzig mögliche Konsequenz war das Erbe dieser Geranie. Verunsichert frage ich, wie ich das Ding über den Winter kriegen soll. „Schwester Nicole, ich will das die beim nächsten Sommerfest vor meinem Balkon steht. Das ist dann, als ob ich dabei bin. Fragen Sie Ihre Mutter, wenn Sie keine Ahnung haben!“ Dieses Erbe habe ich angetreten.
Eine Erinnerung an einen Spätdienst, der schon zurückliegt. Ja, ich habe einen Winter lang geschwitzt und gehofft. Am Ende hat dieses Pflänzchen mich nicht enttäuscht und hat geblüht. Diese Patientin werde ich niemals vergessen können. Das ist auch ein Teil der Arbeit. Erinnerungen weben sich in unsere Köpfe, manchem von uns auch ins Herz. Das ist nicht immer leicht.
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Heute mache ich bestimmt 10.000 Schritte. In Zimmer 7 klingelt es im Minutentakt, die Patientin hat viele Wünsche. Die wenigsten kann ich erfüllen. Meine anderen Patienten kommen etwas zu kurz, Geduld ist gefordert und einmal bitte ich meine Kollegin zur Klingel zu gehen. Ich brauche eine Pause. Es wird heute später, meine Dokumentation schreibe ich nach der Übergabe fertig, alles was liegengeblieben ist wird der Nachtdienst richten. Irgendwann wird auch die Patientin in der 7 schlafen, jemand anders dafür in der Nacht wach liegen.

Die Nachtluft ist klar. Ich atme tief durch. Mein Kopf brummt, ich habe nicht eingetragen, dass der Patient in der 3 morgen Lymphdrainage bekommt. Ich rufe aus dem Auto nochmal an. Dann ist Stille in meinem Auto, in meinem Kopf. Feierabend für heute.

Bis bald

herzlich Nici

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Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich

Tue Gutes und rede darüber!

Kaum war mein Blog 15 Tage jung, habe ich schon die ersten Spenden annehmen dürfen!

Die erste Aktion war die absolut einzigartige Idee von Sven Friedrich Cordes einen Sarg zugunsten des Hospiz Luise zu versteigern. Gestaltet von Mansha Friedrich und Gästen hat das schöne Stück ein Jahr lang in der Galerie gestanden, bevor er am 02. November für 500 Euro seinen Besitzer wechselte und jetzt eine Weinbar wird. In der Galerie metavier hatten meine Kollegin Manuela und ich jedenfalls einen richtig tollen Abend. Danke, lieber Sven für diese großartige Idee!
Spendenertrag: 500 Euro Versteigerungserlös plus 50,50 Euro in meinem Schweinchen

30 Jahre Mauerfall – Party mit Spendenschweinchen

Meine Kollegin Kerstin, die bei unserem Ambulanten PalliativDienst arbeitet hat auch gleich ein Schweinchen bestellt und es mit zu einer besonderen Feier genommen. Neben Lagerfeuer und einem köstlichen Essen haben die Freunde von Kerstin 30 Jahre Mauerfall gewürdigt und nebenbei unser Schweinchen liebevoll gefüttert. Danke dafür!!
Spendenertrag: 200 Euro und viele weitere Ideen, wo das Schwein noch Gast sein kann

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Hannoverscher Carnevals Club sammelt beim Tiergartenfest

Beim Tiergartenfest konnte für 0,50 Cent das Glücksrad gedreht werden und viele Kinder erhielten ein wunderschön geschminktes Gesicht. Möglich machten das die Mitglieder des HCC. Der Erlös war für das Hospiz Luise bestimmt. Was für ein toller Einsatz! Die Übergabe fand im Leonardo Hotel Hannover am Tiergarten statt und ich danke Dirk Knappert und seinen Mitarbeitenden für den netten Rahmen der Scheckübergabe. Merci an den HCC!
Spendenübergabe von 535,72 Euro plus 30 Euro spontan Spende

Das macht nach Adam Ries schon eine Summe von 1316,22 Euro!!!

Ein weiteres Schweinchen durfte ich diese Woche nach Burgdorf in die Haarschneyderei von Nicole Lang bringen. Dort wird es jetzt in der Hannoversche Neustadt 14 für uns sammeln. Herzlichen Dank auch dafür!

Jetzt seid Ihr dran! Ich suche noch weitere Geburtstagskinder, Partymäuse, Hochzeitspaare, Geldverschenker und Schweinehüter! Unterstützt mich bei meinem Ziel 25.000 Euro für das Hospiz Luise in Hannover zu sammeln. Ich freue mich über Eure Mail an mailto:25jahrehospizluise@gmx.de. Gerne bringe ich Euch die Schweinchen und berichte auch über Euch, Euer Geschäft oder wo auch immer Ihr sammeln möchtet…Weihnachtsfeiern sind doch auch eine gute Möglichkeit 😉

Tue Gutes und rede darüber, ich kann es gar nicht oft genug schreiben. Danke an alle, die mit mir unterwegs sind, sein werden und über die ich berichten darf.

Herzliche Grüße

Eure Nici

BVT (27)

Fotos: Leonardo Hotel und ich