P.S. Das ist unglaublich!

Ihr Lieben,

eigentlich habe ich gedacht, es sei mit dem letzten Beitrag alles gesagt. Aber als Fundraiserin habe ich auch nach der Auktion noch meinen Job gemacht und beispielsweise auch allen gemailt, die kein Bildchen ergattert haben. Ich habe vielen Menschen die Leinwände vorbeigebracht und wunderbare Gespräche geführt.

Dann kamen auch noch einige Schweinchen zurück! Die haben soviel erlebt, dass sie eigentlich gar nicht zurück wollten. Aber mit 500 Euro waren sie dick und fett und ich bin Anne und Kerstin so dankbar für die Verteilung. Ich hoffe ich kann ab nächsten Sommer wieder einige Schweine verleihen und so Unterstützung für das Hospiz bekommen.

Die MUT STiftung hat uns mehr als großzügig unterstützt und ich habe so eine gute Erinnerung an dieses nette und humorvolle Gespräch mit der Familie Carstensen. Wundervoll.

Wie großartig, dass wir mehr als hundert neue Interessierte für unsere Arbeit gewinnen konnten. Ohne die Adressen zu kaufen – die habe ich mit diesem Blog „erarbeitet“ und somit echtes Interesse geweckt.
Zähle ich all diese Nebenschauplätze zusammen, dann komme ich auf einen neuen Spendenstand in meinem Blog!

76.482 Euro

Einige Menschen haben mir in den letzten Wochen geschrieben, dass Ihnen meine Beiträge fehlen. Alternativ gibt es ja gerade meinen Mitmach-Adventskalender auf Facebook und Instagram. Ich bin ganz ehrlich – mir fehlt es auch zu schreiben. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein.

Wenn ich aber gerade hier schreibe, dann kann ich euch auch schreiben, dass wir hier mit Abstand das Beste aus der Situation machen. Wir leiden aber dennoch unter den Abstandsregeln. Die nächsten Wochen werden nochmal hart, aber solange wir gesund bleiben werden wir es schon schaffen.

Heute habe ich mit unserem Chef über Heiligabend geredet. Sonst sind wir alle im Wohnzimmer, lesen die Weihnachtsgeschichte, essen zusammen. Dieses Jahr? Das wird alles anders und ich hoffe wir können es dennoch schön gestalten. Ich habe Spätdienst und werde sicher bei Facebook berichten, wie es war.

Unsere Konzerte im Advent fallen fast alle aus – gemeinsames Singen ist einfach gerade schwierig. Ich habe mich vorhin gefragt, ob mir einige Künstler*innen nicht Weihnachtslieder einsingen könnten. Ohne viel Aufwand. Dann könnten wir im Advent über unsere kleine Box eure Musik abspielen.

In Gedanken bin ich bei allen, die allein sind, traurig, verzweifelt. Denen wünsche ich liebevolle Menschen, die noch gute Gedanken abgeben können und Herzmomente schenken.

Heute mal herzlich aus der Luise

Eure Nici

Nachlass

Wenn ein Mensch bei uns im Hospiz Luise stirbt, dann müssen auch wir Abschied nehmen. Eine Vielzahl von kleinen Ritualen und Tätigkeiten nimmt dann seinen Lauf, wenn ein Mensch seinen letzten Atemzug getan hat.
Bis unsere Patient*innen gewaschen, frisiert, angezogen für die letzte Reise, vielleicht geschminkt, in einem aufgeräumten Zimmer aufgebahrt liegen vergeht Zeit. Zeit, um sich zu verabschieden. Nochmal ein Gebet zu sprechen, die Hand zu halten, zu Weinen, zu erzählen, zu lachen, zu schweigen.


Die letzte Patientin von der ich mich verabschiedet habe war schon länger bei uns. So gerne war ich in diesem Zimmer. War tief beeindruckt von dem Leben und Wirken. Von ihrer liebevollen Art, der Wärme, der Entschlossenheit und dann auch wieder so viel Verletzlichkeit.
Ich habe am Bett gesessen und geweint. Dankbar, diese Frau gekannt zu haben. Dankbar, dass sie friedlich sterben konnte. Dankbar für die Gespräche.
Auf dem Weg raus habe ich meinen Chef getroffen. „Was wäre unsere Arbeit, wenn wir nicht auch so auf den Tod unserer Patient*innen reagieren würden?“

Ja, was wäre diese Arbeit ohne Empathie. Was wäre diese Arbeit ohne tausende Kolleg*innen die ambulant und stationär Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, oder die guten Seelen in der Verwaltung sind, die ehrenamtlich helfen, die leiten, die unsere Häuser blitzblank halten, die alles reparieren können, die in der Trauerarbeit unterwegs sind, die an uns denken, die uns spenden, die für uns musizieren, uns beschenken und Kuchen und Kekse backen….

Nichts.

Unsere Arbeit wäre nichts ohne diese riesigen Netzwerke.

Wenn ein Mensch bei uns im Hospiz Luise stirbt, dann passt der Nachlass manchmal in eine kleine Tasche oder in zwei Autos. Jeder bringt etwas anderes mit. Jeder hinterlässt etwas anderes.

Fülle

Mit diesem Blog wollte ich auch etwas dalassen.

Die Fülle unserer Arbeit, die manchmal auch zu viel werden kann. Sterben ist ein ernstes Thema, Leben aber auch. Leben ist ganz wundervoll im überwiegenden Teil. Sterben nur ein kleiner davon und oft auch richtig stimmig.
Deshalb wäre ich so froh, wenn jetzt auch etwas übrig bleibt. Ein Satz, ein Beitrag, ein Bild, ein Gedanke.

Danke

Dieses Jahr war wunderlich und wunderbar. Viele von euch haben regelmäßig gelesen (außer meinem Hannes, der liest sowieso meine Gedanken). Dafür bin ich dankbar. Heute freu ich mich auch über eine Nachricht, ein Feedback, einen Abschiedsgruß. Danke an alle, die diesen Blog ermöglicht haben. An alle die gelesen haben…

Ich gehe gefüllt mit guten Ideen und Gedanken und grüße herzlich,

Auf bald,

Eure Nici

Tue Gutes und rede darüber – Teil 5

Wie schnell geht ein Jahr dahin? Ist es solange her, dass ich meinen ersten Beitrag hier veröffentlicht habe? All die Pläne, all die Änderungen und dennoch hat es funktioniert. Trotz der Krise. Wieder wird alles abgesagt und die nächsten Monate sehen auch für uns nicht rosig aus. Keine Veranstaltungen – keine Spenden.
Doch dieser Blog war mein persönlicher Hoffnungsschimmer, wann immer die Nachrichten um mich herum eigentlich Hoffnungslosigkeit vermittelten.

Am Samstag endet mein Blog. Noch zwei Tage und ich bin schon wehmütig. Ein wenig Trauer klingt auf der einen Seite, weil so viele Dinge nicht stattfinden konnten. Aber ich bin irgendwie anders gestrickt. Finde immer wieder Alternativen, wenn es schwierig wird. Habe gerne über unsere Arbeit geschrieben und informiert.

Neben der Wehmut ist da aber ein Gefühl der Freude, denn ihr ahnt es ja schon. Mein Spendenziel habe ich tatsächlich übertroffen. Weil ich beispielsweise schon am 23. März online war. Weil ich mit unfassbar viel Hilfe ein Programm von Matthias Brodowy zeigen konnte. Meine Schnelligkeit und Spontanität ist für manche Menschen sicherlich nervtötend, aber in diesem Fall war es einfach gut, schnell zu sein.

bouquet bunch of flowers flowers holding
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Ich habe Schweinchen verteilt, die Spenden gesammelt haben. Es gab Sachspenden, ein neues Auto, Musik, eine Auktion mit mehr als 100 Beteiligten, ein Sarg wurde zur Weinbar, es wurde gesammelt und unterstützt….was für ein Schatz.

Danke. Fünf kleine Buchstaben, die aber alles ausdrücken. Ich empfehle allen nochmal die Beiträge in der Kategorie Spenden durchzulesen. So viele Menschen haben so viel für das Hospiz Luise bewegt. Mich berührt das sehr und ich danke jedem einzelnen von euch!
Deshalb darf ich an dieser Stelle auch meine Endsumme verkünden. Ich kann es selber kaum glauben, wenn ich das jetzt schreibe:

65. 485 Euro

Das ist unfassbar viel Geld. Das waren unfassbar viele Menschen, die dazu beigetragen haben. Ich verneige mich vor Euch! Ihr habt damit aktiv dazu beigetragen, dass unser Hospiz Luise in diesen schweren Zeiten unterstützt wird. Da die Kranken- und Pflegekassen nicht alle Kosten für unsere Patient*innen übernehmen sind wir Jahr für Jahr auf Unterstützung angewiesen. Dazu kommt noch alles, was ein Hospiz erst besonders macht….und natürlich nicht finanziert wird. Gute Matratzen, ein schöner Garten, Öle, Blumen, Hilfsmittel, Kuschledecken, Dinkelkissen….Meine Kolleg*innen und ich werden also nicht die Hände in den Schoß legen.

Was ich noch sagen möchte, lest ihr am Samstag in meinem letzten Eintrag. Danke, dass ihr mit mir diesen Weg gegangen seid.

Herzlich,

Eure Nici