Freunde

Gehe ich heute in ein Patient*innenszimmer, dann fällt mein Blick als erstes auf unsere neuen Magnetwände. Farbe, die es ermöglicht Erinnerungen die Wand zu bringen. Karten, Bilder, Gebasteltes, Lichterketten. Ist der Magnet stark genug, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Diese Bilder erzählen eine Menge über den Menschen, der bei uns für eine Zeit lebt. Worauf liegt der Fokus am Lebensende. Was ist wichtig – wer ist wichtig. Darüber kommen wir auch mit den Menschen ins Gespräch. Werden ein Teil ihrer Geschichten, ihres Lebens.

Für viele Menschen sind natürlich die Familienangehörigen am Lebensende wichtig und Teil der Begleitung. Heute möchte ich den Fokus aber auf Freunde lenken. Denn nicht jeder hat am Lebensende einen Partner oder eine Partnerin, nicht jeder hat Kinder, Geschwister oder einen Cousin oder eine Nichte. Einige haben ihre Freund*innen. Freund*innen die durch dick und dünn gehen. Die über sich hinauswachsen. Nicht, weil familäre Bande und Blutlinien sie verbinden, sondern gemeinsame Jahre des Vertrauens.

Ich erinnere mich gerne an eine Patient*in in Zimmer irgendwo. Sie war vor Ort mit Freund*innen umgeben. Die Familie weit weg. Bettlägerig, jung und dennoch immer mit einem Strahlen für uns. Eine Frau, die die Krankheit in ihrem Alter völlig unangemessen und zeitlich deplaziert fand, aber sie hatte sie angenommen und so hatte ich bei ihr manchmal das Gefühl, das da noch eine zusätzliche Freundschaft entstand. Die Diagnose mit den unabänderlichen Folgen war da und so kämpfte sie nicht dagegen an, sondern suchte die Begegnung auf Augenhöhe. Das fand ich immer sehr beeindruckend in unseren Gesprächen.

An einem Tag hatte ich Spätdienst und bei der Übergabe wurden wir darauf vorbereitet, dass es heute eine legale „Wohnungsplünderung“ durch die Freund*innen der Patientin geben sollte. Mit Kaffee, Kuchen, Sekt und unsere Patientin dank Technik immer mittendrin. Sie lag in ihrem Bett und hatte alles im Video. War quasi auch vor Ort. Da flossen Tränen, wurde gelacht. Eine virtuelle Modenschau und die Gewissheit, dass geliebte Kleidungsstücke in Zukunft in liebevoller Erinnerung getragen werden würden. Ein großer Dienst von den Freund*innen.

Ein anderer Patient war vorher in seinem Leben sehr einsam. Lebte absolut isoliert und verlor sich und seine Freunde aus dem Blick. Bei uns blühte er irgendwann wieder auf. Knüpfte wieder Kontakte in die Vergangenheit und seine Freunde waren wieder da. Das hat mich immer sehr berührt. Wir haben viele Chancen in diesem einem Leben. Erkennen und nutzen muss sie jeder für sich selbst.

So könnte ich weitererzählen und auch die kreativen Ideen in Zeiten von Corona aufführen. Was haben sich die Freunde und Familien alles einfallen lassen. Vielleicht ist es aber auch an dieser Stelle Zeit in sich zu gehen und die eigenen Freunde im Kopf durchzugehen. Wer ist für mich da, für wen könnte ich da sein. Wer ist wohl isoliert und freut sich über eine Karte von mir. Wir sind alle müde, von diesem anstrengenden Jahr. Doch heute könnte man im Status einen Gruß an Freunde senden, oder ein Bild verschicken, oder den Telefonhörer in die Hand nehmen.

Das Hospiz Luise hat auch Freunde. Freunde, die uns in einer sehr schweren Zeit auch zur Seite standen und stehen. Die uns angerufen haben, die unseren Kuchen im Sommer gegen Spenden mitgenommen haben. Die uns Karten schreiben. Die wir vermissen, die uns vermissen. Wir werden noch lange ohnen Veranstaltung sein. Deshalb möchte ich euch mein neues Freundebuch-Projekt ans Herz legen. Wer unsere Arbeit wichtig findet und uns ein kleines Stück Sicherheit schenken möchte, den laden wir ein auch unser Freund zu werden. Mit einer regelmäßigen Unterstützung. Egal wie groß oder klein. Als ein Zeichen. Also lege ich euch meine virtuelle Freundebuchvorlage in diesen Beitrag und danke Monika Ingelmann, dass Sie mir das so unkompliziert erstellt hat. Ihr könnt das Dokument ganz einfach am PC ausfüllen! Oder ihr schaut auf der Website vorbei. Danach mailt ihr es mir einfach, wenn ich es auch zeigen darf 😉

Jeder Cent hilft, den mehr als 200. 000 Euro müssen wir auch dieses Jahr wieder an Spenden aufbringen, um unsere Arbeit machen zu können. Das schaffen wir nicht aus eigener Kraft. Dafür brauchen wir auch Freunde.
Machst du mit?
Herzlich
Eure Nici