Nachlass

Wenn ein Mensch bei uns im Hospiz Luise stirbt, dann müssen auch wir Abschied nehmen. Eine Vielzahl von kleinen Ritualen und Tätigkeiten nimmt dann seinen Lauf, wenn ein Mensch seinen letzten Atemzug getan hat.
Bis unsere Patient*innen gewaschen, frisiert, angezogen für die letzte Reise, vielleicht geschminkt, in einem aufgeräumten Zimmer aufgebahrt liegen vergeht Zeit. Zeit, um sich zu verabschieden. Nochmal ein Gebet zu sprechen, die Hand zu halten, zu Weinen, zu erzählen, zu lachen, zu schweigen.


Die letzte Patientin von der ich mich verabschiedet habe war schon länger bei uns. So gerne war ich in diesem Zimmer. War tief beeindruckt von dem Leben und Wirken. Von ihrer liebevollen Art, der Wärme, der Entschlossenheit und dann auch wieder so viel Verletzlichkeit.
Ich habe am Bett gesessen und geweint. Dankbar, diese Frau gekannt zu haben. Dankbar, dass sie friedlich sterben konnte. Dankbar für die Gespräche.
Auf dem Weg raus habe ich meinen Chef getroffen. „Was wäre unsere Arbeit, wenn wir nicht auch so auf den Tod unserer Patient*innen reagieren würden?“

Ja, was wäre diese Arbeit ohne Empathie. Was wäre diese Arbeit ohne tausende Kolleg*innen die ambulant und stationär Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, oder die guten Seelen in der Verwaltung sind, die ehrenamtlich helfen, die leiten, die unsere Häuser blitzblank halten, die alles reparieren können, die in der Trauerarbeit unterwegs sind, die an uns denken, die uns spenden, die für uns musizieren, uns beschenken und Kuchen und Kekse backen….

Nichts.

Unsere Arbeit wäre nichts ohne diese riesigen Netzwerke.

Wenn ein Mensch bei uns im Hospiz Luise stirbt, dann passt der Nachlass manchmal in eine kleine Tasche oder in zwei Autos. Jeder bringt etwas anderes mit. Jeder hinterlässt etwas anderes.

Fülle

Mit diesem Blog wollte ich auch etwas dalassen.

Die Fülle unserer Arbeit, die manchmal auch zu viel werden kann. Sterben ist ein ernstes Thema, Leben aber auch. Leben ist ganz wundervoll im überwiegenden Teil. Sterben nur ein kleiner davon und oft auch richtig stimmig.
Deshalb wäre ich so froh, wenn jetzt auch etwas übrig bleibt. Ein Satz, ein Beitrag, ein Bild, ein Gedanke.

Danke

Dieses Jahr war wunderlich und wunderbar. Viele von euch haben regelmäßig gelesen (außer meinem Hannes, der liest sowieso meine Gedanken). Dafür bin ich dankbar. Heute freu ich mich auch über eine Nachricht, ein Feedback, einen Abschiedsgruß. Danke an alle, die diesen Blog ermöglicht haben. An alle die gelesen haben…

Ich gehe gefüllt mit guten Ideen und Gedanken und grüße herzlich,

Auf bald,

Eure Nici

Tue Gutes und rede darüber – letzter Teil

Wie schnell geht ein Jahr dahin? Ist es solange her, dass ich meinen ersten Beitrag hier veröffentlicht habe? All die Pläne, all die Änderungen und dennoch hat es funktioniert. Trotz der Krise. Wieder wird alles abgesagt und die nächsten Monate sehen auch für uns nicht rosig aus. Keine Veranstaltungen – keine Spenden.
Doch dieser Blog war mein persönlicher Hoffnungsschimmer, wann immer die Nachrichten um mich herum eigentlich Hoffnungslosigkeit vermittelten.

Am Samstag endet mein Blog. Noch zwei Tage und ich bin schon wehmütig. Ein wenig Trauer klingt auf der einen Seite, weil so viele Dinge nicht stattfinden konnten. Aber ich bin irgendwie anders gestrickt. Finde immer wieder Alternativen, wenn es schwierig wird. Habe gerne über unsere Arbeit geschrieben und informiert.

Neben der Wehmut ist da aber ein Gefühl der Freude, denn ihr ahnt es ja schon. Mein Spendenziel habe ich tatsächlich übertroffen. Weil ich beispielsweise schon am 23. März online war. Weil ich mit unfassbar viel Hilfe ein Programm von Matthias Brodowy zeigen konnte. Meine Schnelligkeit und Spontanität ist für manche Menschen sicherlich nervtötend, aber in diesem Fall war es einfach gut, schnell zu sein.

bouquet bunch of flowers flowers holding
Photo by Snapwire on Pexels.com

Ich habe Schweinchen verteilt, die Spenden gesammelt haben. Es gab Sachspenden, ein neues Auto, Musik, eine Auktion mit mehr als 100 Beteiligten, ein Sarg wurde zur Weinbar, es wurde gesammelt und unterstützt….was für ein Schatz.

Danke. Fünf kleine Buchstaben, die aber alles ausdrücken. Ich empfehle allen nochmal die Beiträge in der Kategorie Spenden durchzulesen. So viele Menschen haben so viel für das Hospiz Luise bewegt. Mich berührt das sehr und ich danke jedem einzelnen von euch!
Deshalb darf ich an dieser Stelle auch meine Endsumme verkünden. Ich kann es selber kaum glauben, wenn ich das jetzt schreibe:

65. 485 Euro

Das ist unfassbar viel Geld. Das waren unfassbar viele Menschen, die dazu beigetragen haben. Ich verneige mich vor Euch! Ihr habt damit aktiv dazu beigetragen, dass unser Hospiz Luise in diesen schweren Zeiten unterstützt wird. Da die Kranken- und Pflegekassen nicht alle Kosten für unsere Patient*innen übernehmen sind wir Jahr für Jahr auf Unterstützung angewiesen. Dazu kommt noch alles, was ein Hospiz erst besonders macht….und natürlich nicht finanziert wird. Gute Matratzen, ein schöner Garten, Öle, Blumen, Hilfsmittel, Kuschledecken, Dinkelkissen….Meine Kolleg*innen und ich werden also nicht die Hände in den Schoß legen.

Was ich noch sagen möchte, lest ihr am Samstag in meinem letzten Eintrag. Danke, dass ihr mit mir diesen Weg gegangen seid.

Herzlich,

Eure Nici

Ausstellung Minileinwände in der Galerie CC

Ich bin sehr erfreut, dass uns Caren Cunst für eine Woche in ihre Galerie einlädt, um unsere schönen Minileinwände zu präsentieren. In dieser Zeit könnt ihr auch alle Kunstwerke und andere exklusive Artikel ersteigern, die wir mit Unterstützung von Event Fundraising Behm anbieten können. Save the date…

-102Tage -13Std. -33Min. -17Sek.

Täglich von 11 bis 18 Uhr
Tragt euch hier in den Newsletter ein, um nichts zu verpassen!

Online Benefiz Versteigerung

-102Tage -13Std. -33Min. -17Sek.

Unter der Schirmherrschaft von Herbert Schmalstieg, Oberbürgermeister der Stadt Hannover a. D., freuen wir uns auf eine Versteigerung von Ministaffeleien zugunsten des Hospiz Luise. Außerdem gibt es noch einige Highlights auf die ihr zusätzlich bieten könnt. Seid gespannt!
Seid bequem vom Laptop oder Handy dabei und unterstützt unsere Arbeit durch eure Teilnahme an dieser Auktion.

Versteigert werden die kleine Unikate neben seltenen Events in einer online Version der Stillen Auktion vom 14. – 22. Oktober. Wir freuen uns über die Unterstützung von Sabrina Behm und ihrem Team! Wer die kleinen Kunstwerke auch im Original sehen möchte, kann dies in der Galerie CC in Hannover vom 14.-22. Oktober tun.
Der Ausstellungskatalog zur großen Benefizaktion

Da die meisten Jubiläumsveranstaltungen ausfallen mussten, hoffen wir auf eine rege Beteiligung.

…weil jeder Cent zählt…

 

112 Unikate & mehr

Evelina Arakelyan, Konstanze Becker, Hennes Bender, Katja Blume, Ayse & Axel Bosse, Laura Elisa Burgdorf, Caren Cunst, Chantal Däubner, Tim Davies, Della, Hans Dienemann, Maike Dudek, Yasmin Fahimi, Freiraumfrau, Freundeskreis Hannover e.V., Mansha Friedrich, Die Fruchtfliege, Fury in the Slaughterhouse, Toni Garrn & Alex Pettyfer, Michael Gerlach, Martina Gilica, Jeanne Golla, Petra Grunden-Böing, Mandy Grune, Gundlach Bau und Immobilien, Sr. M. Hanna, Prof. Dr. Ursula Hansen, Prof. Dr. med. Axel Haverich, Dr. Hendrik Hoppenstedt & Clara, M. Janzen, Jazz Club Hannover, Wolfgang Joop, Dr. Margot Käßmann, Eva Kersting-Rader, Iris Klöpper, Holger Koch, Britta Krämer, Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann, Anne von Kumm, Heinz-Rudolph Kunze, Ladies Circle 27,  127 und TC 27, Uwe Lang, Bernd Lehmann, Holger Leue, Jen & Hendrik Lind, Udo Lindenberg, Nina Lesley Lombardo, Marc Marshall, Klaus Meine, Heidi Merk, Lena Meyer-Landrut, Milou & Flint, Achim Mogge, Mariarita Muscas, Janet Nesmedin, Norddeutsche Tanzwerkstatt, Eleana Nozon, William O‘Connell, Orange Blue, Gabriele Pfeil, Alexandra Popp, Frank Preidel, Pedro Prüser & Susanne Nülle, Sandra Quadflieg, Ronny Reinecke, Martina Rick, Julia Rieß, Claudia Rimkus, Gabriele Rinkleff, Nerissa Rothhardt, Kris Savic, Dr. h. c. Herbert Schmalstieg, Daniela Schmitz, Jens-Uwe Scholz, Barbara Schöneberger & Hubertus Meyer-Burckhardt, Marie Schulz, Ingo Siegner, Silbermond, Sr. M. Teresa , Sylvia Sobbek, Kai-Jörg Sommer, Prof. Dr. med. Andreas Spengler, Uli Stein, Eva Terhorst, Theaterensemble Herrenhausen, Lisa Tilicke, Georg Trivisas, Juliane Uhl, Angelika Vogt, Otto Waalkes, Elisabeth Wächter, Tobias Wagner, Monika Walden, Christine Wartenberg, Stephan Weil, Ole West, Charlotte Wielage, Wilhelm-Busch-Museum, Bischof Dr. Heiner Wilmer SJC, Malte Wulf, Detlef Wutschik & Werner Momsen, Yolande Sketch, Laura Zacharias, Matthias Brodowy, Jorge La Guardia, Siegfried Neuenhausen, Natalia Schäfer, Franzisika Stünkel, Markus Becker, NDR Radiophilharmonie, Madita van Hülsen, Eckart von Hirschhausen

 

Pause

Gerade habe ich die Daten für die stille Auktion an Sabrina Behm übertragen. 111 mal Fotos besorgen (naja, es fehlen noch so 3-5), 111 mal eine kurze Vita schreiben. Falls ich sie vorher nicht bekommen habe muss ich entscheiden, was wichtig ist. Wir sind uns einig, da kann ich eigentlich nur verlieren. Oder meine Leinwandspender*innen sind milde mit mir, wir werden sehen. Jedenfalls habe ich mich sehr angestrengt. Jetzt brauche ich eine Pause für mein wirres Hirn.

Das ist ja so eine Sache. Wir glauben oft zu wissen, was für andere gut ist oder wie man etwas richtig macht. Welche Jacke ist die Richtige für das Kind, wie die Frau vor einem an der Kasse abnehmen könnte, wie Rosen wirklich geschnitten werden oder auch tiefergehende Entscheidungen, welche Therapie denn jetzt angesagt ist.
Ist das so? Ich glaube manchmal ist ja auch der Wunsch, der Vater des Gedanken (oder die Mutter). Wenn bei uns im Hospiz ein Patient Schmerzen hat, dann bieten wir alles an, was wir aufwarten können. Neben Medikamenten sind das auch Einreibungen, Dinkelkissen, Lagerungsmittel, aus dem Bett in den Stuhl, links oder rechtsrum liegen, Zeit schenken, zuhören, oder einfach mal nur halten. Aushalten. Das möchten auch einige. Einige Angehörige möchten das auch manchmal. Oder umgekehrt. Manchmal brauchen die Menschen auch eine Pause. Sterben ist anstrengend für alle.

Das ist das Dilemma mit dem Sterben. Wir wollen das Leid des anderen gelindert sehen, aber die Nebenwirkungen hätten wir nicht gern. Nicht müde werden, noch alles sagen. Gemeinsame Zeit ist doch so kostbar. Herzzerreißende Momente sind das. Wir könne die Zeit nicht anhalten.
Die Sterbenden wollen manchmal ganz bewusst keine Schmerzmedikamente. Oder manchmal schwingen wir alle nebeneinander im System und es gibt eine Lösung die alle in dem Moment einigermaßen gut finden. Wird ein Patient müde von den Schmerzmitteln, dann kann doch auch die Familie mal durchatmen. Pause.
Es ist wirklich so besonders wie eine Schwangerschaft. Die eine werdende Mutter nimmt alles mit, was der Markt hergibt und die andere wählt einen anderen Weg. Auch die Geburten sind individuell. Selbst da gibt es manchal die Notwendigkeit einer Pause, um wieder zu Kräften zu kommen.

Für mich ist es in der Arbeit wichtig den Patient*innen und Zugehörigen zwar meine Erfahrungen wiederzugeben, aber Entscheidungen müssen auch selbst getroffen werden. In unserem Leben treffen wir doch oft mal eine Wahl, die wir vielleicht bereuen. Im Sterben kann das auch passieren. „Hätten wir vorher gewusst, wie gut das tut…“ höre ich oft, wenn ich mal jemanden spazieren gehen schicke, oder ein Gesprächsangebot genutzt wurde oder doch die Schmerzdosis erhöht. Wenn wir mit voller Aufmerksamkeit da sein wollen, müssen wir uns dafür auch mal abwenden von unserem Plan. Glaube ich zumindest.

Es ist an der Zeit mutig zu sein. Es ist Zeit nicht alles auf die letzten paar Wochen zu schieben. Heute ist der Tag um Unangenehmes aus dem Leben zu entfernen, oder einen Weg zu finden damit zu leben. Das Leben an die Hand zu nehmen und kleine Momente zu lieben. Nicht immer das große Wunder.
Ich werde jetzt jedenfalls mein Hirn ausmachen und eine schöne Pause machen,

herzlich Eure Nici

Pflege

Vor gut 25 Jahren habe ich in der Krankenpflegeausbildung in Bremen waschen gelernt. An Mitschüler*innen haben wir geübt, wie wir anregend und beruhigend waschen. Zusätze für das Wasser ausprobiert und die Königsklasse versucht. Dem Menschen der dort gelegen hat das Gefühl zu geben, es ist alles gut. Deine Intimsphäre wird gewahrt. Ich behandel dich mit Respekt und Würde. Du bist nicht in einer Waschstraße. Deine Bedürfnisse werden gesehen. Da hatte ich Glück, dass ich so wunderbare Lehrer*innen hatte. Schon vor einem Vierteljahrhundert war ihnen das wichtig. Mir ist das heute noch wichtig, wenn ich pflege.

Im Hospiz ist die pflegerische und psychosoziale Betreuung eine unserer Aufgaben. Die Patient*innen sind unterschiedlich selbständig und benötigen irgendwann immer unsere Hilfe. Bevor ich persönlich einen Menschen das erste Mal pflegerisch betreue, stelle ich mich gedanklich gerne einen Schritt neben mich. Das schärft meine Sicht und hilft mir meinem Gegenüber besser zu begegnen. Der Handlung eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit zu geben. Sicherheit auszustrahlen. Vertrauen zu schaffen. Scham und Ängsten zu begegnen.
Da könnt ihr euch natürlich fragen, ob das bei so etwas banalem, wie der Grundpflege nötig ist. Da würde ich mal vorschlagen, dass ihr euch in die Situation begebt.
Stellt euch mal vor ihr seid von jetzt auf gleich auf Unterstützung angewiesen. Ein anderer, fremder Mensch kommt in euer Zimmer geschneit und nimmt euch die Grundpflege ab. Berührt euch. Kommt euch nah. Riecht euch, ihr riecht ihn/sie auch. Hilft euch auf den Toilettenstuhl, beim Füße waschen und der Intimpflege.


Keiner von uns möchte das. Verständlich. Dennoch werden wir nicht alle plötzlich tot umfallen, sondern die Meisten von uns werden irgendwann von irgendwem gewaschen und versorgt werden. Das ist jetzt blöd, sich das vorzustellen.
Aber für mich steigt damit die Hochachtung vor den Menschen, die tagtäglich in Einrichtungen genau dies tun. Die professionell, respektvoll und liebevoll pflegerische Tätigkeiten verrichten und es schaffen, dass die zu Pflegenden sich fallen lassen. Das Schicksal annehmen und plötzlich beim Rückenwaschen fast schon schnurrren, weil es so schön ist.
Pflegekräfte die unter übelsten Bedingungen Dutzende Menschen duschen und waschen müssen. Dennoch haben sie oft ein Lächeln zur rechten Zeit, obwohl sie absolut erschöpft sind.

Im Hospiz haben wir diesen Druck in dieser Form nicht. Auch bei uns gibt es natürlich ungewöhnliche Tage, an denen wir erst um 12 Uhr frühstücken, weil unsere Patient*innen unsere ganze Zeit und Aufmerksamkeit fordern. Doch es gibt auch die Tage an denen alles möglich ist und wir im Einklang mit den Bedürfnissen der uns anvertrauten Menschen durch den Tag kommen.
Es ist ganz wunderbar zu sehen, was eine rhythmische Einreibung auslösen kann, oder wie entspannt ein sterbender Mensch in die Kissen sinkt, wenn wir mit warmen Wasser und dem Lieblingsduft sanft waschen. Manchmal über den ganzen Tag verteilt, um die Anstrengung so gering wie möglich zu halten.

Wenn wir uns Zeit nehmen können, dann können wir auch abgeben und annehmen. Das tun wir im Grunde ja jeden Tag, ohne es zu merken.
Ein lieber Gruß an alle Kolleg*innen – ihr macht einen wunderbaren Job! Vergessen möchte ich auch nicht, die pflegenden Angehörigen❤ Ein Danke an alle Patient*innen, die sich uns vertrauensvoll zuwenden und uns unseren Lieblingsjob machen lassen.

Herzlich Eure Nici

Die Sache mit den Leinwänden

Könnt ihr Euch vorstellen, wie es ist, wenn seit Wochen die Umschläge auf meinem Schreibtisch landen und es jedesmal ein wenig wie Weihnachten ist? Nein, könnt ihr natürlich nicht, aber dennoch möchte ich euch ein kurzes Update geben.

Im Herbst letzten Jahres wusste ich schon, wie der Abschluss meines Blogs aussehen sollte. Eine Versteigerung von Minileinwänden in Hannover. Mit einem schönen Rahmenprogramm und einem guten Ergebnis für mein Gesamtziel.
Dann kam die Pandemie auf uns zugerollt und als Projektleiterin für das 25jährige Jubiläum des Hospiz Luise konnte ich fortan nur noch Veranstaltungen absagen. Deshalb habe ich meine Aktion vorgezogen und spontan Briefe geschrieben. Handgeschrieben, auf eigens dafür erstelltem Briefpapier (das hat mir Edda Wilkening alias Yolande Sketch gemacht, danke, dass du meine Gedanken lesen kannst). Zweiseitig. Aus Sicht von Fundraisern unzumutbar. Aber ich habe das aus dem Herz und meinem Engagement gemacht. Nicht nach Vorschrift. Der Erfolg gibt mir Recht.


Ich kann euch allen nicht genug danken, aber einigen Danke ich heute schon mal stellvertretend:
*Udo Lindenberg für den selbstbeschriebenen Umschlag mit dem Herzchen drauf
*Ingo Siegner für die erste Leinwand mit dem Helden aus meinen Lieblings-Mama-Büchern – Kokusnuss
*Lisa Wächter, weil mein Herz kurz ausgesetzt hat als ich das Bild gesehen habe – so zart und schön
*Ole West, weil er mir Strandwatschel gemalt hat
*Meinem Chef und meinen Kolleg*innen, die sich immer so mit mir freuen
*dem Creative Director von Wolfgang Joop, der so ein wertschätzendes Telefonat mit mir geführt hat
*Herbert Schmalstieg, weil er ein unfassbar toller Schirmherr ist
*Caren Cunst für die Möglichkeit in ihrer Galerie auszustellen
*meinen malenden Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kolleginnen für ihre wundervollen Beiträge
*all den Hannoveranern, die unser Hospiz durch ihre Leinwände unterstützen
*den unbekannten Menschen, die ich aus dem Bauchgefühl gefragt habe und die einfach „Ja“ gesagt haben.
*unsere Patientin, die sich darauf eingelassen hat und auch mitmacht
*Sabrina Behm für die Stille Auktion Plattform
*Tobi Wagner für seine coolen Kontakte
*Alex Pettyfer, dass er seine Toni Garrn portraitiert hat
*den prominenten und nichtpromineten Teilnehmer*innen, die uns unterstützen
*Jacky, der ehrlichsten Haut überhaupt, die mich so wundervoll ergänzt
*Martina Gilica, die uns als Moderatorin unterstützen wird
*einfach euch allen – ich bin so reich beschenkt durch EURE Teilnahme!!

Anfang September werden wir alle bis dahin eingetroffenen Bilder fotografieren (natürlich mit Edda) und eine wunderschöne Broschüre erstellen. Dann seht ihr auch endlich alle Bilder!
Dort werden auch die Zugangsdaten für die Versteigerung stehen. Nach der Saat kommt ja die Ernte und ich hoffe auf ein fulminaten Abschluss!
Die heutigen Bilder habe ich quasi ausgelost. Sie sind alle so toll, deshalb habe ich Tütchen gegriffen und das ist das Ergebnis.
Alle Bilder und alle Namen gibt es dann endlich Anfang September!
Beseelte Grüße an euch alle,

herzlich
Nici

P.S. Schaut doch mal im Veranstaltungskalender vorbei und notiert euch die Termine!

„Um Leben leben zu lernen“ – vom Ehrenamt im Hospiz Luise

Wie unser Hospiz ohne ehrenamtliche Mitarbeitende funktioniert, haben wir in den letzten Monaten schmerzlich erfahren müssen. Es ist wie ein Mobilee, an dem ein Hauptteil fehlt. Schieflage. Umso schöner, dass sich seit einiger Zeit die Auflagen entspannen und ein wichtiger Teil des Teams mit den Ehrenamtlichen wieder Einzug ins Haus hält. Unter strengen Hygienereglen.
Hilde Weeg hat mir mal das beste Frühstücksei der Welt gekocht. An so einem Morgen, wo nichts geklappt hat und alle Bemühungen manchmal nichts nützen, weil ein Patient mit dir gerade nicht weiterkommt, weiterkommen will, der Himmel weint und man sich selbst am liebsten in Embryonalstellung ins Bett rollen würde. Dann schlurfst du irgendwann auf einen Kaffee in den Wintergarten und dann kommt Hilde, lächelt, stellt dir ein frisch gekochtes Ei vor die Nase. Eine wunderbare Geste und dann lächelst du auch, startest frisch gestärkt in die nächste Runde und meist klappt dann irgendwie alles besser.
Hilde ist ein Beispiel für viele Ehreamtliche, die alle so unterschiedlich, liebevoll, witzig, speziell, überraschend und großartig sind.
Danke, dass es euch gibt!

Der Text von Hilde Weeg aus der Festschrift
„Warum machst Du das?“ Diese Frage wird im Freundes- und Bekanntenkreis häufig gestellt, wenn es umden ehrenamtlichen Dienst im Hospiz geht. Einigevon uns Ehrenamtlichen – rund 30 jüngere und ältere
Männer und Frauen – haben sie bei einer hausinternen Umfrage beantwortet. Hier ein paar Zitate aus der
Liste:

• Fühle mich wohl, wahrgenommen und aufgehoben.
• Bereicherung.
• Gebraucht werden.
• Weil es schön ist!
• Aus Dankbarkeit für mein sorgenfreies Leben.
Ich möchte etwas davon zurückgeben.
• Um Leben leben zu lernen und Widrigkeiten
in Relation zu sehen.

Einige der Antworten geben vermutlich auch Ehrenamtliche in Sportvereinen, bei der Essensausgabe der Tafel oder in der Flüchtlingshilfe. Aber die Antwort „Um Leben leben zu lernen“ trifft ganz besonders gut
das, was den Dienst in einem Hospiz von anderen Ehrenämtern unterscheidet. Leben lernen – mit und vonschwer und schwerstkranken Menschen. Und ebensoviel von den Menschen, die diese Menschen respektund liebevoll begleiten.

Es sind vor allem die kleinen Gesten, die wir als Ehrenamtliche hier erleben, die den Unterschied zur üblichen „Wurschtigkeit“ im Alltag machen. Dass eine Blume im Zimmer steht (im Sommer aus dem Hospizgarten), wenn ein neuer Gast kommt. Dass genau erfragt wird, ob das Rührei eher fest oder eher weich sein soll. Und wieviel Löffel Kakao in die warme Milch gehören. Dass Zeit ist, mal kurz Heidelbeeren oder eine
bestimmte Zahnpasta zu besorgen. Dass alle mit allem kommen können: Verbitterung, Erleichterung, Schmerz oder Hilflosigkeit.
Oder dem Wunsch nach einer Tasse Kaffee.

Wahrnehmen, was ist. Genauer hinschauen. Hinhören. Zusammen die Eichhörnchen im Garten beobachten. Manchmal am Tisch sitzen bleiben, weil das hilft. Manchmal aufstehen und Geschirr wegklappern, weil das besser ist als Stille. Wir lernen von und mit allen, die am Tisch sitzen. Wie man mit dem umgeht, was schwierig ist. Abschied, Enttäuschungen oder eine schlaflose Nacht: Wie man die großen oder kleinen Probleme ignorieren, auslachen, niederkämpfen kann. Wie man einfach weitermacht. Oder etwas ändert.

Was wir von den Pflegenden lernen: Geduld. Sich Zeit nehmen. Liebevolle Zuwendung. Eigene Befindlichkeiten ausblenden, wenn Anderes wichtiger ist. Der eigene Ärger: Peanuts. Meistens. Wir lernen sensibler zu werden, auch für uns selbst. Konflikte austragen, ohne zu verletzen. Und wenn doch etwas wehgetan hat, das miteinander zu klären. Die Schwächen und
Stärken aushalten. Fehler: erlaubt. Erfahren, dass alle einen wichtigen Anteil am Ganzen haben – vom Hausmeister über die Reinigungskräfte und die Ehrenamtlichen bis zu den Pflegekräften und den Sekretärinnen.
Von Kaffeekochen (eins der wichtigsten Ehrenamtspflichten!) bis Katheter legen. Manches dauert länger. Schlimm? Nein.

Für manche hat die Arbeit mit ihrer christlichen Überzeugung zu tun. Aber diese Einstellung ist keine Voraussetzung, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Ist das Hospiz ein idealer Ort? Nein. Aber es ist ein Ort, an
dem das Miteinander besser klappt, als an sehr vielen anderen Orten. Woran das zu sehen ist? Am Aufatmen beim Ankommen. Ruhiger werden. Am Aufklaren vieler Gesichter über die Tage. ,Ah, da ist jemand, der zuhört.‘ ‚Wie schön, hier ist es ruhig.‘ ‚Ach, hier darf gelacht werden?‘ Das Hospiz: ein Ort, in dem Menschen für Menschen da sind. Und das immer wieder üben. Weil das zum Leben gehört. Eigentlich könnten viele Orte so
sein. Noch etwas, was man hier lernen kann.

Die Aufgaben der Ehrenamtlichen im stationären Hospiz Luise:
• Die Essenszeiten in drei Schichten von 7.30h-19h
begleiten: Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen.
• Die Rolle eines Gastgebers/einer Gastgeberin einnehmen: auf Wünsche oder Bedürfnisse am Tisch eingehen. Den Esstisch auf- und abräumen.
• Auf die Türklingel reagieren und Besucherinnen empfangen. • Bei Engpässen in der Pflege bei den Patientinnen nachschauen, wenn sie klingeln.
• An- und Zugehörige betreuen, wenn sie das wünschen.
• Auf kurzfristige Bedarfe reagieren (Mahlzeiten für Patient*innen vorbereiten, die auf dem Zimmer bleiben, kleine Einkäufe erledigen, Zeit haben für ein Gespräch).
• Vorräte im Blick haben und auffüllen (Getränke, Kaffee, Servietten usw.).

Quelle: https://www.weeg-kommunikation.de/zur-person/

Hilde Weeg
Ehrenamtlich Mitarbeitende

Schritte

372932 Schritte bin ich in meinem Urlaub laut meiner schlauen Uhr am Handgelenk gegangen und gewandert. Über Asphalt, Kopfsteinpflaster, Waldwege, Wurzeln, Steine – einmal habe ich auch den Halt verloren. Mich mit beiden Händen fest an einer Kette gehalten. Den kompletten Absturz noch verhindert. Einige blaue Flecken erinnern mich jetzt an diesen Moment.

Schritte haben für uns eine große Bedeutung. Da ich das vierte Kind bin gibt es nicht gerade eine Fülle von Fotos von mir, aber eines, wo mein Bruder mich an den Händen hält und ich die ersten Schritte mache. Auch die ersten Schritte meiner Kinder haben mein Herz höher schlagen lassen, sieht man die Welt doch aus einer völlig anderen Perspektive. Was für besondere Momente.
Schritt für Schritt gehen wir unseren Lebensweg und nehmen nicht immer den erstbesten Weg. Wir laufen unter größter Anstrengung auch mal einen Berg hinauf und müssen vor dem Gipfelglück kehrtmachen. Oder wir sind auf einem komfortablen Untergrund unterwegs und merken gar nicht, dass links und rechts so viele wunderbare Alternativen sind. Wir lassen auf unserem Weg Schritt für Schritt Menschen stehen, gehen gemeinsame Strecken und entscheiden uns auch bewusst für andere Wege. Einige Wege kann man nur einmal gehen und dann ist ein Umkehren unmöglich. Überall hinterlassen wir Spuren.

Der Schritt in ein Hospiz zu gehen ist erstmal unvorstellbar für einen gesunden Menschen. Viele wissen ja auch gar nicht, was hinter den Mauern, der meist freundlich anmutenden Häuser wartet.
Aus meiner Erfahrung warten dort Menschen. Menschen, die bereit sind die letzten Schritte mit den Patient*innen und Zugehörigen zu gehen. Das sind Mitarbeitende, die vorbehaltlos und ohne Wertung den Menschen annehmen, der jetzt mit seinem Leid und seiner Geschichte kommt. Der Ruhe und Unterstüzung sucht.
Jeder Mitarbeitende hat einen individuellen Lebensweg. Deshalb gelingt uns gerade im Hospiz Luise oft auch auf „schwerem Untergrund“ eine würdevolle und gute Begleitung der Sterbenden. Unsere Unterschiedlichkeit ist ein Segen für die Patient*innen, gibt das doch die Chance ganzheitlich auf den Weg jedes Einzelnen zu blicken.
Manchmal sind wir auch müde, wenn der Weg sehr beschwerlich ist und müssen rasten. Wechseln uns ab – tragen gemeinsam.
Den letzten Schritt müssen die Patient*innen selber gehen.

Was mich immer besonders berührt sind die Rückschritte. Da ist auch viel Trauer zu spüren.
Wenn sich der Radius um das Bett immer mehr verkleinert. Die Mobilität Stück für Stück nachlässt und irgendwann der Tag kommt, an dem es von der Bettkante nur noch in den Stuhl geht. Mit viel Anstrengung für die sterbenden Menschen. Wenn ich den Patient*innen aus dem Bett helfe, dann kommen wir uns sehr nah. Keine Hauruckschlepperei auf den Stuhl, sondern eine bewusste und kraftschonende Bewegung aus der Kinästhetik reicht oftmals.
Dazu braucht es Vetrauen. Wenn ich den Menschen erkläre, was wir gleich gemeinsam machen, dann nehme ich oft das Beispiel des Tanzes. Denn in diesem Moment bewegen sich unsere Körper im Einklang und wer sich führen lässt, der wird auch ein Stück gehalten.
Die Erinnerung an vergangene Tänze zaubert einigen ein Lächeln ins Gesicht, ein Funkeln in die Augen und ehe sie sich versehen ist die Mobilisation gelungen – geht es nicht im Einklang der Bewegung, dann braucht es mehr Unterstützung.

Am Ende sind die letzten Schritte für mich spirituelle Momente. Dann gehen wir dahin, wo unsere Weltanschauung uns hinführt. Bis es soweit ist, wünsche ich Euch einen guten Weg und viele bewusste Schritte.

Herzlich Nici

Niemals geht man so ganz

Mein lieber Kollege Hansjörg hat uns Ende Juni verlassen. Wir haben uns in den letzten Monaten den Schrank geteilt -beide in Teilzeit tätig war uns das genug. Jetzt hängt da nur noch mein Schild. Von Hansjörg habe ich soviel gelernt, zu ihm aufgesehen. Ein Mensch, der seine Stärken und Schwächen kennt, zerbrechlich und liebevoll die Arbeit im Hospiz Luise geprägt hat. Unter Coronabedingungen haben wir ihn verabschiedet. Mit Tränen, Gelächter und mit roten Clownnasen oder gar wundervollen Verkleidungen. Abschied gehört zu unserer Arbeit. Jemanden aus dem Team gehen zu lassen ist irgendwie nochmal anders. Leben ist Bewegung.

Hansjörg, ich hab dich von der ersten Sekunde so gemocht und bin froh, dass wir uns auch in Zukunft über den Dächern von Hannover oder woanders wiedersehen werden. Danke für alles und vorallem für deinen wunderbaren Text, den du mir geschickt hast.

Guten Tag,
mein Name ist Hansjörg Hartmann, ich bin Krankenpfleger von Beruf und habe als solcher fast 20 Jahre im Hospiz Luise meinen Dienst getan.
Am 30.06. dieses Jahres beendete ich mein Arbeitsverhältnis, nicht weil ich in den Ruhestand gehen muss/darf, sondern weil meine „Seele eine Pause braucht“.
Meine wundervollen KollegInnen verabschiedeten mich vergangenen Dienstag auf eine für mich sehr bewegende „Corona angepasste Weise“ im Hospizgarten. Viele waren als Clowns liebevoll verkleidet. Als ich von unserem Chef durch den Wintergarten in den Hospizgarten geführt wurde, erklang vom „Hospizchor“ das Lied „Viel Glück und viel Segen“. Anschließend überreichte mir jede/ jeder Anwesende eine Blume statt mich zu umarmen, was ja nun leider nicht ging. Und aus den einzelnen Blumen wurde ein schöner Blumenstrauß. Zum Abschluß gab es dann noch Kartoffelsalat und Würstchen mit angemessenem Abstand. Über die liebevoll verpackten Geschenke freue mich jeden Tag neu, da ich nun einen „Sommer-Adventskalender“ habe.
Ja und dann fragte mich Nicole, ob sie einen Beitrag zu meinem Abschied in diesen Blog schreiben dürfte. Da dachte ich, das versuche ich doch mal selber.
Nun, meine Seele braucht eine Pause. Ich habe in diesen vielen Jahren so intensive Gefühle gelebt und begleitet. Wir haben gelacht, geweint, und Aus-Gehalten in stillem Dasein.                                                               
Ich erinnere mich aber auch an größere Aktionen. Zum Beispiel an eine Frau, die gerne nochmal in ihr Haus wollte, um sich zu verabschieden. Auf Grund ihrer Schwäche und der damit verbundenen Atemnot war dieser Ausflug mit viel Vorbereitung verbunden, aber auch möglich. Wir fuhren mit einem Transporter, in den die Patientin in einem Rollstuhl über eine Rampe geschoben werden konnte, in ihren Wohnort. Der Schwager übernahm das Fahren, mobiles Sauerstoffgerät und Notfallmedikamente waren natürlich mit dabei. Als wir an dem Haus ankamen wurde von den Nachbarn ein Gartenfest gestaltet. Trotz des Abschiedes war dieser Tag für die Patientin etwas sehr besonderes und sie war sehr dankbar.
Oder auch die Vorbereitungen für Begleitungen in ein Konzert oder in den Zoo. All diese kleinen und großen Begebenheiten sowie der Zusammenhalt und die kollegiale Unterstützung haben mir immer wieder die Kraft gegeben, mich dem Thema Tod und Sterben so lange auf sehr intensive Art und Weise zu stellen.In den letzten Jahren spürte ich, dass ich immer trauriger wurde. Ich forschte nach den Gründen, wollte aber auf keinen Fall wahr haben, daß die eigentlich für mich so „schön empfundene“ Aufgabe im Hospiz etwas damit zu tun haben könnte. Ich dachte, wenn ich ein Kraft gebendes Außen und einen guten Ausgleich hinbekomme, kann ich diese Arbeit bis zur Rente machen.

Nun, da ich eine berufliche Alternative gefunden habe, die sehr viel weniger mit dem Thema Tod zu tun hat und die mich aber ähnlich zufrieden macht, wird mir immer bewusster, daß die Beschäftigung im Hospiz für mich doch einen größeren Einfluss auf mein Gemüt hatte als ich es wahr haben wollte.

Ich bin sehr sehr dankbar für die Zeit im Hospiz Luise und nehme ganz viel für mein weiteres Leben mit. Ich wünsche meinen KollegInnen und allen anderen, die mit dem Thema Tod, Sterben und Trauer zu tun haben, dass sie gut auf sich achten und den Spagat zwischen Nähe und Distanz weiterhin gut hinbekommen.Zum Schluß noch ein Text von Claudia Klein, den mir eine ehrenamtliche Mitarbeiterin zum Abschied geschrieben hat:

Schau nach vorn,
und schau ins Licht,
vertrau darauf,
so verlierst du nie die Übersicht.
Es wird kommenwas dein Herz begehrt,
nehm es an und sei gespannt wie es sich vermehrt.

Mit diesen, wie ich finde hoffnungsvollen Worten sage ich Tschüß und alles Gute!
Hansjörg Hartmann