Schenken

Zum Welthospiztag am 09. Oktober 2021 haben sich einige Mitarbeitende von uns auf den Weg gemacht, um in der Innenstadt von Hannover unser kleines Heftchen „Pusteblumenglück“ zu verschenken. Mit Hospiz Luise Trikots, Fahrrädern und einem Lächeln auf den Lippen haben wir vielen Menschen die Frage gestellt: „Dürfen wir Ihnen etwas schenken? Heute ist Welthospiztag und wir haben eine Geschichte vom Glück für Sie …“

Die Antworten waren tatsächlich sehr unterschiedlich. Einige huschten vorbei, einige haben es gerne genommen und andere wirkten gestresst. Andere haben sich Zeit genommen für ein Gespräch, wieder andere waren in Hochzeitsvorbereitungen. Einige Antworten auf unsere Frage möchte ich euch gerne aufschreiben:

„Nein, Danke.“
„Das ist aber toll, vielen Dank.“
„Sorry, ich habe schon Sekt getrunken und kann nichts mehr lesen.“
„Das ist aber wirklich unpassend, ich suche heute mein Brautkleid aus.“‚
„Ich darf nichts von fremden Frauen nehmen.“ (haben wir gelöst, indem der Kollege das Heft verschenkt hat)
„Sie machen eine wichtige Arbeit.“
„Damit möchte ich nichts zu tun haben.“
„Wo soll ich unterschreiben?“
„Mein Mann ist in einem Hospiz gestorben.“
„Das ist ja interessant.“

Rund um den Kröpcke war es auf jeden Fall anders als in der List – dort gab es weniger Berührungsängste mit dem Thema Tod und Sterben. Uns hat es gezeigt, dass wir weiter machen müssen mit der Öffentlichkeitsarbeit, denn sobald uns das Leben geschenkt wurde, ist klar, dass wir es am Ende wieder abgeben müssen. Nächstes Jahr zum Welthospiztag sind wir jedenfalls wieder unterwegs und freuen uns schon auf die Erfahrungen. Eine Pressemitteilung von Max Balzer (Öffentlichkeitsarbeit Kongregation der Barmherzigen Schwestern, Hildesheim) findet ihr hier.

Namen werden uns in den meisten Fällen von unseren Eltern geschenkt.
Wenn wir Patient*innen im Hospiz aufnehmen kennen wir den Namen schon, bevor der Mensch bei uns einzieht. Er hängt später an der Tür, wird vielfach notiert und brennt sich bei einigen von uns für immer ins Gedächtnis. Ich kann mich noch an einen sterbenden Patienten von vor 20 Jahren im Krankenhaus erinnern. In meinem Spätdienst Heiligabend habe ich die halbe Station geplündert, weil seine Familie ihn wegen eines Infektes nicht mehr besuchen durfte und wir sein Zimmer zumindest weihnachtlich dekorieren wollten. Manche können sich besser an das Zimmer erinnern in dem ein Patient lag, einige an das Gesicht, die Familie oder eine besondere Eigenart. Erinnerungen sind ein Geschenk.

Einen Übergang zu unserer Froschkönigin aus dem Souterrain zu finden ist wirklich nicht einfach. Ich möchte nämlich nicht den Eindruck vermitteln, dass wir das Sterben und den Tod nicht ernst nehmen. Aber uns allen wurde die Fähigkeit Gefühle zu zeigen geschenkt. Dazu gehört neben der Trauer und dem Weinen eben auch das Glück und unser Lachen. Lachen ist unser Seelenbalsam. Manchmal ein Ventil.

Wir haben die kleine Froschkönigin für den Flohmarktverkauf geschenkt bekommen. Eine Kollegin des Ambulanten PalliativDienstes konnte nicht anders, sie hat sich die Kleine selber geschenkt und inzwischen sitzt sie bei uns im Flur und hatte keine Namen. In meinem Beitrag Farben, habe ich schon mal über sie geschrieben. Namensideen haben wir uns bei Social Media vorschlagen lassen und jetzt haben wir ihn nach interner Abstimmung gefunden:


Lady Frances von Luise aus den Pontinischen Sümpfen (aus den Sümpfen kommt sie)

Schenkt euch doch auch einen Moment, der euch zum Lächeln bringt oder nehmt euch Zeit für eine schöne Erinnerung.
Wir beschäftigen uns im Hospiz Luise sehr selbstverständlich und täglich mit dem Thema Sterben und üben uns in Geduld, wenn da draussen nicht alle mit unserer Erfahrung mithalten können. Letztendlich bedeutet die Beschäftigung mit dem Tod auch die Beschäftigung mit dem Leben und deshalb schenke ich euch zum Abschluss noch einen Veranstaltungshinweis. Matthias Brodowy schenkt uns einen Abend mit Kabarett, Chansons & Posie und es gibt noch ein paar Karten. Sehen wir uns am 28.10. in Herrenhausen?

Herzlich,

Eure Nici

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