Der Mai ist gekommen …

… und alles ist irgendwie noch so wie im letzten Jahr. Gerade habe ich nochmal gelesen, was ich vor gut 12 Monaten geschrieben habe. Von Müttern und Vätern heißt der Blogeintrag. 1 Minute habe ich überlegt ob ich einfach die copy und paste Tastenkombination einsetze, aber das wäre ja zu einfach. Lest vielleicht auch den anderen Beitrag und ich berichte heute wie der Mai 2021 für uns gestartet ist.

Ehrlich gesagt ist der Ist-Zustand im Hospiz Luise noch sehr ähnlich. Die Besucherregelung muss weiter mit Beschränkungen auskommen. Die Gemeinschaftsräume sind noch verwaist. Das Wetter war irgendwie auch nicht unser Freund und so war auch der Garten eher leer. Morgen, am Muttertag erwarten wir aber sommerliche Temperaturen – für einen Tag. Ein Geschenk des Himmels? Das bedeutet Besuch im Freien, Sonne spüren, Vogelgezwitscher und Freude. Das macht mich dankbar.

Einige Kolleg*innen haben mir erzählt, dass sie die gemeinsamen Mahlzeiten vermissen. Die mit den Patient*innen, aber auch die mit den Kolleg*innen. Das Ritual der Übergabe hat sich verändert. Keiner schenkt mehr Kaffee ein, dosiert die Milch und schiebt dir die Tasse mit einem Lächeln rüber. Alle sitzen mit viel Abstand in einem bestens gelüfteten Raum unter FFP2 Masken und dursten. Dursten nach dem Ende dieser verrückt langen Zeit.

Ein Aufenthalt im Hospiz bedeutet für die Zugehörigen, dass ein Platz zuhause am Tisch leer bleibt. Für immer. Bei manchen bleibt deshalb die Küche kalt. Weil ihnen die Trauer schon im Vorfeld den Magen zuschnürt, weil sie immer zu zweit gekocht haben, weil sie selber gar nicht so gut kochen können oder weil sie bei uns im Haus zu Besuch sind. Die Zeit am liebsten einfrieren würden, endlos strecken. Doch die Uhren laufen ja immer weiter und die Hospizmitarbeiter*innen stellen die Weichen für den Abschied, wenn die Familien es nicht allein schaffen. Legen kleine Trittbretter aus, damit es ein wenig Halt auf diesem Weg gibt. Nicht immer leicht.

Während also Müdigkeit, Anspannung und Erschöpfung durch unser Haus wabern ist dennoch auch unser alter Geist zu spüren. Unter den Masken wird gelächelt, es gibt auch noch Gründe laut zu lachen und Konni singt immer noch bei der Arbeit. Es gab auch wieder ein Gartenkonzert und niemand kann sich vorstellen, wie wundervoll diese Momente für uns und unsere Patient*innen sind. Wir hoffen auf weitere exclusiv-Konzerte in diesem Sommer, die uns stärken.

Mandy hat uns endlich mal wieder freudig überrascht – ihre Spezialität. Überall im Haus hingen „Geduldsfäden to go“, die wir gerne mitgenommen haben. Auch unsere Weihnachtsbudengruppe um Manuela und Anne bastelt wieder und füllt unseren Hospizshop auf. Das Leben geht irgendwie doch weiter und jedesmal, wenn meine Kolleg*innen mir Bilder zusenden weiß ich, warum ich so gerne im Hospiz Luise bin.

Auch im Souterrain (ich sage ja immer „bei den Kellerkindern“) gibt es Bewegung. Ein neuer Schulungskurs ist gestartet. 12 interessierte Männer und Frauen zeigen Engagement und machen einen Befähigungskurs, um Sterbende zu begleiten. Amely Schönthaler (Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes) und Anja Bohlen-Bruchmann (Leiterin des Ambulanten Palliativdienstes) sind vor zwei Wochen gestartet. Dieser Kurs findet sowohl analog als auch digital statt und schon im Vorfeld hatten Amely, Anja und ich viel Spaß bei unseren kleinen Onlineschulungsstunden, damit am Ende auch die richtigen Teilnehmer*innen in den Kleingruppen landen. Aber im Internet ist ja auch noch keiner verschwunden 😉

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass ich dies hier im nächsten Jahr lese und dann in die Hospizküche schlendere und mit meinen Kolleg*innen einen Kaffee trinke und wir absoluten Blödsinn reden und uns ohne Mundschutz ausschütten vor Lachen …

Habt einen schönen Sonntag mit euren Lieben – ob nah, fern oder in liebevoller Erinnerung,

herzlich
Eure Nici

Die Fotos sind von Kurt, Mandy, Amely, Manuela und mir 🙂

Ein Gedanke zu „Der Mai ist gekommen …

  1. Nach einer Woche Urlaub läßt mich das Lesen Deines Textes, neben den lieben Begrüßungen durch die Kolleg:innen, den Arbeitsstart mit einem Lächeln beginnen und das morgendliche „ich hab eigentlich gar keine Lust“ verfliegen.
    Lieben Dank und frohe Maigrüße 🙂 Kerstin

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