Kalender

Wir sitzen uns gegenüber. Konzentriert schreibt ein Patient meinen Namen in seinen Kalender. Schwester Nicole Friederichsen. Den Nachnamen buchstabiere ich. Die Namen meiner Kolleg*innen sind teilweise auch vermerkt. Da wir immer noch Masken tragen, ist dies eine Möglichkeit für die Patient*innen sich unsere Namen zu merken.

Über Ostern bin ich ein paar Tage in die Pflege gehüpft. Das war schön und erdet mich immer wieder. Solche Momente, wie in diesem Zimmer. Da ist ein wildfremder Mensch, der sich trotz seiner Krankheit für ein Gespräch erwärmen kann. Kräfte mobilisiert. Lächelt. Mit den Augen.

In dem Kalender stehen nicht mehr viele Termine. Ein angekündigter Besuch. Ein Geburtstag. Früher war der Kalender randvoll mit Terminen. Jetzt passt der leere Kalender zu der Stimmung im Zimmer. Es ist angenehm ruhig. Ich komme in diesen Tagen gerne hier rein. Nehme mir Zeit für ein Gespräch. Ein guter Tag.

Im Dienstzimmer haben wir einen Tageskalender. Alle Patient*innennamen stehen dort drin. Oder wer aus der Pflege für wen verantwortlich ist, wer Geburtstag hat, was organisatorisches zu tun ist … Unsere tägliche Lektüre, die morgens um 8 Uhr zur ersten Morgenrunde mitgenommen wird und bei keiner Übergabe fehlt.

Auf dem Flur hängt ein Abreißkalender – jeden Tag gibt es einen klugen Spruch. Manchmal nehme ich einen mit oder fotografiere ihn ab.

Du bist es wert, und zwar ohne den Hauch jeglichen Zweifels, für das geliebt zu werden, was du bist.
Also sei, wer du bist.

Lars Amend

Im Dienstzimmer hängt der Dienstplan und Wünsche für den übernächsten Dienstplan können eingetragen werden. Irgendwie wird überall sichtbar, wie die Zeit vergeht.

Dann ist es gut sich mal hinzusetzen. Einen Kaffee oder Tee zu trinken. Mit dem Ehrenamt zu plaudern, sich mit Kolleg*innen auszutauschen oder mit Zugehörigen in der Küche zu lachen. Blumen beim Wachsen zuzusehen. Den Hasen beobachten.
Wir müssen ja auch im Hier und Jetzt leben, mit dem Wunsch noch möglichst viele Seiten im analogen oder virtuellen Kalender umzublättern.

Für mich als Organisatorin von Veranstaltungen ist das natürlich nicht immer so leicht. Ich lebe oft in der Zukunft. Plane und denke. Vor allem seitdem ich weiß, dass in meinem Kalender steht, dass ich das Hospiz Luise zum 1. Oktober verlasse. Mein Mann und ich gehen für eine Zeit nach Singapur. Ich werde meinen Lieblingsarbeitsplatz mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen.

Bevor ich aber gehe freue ich mich auf die Kalendereinträge im Juni. So schöne Veranstaltungen. So viele Unterstützer*innen und eine tolle Kooperation. Schaut direkt mal im Veranstaltungsbereich vom Hospiz Luise!

Zurück ins Patientenzimmer. Eine Patientin hantiert mit ihrem Mobiltelefon. Moderner Schnickschnack, aber irgendwie doch ganz praktisch. Der Blick in den Spiegel ist betrübt. Mit den Haaren weiß sie nicht so recht etwas anzufangen. Ich frage, ob ich die Haare flechten darf. Daraus wird ein französicher Zopf und das Foto geht direkt an eine Freundin. Der Kalender für heute ist voll mit Terminen, die Frisur stimmt.
Ein guter Tag.

Wir vom Team Hospiz Luise freuen uns sehr, wenn ihr uns bei einer der Veranstaltungen treffen wollt! Oder ihr verschenkt Karten für das Konzert. Auf jeden Fall schon mal ein Kreuzchen im Kalender machen.

Herzlich aus der Luise

Nici Friederichsen

Ein Gedanke zu „Kalender

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