Auszeit

In zehn Tagen ist Heiligabend. Überall, wo ich mich gerade bewege sehe ich Menschen, die sich diesen Tag herbeisehnen. Eine Hoffnung damit verbinden, dann zur Ruhe zu kommen, eine Auszeit vom aktuellen Leben zu nehmen. Vor genau 4 Wochen bin ich mit einer Kollegin abgetaucht und habe eine Miniauszeit genommen. Mit genau dem Ziel – zur Ruhe zu kommen.

Vor einigen Wochen saß ich an meinem Schreibtisch im Hospiz Luise und habe einen Berg an Aufgaben vor mir gehabt, technische Probleme und das Gefühl nicht alles erledigen zu können. Unsere Türen sind immer offen, rechts von mir das Büro der Hospizleitung, links von mir das Büro meiner Kollegin Kerstin Patzner-Koch aus dem Ambulanten Palliativdienst.
Mein Ausruf „Ich muss hier mal weg, ins Kloster oder so“, wurde prompt gehört und so haben meine Kollegin Kerstin und ich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht Exerzitientage zu nehmen. Wir haben einen Klosteraufenthalt nahe Halberstadt gebucht und schon die Vorfreude hat mich entspannen lassen.

Das Kloster Huysburg hat uns warm empfangen. Ich bin evangelisch, glaube an Gott, aber keine klassische Kirchgängerin. Wenn bei uns in Burgwedel im November normalerweise die Frühgebete in der St. Petri Gemeinde stattfinden, dann liebe ich es in die Kirche zu gehen. Die Themen, die dort von den Jugendlichen aufbereitet werden berühren mich. Das sind Gottesdienste, in denen ich oft den Tränen nah bin. Diesmal gab es eine Hybrid-Veranstaltung. Die lege ich euch ans Herz – auch die Möglichkeit einer kleinen Auszeit.
https://www.youtube.com/watch?v=1h06uOetYWc

Auszeiten schaffen wir uns auch gerade im Hospiz. Morgens startet das schon, wenn wir unseren Team-adventskalender öffnen und gespannt sind, was uns wohl heute erwartet. Oder wenn Slavko die Feuerschale anwirft und dann gemeinschaftlich Stockbrot gemacht wird.
Wenn der Keksteig zu leckerem Spritzgebäck verarbeitet wird und die guten alten Rezepte von Patient*innen weitergegeben werden über die Luisengruppe.
Die Patient*innenzimmer verwandeln sich mit funkelnden Lichterketten und Weihnachtssternen in kleine Weihnachtsstuben und natürlich schwingt auch der Gedanke mit, dass es das letzte gemeinsame Fest sein wird. Vorhin haben wir uns in der Küche bei einem kurzen Gespräch daran erinnert, wie unsere Konny einmal an einem Patientenbett ein polnisches Lied gesungen hat. Ein kurzer Moment, aber das klang solange in mir nach, dass mich der Gedanke daran schon ruhiger atmen lässt. Gedankliche Auszeiten.

Während unserer Klosterzeit ist es mir schnell gelungen im Rhythmus des Klosteralltages mitzuschwingen. Besonders nah gingen mir die Fürbitten beim Komplet. Die wurden für alle Menschen gesprochen. Niemand wurde vergessen. Es gab ein „Wir“, kein die „Anderen“.
Die Stille, Gebet und gemeinsamer Gesang, die Natur und Spaziergänge haben mich gestärkt. Dafür bin ich dankbar, ist es doch ein Privileg solch ein Geschenk in der Arbeitszeit zu erhalten.

Die meisten Menschen haben die Möglichkeit sich ihre kleinen Auszeiten zu suchen. Dazu möchte ich gerade nach einem weiteren zehrenden Jahr ermutigen. Musik, schreiben, Gedichte oder Bücher lesen. Spaziergänge, Yoga, Atemübungen… man muss es einfach tun. In den Terminkalender eintragen und bewusst ein paar Minuten am Tag die Zeit still stehen lassen.

Ich wünsche Ihnen und Euch von Herzen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit. In den nächsten Tagen wird unser Weihnachtsbrief versendet – eine digitale Version wird dann auch auf unserer Website zu finden sein. Vielleicht die Gelegenheit für eine weitere kleine Auszeit. Einfach heute in den Kalender eintragen und nächste Woche den Brief lesen (www.hospiz-luise.de).

Herzlich Eure Nici, kommt gut ins neue Jahr

Fotos: Hospiz Luise Mitarbeiter*innen & Nici

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