Herz (er) füllend

Wir lieben was wir tun.

Das kann ich wohl für meine Kolleg*innen und mich behaupten. Wir begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Zugehörigen auf ihrem letzten Weg. Jeder gibt in seinem Bereich das Beste dafür.

Einige Dinge passieren dann hier, ohne, dass wir das nach außen kommunizieren. Weil es schnell gehen muss, weil die Wege manchmal kurz sein müssen, weil wir es als unsere Aufgabe verstehen. Weil es zum Alltag gehört.

Einiges möchte ich heute dennoch mit euch teilen.

Wie zum Beispiel die Sache mit dem Pflegebett. Eine ambulante Begleitung. Ein schwerstkranker Mann, bei dem es mit der Genehmigung des Pflegebettes einfach nicht voran geht. Eine Kollegin aus dem Ambulanten PalliativDienst wendet sich an unseren Hospizleiter. Drei Anrufe später findet er jemanden, der unkompliziert ein Bett verleihen kann. Einen Tag später ist dieses Bett in unserem Sprinter und einige Stunden später treffen die Helfer*innen auf überglückliche Zugehörige und haben einem sterbenden Mann sehr viel Erleichterung verschafft.

Wie zum Beispiel die Sache mit den Kolleg*innen im stationären Bereich. Das letzte Jahr war anstrengend. Unsere Keller sind immer noch nicht aufgeräumt. Erschöpfung sehe ich oft in den Augen der Kolleg*innen – wir tragen ja auch immer noch Masken. Einige brauchen dringend eine Pause. Die Situation in der Pflege ist nach wie vor angespannt. Auf jede freie Stelle kommt erstmal wochenlang – nichts – , das sah vor ein paar Jahren noch anders aus.
Dennoch landen Fotos wie diese in unserer Gruppe oder bei mir. Lichtblicke.

Wie zum Beispiel die Sache mit der Terrasse. Gestern war ich wohl eine der glücklichsten Menschen in Kirchrode und umzu. Eingesprungen in den Spätdienst habe ich am Nachmittag das erlebt, was seit Monaten nicht ging. Mehrere Patient*innen saßen oder lagen auf der Terrasse, umringt von (getesteten oder vollständig geimpften) Besucher*innen in unbegrenzter Zahl und haben gegessen, gelacht, erzählt und damit die Herzen gefüllt. So viel Liebe und Leben zu sehen hat mich gestern sehr bereichert

Wie zum Beispiel die Sache mit dem Sommer (food) to go. Sonst ist das Sommerfest ja immer ein riesiges Ding mit hunderten von Menschen und sehr viel drumherum. Wir zaubern in diesem Jahr etwas Kleineres, aber dennoch Feines für Euch. Kuchen und mediterrane Speisen to go, Glücksrad und Zauberrei, einen Flohmarkt und zum Abschied ein Eis auf die Hand.
Die ohnehin eschöpften Mitarbeiter*innen backen dafür, haben Marmeladen gekocht. Troststeine bemalt und bereiten Kiloweise Salat zu. Weil uns so ein Fest Mut macht, wir uns auf die Begegnung freuen. Weil wir die Tradition lieben. Weil es Gemeinschaft schafft. Weil wir es gerne für unser Hospiz machen. Außerdem haben wir so tolle Unterstützer*innen wie unsere ehrenamtlich Mitarbeitenden, den Ladies Circle 27 oder den Round Table 197 – unbezahlbares Engagement.

Wir freuen uns also auf euren Besuch!

In diesem Job müssen wir immer aufpassen, dass unsere Herzen gut gefüllt bleiben und wir nicht alles abgeben. Meine Beispiele oben schenken uns Kraft in einer Zeit, in der uns der Pflegenotstand schon lange überholt hat. Vielleicht habt ihr ja Zeit und Lust uns am Samstag vor Ort ein Lächeln und ein Gespräch bei einem Besuch zu schenken. Gegen eine Spende haben wir natürlich auch nichts. Im Gegenzug verschenken wir ebenfalls unser Lächeln und als Zugabe noch Köstlichkeiten und Selbstgemachtes zum Mitnehmen.

Wir sehen uns am Samstag, den 17. Juli von 11 bis 16 Uhr im Hospizgarten,

herzlich Nici Friederichsen

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