Seelsorge im Hospiz Luise

In unserem Haus gibt es auch eine Seelsorgegruppe. Die Gruppe setzt sich aus Mitarbeiter*innen zusammen, die im ambulanten und stationären Bereich arbeiten, oder wie Schwester Hanna aus dem Mutterhaus in Hildesheim kommen. Gemeinsam planen sie rund um das Kirchenjahr Aktivitäten; bespielsweise unseren jährlichen Gedenkgottesdienst, Impulse in der Fasten- und Adventszeit und Andachten. Sie sind Ansprechpartner*innen wenn kurzfristig eine Aussegnung stattfinden soll und auch die Wächter*innen für unser ewiges Licht. Sie wissen wann die Sternensänger*innen kommen, und dank ihnen gehen uns die Kerzen in der Kapelle niemals aus und die Krippe findet rechtzeitig ihren Platz.
Einige von Ihnen haben für den Blog über ihre Arbeit geschrieben. Vielen Dank an Volker, Maike, Elisabeth und Kerstin für die Zeilen. Darüber hinaus auch ein Dank an die Kolleg*innen, die sich auch noch in der Gruppe engagieren (Birgit, Schwester Hanna, Holger und Margarete) und allen, die schon seit Jahrzenten wunderbar gewirkt haben.

Wie die Zeit vergeht…
(Text aus der Festschrift 25 Jahre Hospiz Luise)

Nach 12 Jahren Tätigkeit als Krankenhausseelsorger im Henriettenstift und der Sophienklinik begann für mich im Januar 2014 die Ruhephase der Altersteilzeit und danach die Altersrente. Ein schöner Lebensabschnitt mit viel Zeit für Familie, die Modelleisenbahn und Schwimmen.

Dahinein kam der Anruf von Weihbischof Bongartz. „Das Hospiz Luise braucht einen Seelsorger, kannst du dir diese Aufgabe vorstellen, du hast doch jetzt Zeit.“ – Ich dachte an meine Zeit im Diakovereverbund und meine Besuche im Uhlhorn Hospiz mit vielen intensiven Begegnungen zurück. Ich konnte mir diese neue Aufgabe vorstellen und das Leitungsteam des Hospiz Luise auch.

So bin ich jetzt schon seit Sommer 2017 als Seelsorger im Hospiz tätig.

Neue Erfahrungen kamen auf mich zu. Es ist anders als früher, da wurde ich bei Bedarf ins Hospiz gerufen. Jetzt bin ich regelmäßig mehrmals die Woche im Hospiz und habe so Kontakt zu allen Bewohnerinnen und Bewohnern und vielen Angehörigen.

Dazu kommen die Begegnungen mit den hauptberuflichen und ehrenamtlich Tätigen. Bei ihnen allen spürt man, hier sind Menschen im Geiste Jesu füreinander da. Hier sind Menschen tätig, die sich bemühen, um den ihnen Anvertrauten, die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Für mich wird immer wieder deutlich: Die Zeit, die wir für die Menschen hier einsetzen, ist eine sehr wertvolle und intensive Zeit. Es gibt Gespräche über das Leben, über Hobbys und Freunde. Fragen nach dem Tod und dem, was danach kommt, die Frage, ob man angesichts des Todes noch getauft werden könne. Ja, das kann man!

Ein wichtiger Ort im Hospiz ist neben dem Wohnzimmer und dem Wintergarten unsere kleine Hauskapelle. Sie ist ein besonderer Ort, um zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen. Wenn in manchen Wochen der Gottesdienst nicht zustande kommt, weil die Menschen nicht kommen können oder mögen, so brennen doch täglich Kerzen auf dem Altar. In der Kapelle liegt das Erinnerungsbuch für die Verstorbenen. Hier brennt auch die Kerze, die anzeigt, wenn ein Mensch verstorben ist. Die Gottesdienste im kleinen Kreis sind eine besonders bereichernde Erfahrung. Gern denke ich an die Ostergottesdienste zurück. Es ist herausfordernd, Menschen angesichts des Todes die frohmachende Botschaft der Auferstehung und des neuen Lebens nach dem Tod zu verkünden. Ich empfinde es als etwas ganz Besonderes, wobei unterschiedliche Religionen oder Konfessionen in dieser Situation keine Rolle spielen.

Ich wünsche allen Mitarbeitenden im Hospiz die Kraft, dass sie auch in den nächsten 25 Jahren im Geiste des Evangeliums für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können.

Volker Golly

Seelsorger im Hospiz Luise

Aufnahmen zum Gedenkgottesdienst 2021 mit H1 Fernsehen aus Hannover

Was bedeutet mir die Mitarbeit in der Seelsorgegruppe?

In der Seelsorgegruppe werden wir uns der vinzentinischen Werte noch einmal anders bewusst, als im Alltagsstress. Natürlich treffen wir uns nicht zum Selbstzweck, sondern planen dort Vorhaben, in denen sich die Spiritualität der Vinzentinerinnen verdichtet. Mir dessen immer wieder bewusst zu werden, erfüllt mich mit Freude und Gedanken, die mir ohne diesen Impuls nicht so oft kommen. Daran teilzunehmen, und die Essenz daraus mit Mitarbeitenden, Patient*innen und Zugehörigen in Gottesdiensten, Impulsen im Advent oder in der Fastenzeit, etc.  zu teilen, ist immer wieder eine Bereicherung.

Aufrichtig und sehr persönlich möchte ich aber auch erwähnen, dass der Ursprung meiner Teilnahme im Zusammenhang mit meiner verstorbenen Freundin Pastorin Christel Eckhardt, die nach ihrer Berentung viele Jahre im Hospiz als Seelsorgerin tätig war, steht. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, ihr Anliegen und was ihr hier so wichtig war, mit zu bewahren und weiterzutragen. 

Maike Dudek    

Ein Text von Elisabeth Pätzold (inzwischen im Ruhestand)

Solange es das Hospiz Luise gibt, gibt es die „Seelsorgegruppe“. Im Laufe der Jahre hat sie sich immer wieder aus Mitarbeitern zusammengesetzt, die an unterschiedlichen Einsatzorten im Hospiz arbeiten.Von Anfang an war klar, dass Sterbende in ihrem besonderen Lebensabschnitt Ängste, Ratlosigkeit und Unsicherheiten erleben und dort Unterstützung brauchen, wo Tabletten und Infusionen nicht hilfreich sind. Es war auch von Anfang an klar, dasSeelsorge in unserem Hause „spirituelle Begleitung“ meint und über eine festgelegte Religiosität oder Kirchenzugehörigkeit hinaus geht.Existenzielle Fragen wie: Warum habe ich diese Krankheit? Wohin werde ich gehen? Wie lange wird es dauern? Wie werde ich sterben? – erwarten keine vorschnelle Antwort, sondern eine Begleitung die es ermöglicht, den Sterbenden die eigene Antwort finden zu lassen.Mal wurde die Seelsorgegruppe von theologisch ausgebildeten Mitarbeitern geleitet, zeitweise auch von Mitarbeitern, die gleichzeitig „an der Basis“ arbeiteten.Durch diesen Wechsel blieb die Seelsorgegruppe lebendig, schuf unterschiedliche Rituale und bezog auch die anderen Mitarbeiter mit ein. Z.B. gibt es zur Zeit das Ritual in der Advents- bzw. Fastenzeit 1x in der Woche für 5-7 Min inne zu halten umsich selber auf die eigenen Kraftquellen zu besinnen.So bleiben wir wachsam, nicht ungeduldig zu werden und vorschnelle Antworten zu geben. In dem Wissen, dass es keine „richtige“ oder „falsche“ Spiritualität gibt, versuchen wir einen Raum zu eröffnen in dem der Sterbende sich in all seinen verbalen und nonverbalen Äußerungen wahrgenommen fühlt.

Für die Seele sorgen

Als ich vor 8 Jahren im APD des Hospiz Luise angefangen habe, war es für mich nicht verwunderlich, daß es im Haus eine Seelsorgegruppe gab. Nicht unbedingt, weil es ein Hospiz in christlicher Trägerschaft ist, sondern vor allem deshalb, weil es dort um den Abschied von Leben, um das Sterben geht.

Das Leben am Lebensende ist ein besonderes und für jeden sterbenden Menschen anders – auch anders spirituell. Denn wir alle sind eben auch geistige Wesen und mit unserem inneren Leben auf der Suche nach dessen Sinn.                                                        

Diese Sinnfrage stellen sich viele PatientInnen im Hospiz und sie stellen sie auch den MitarbeiterInnen. Wir müssen, und meist können wir dies auch nicht, darauf keine Antworten haben, aber wir wollen sie ernst nehmen und sie beschäftigen uns manchmal über unsere Dienstzeiten hinaus weiter.                                                                                                                                              

So kann es eventuell gut sein, ein Gespräch mit dem Seelsorger des Hospizes zu vermitteln oder auch über Musik, Geschichten und gemeinsames Schweigen einen Zugang zu finden. Über diese Dinge können wir uns in der Seelsorgegruppe austauschen und wollen außerdem Ansprechpartner für alle KollegInnen sein.

Auch wenn es für uns völlig unwichtig ist, ob unsere Patienten einer Religionsgemeinschaft angehören, werden im Hospiz Luise viele Feste und Festzeiten im christlichen Jahreskreis begangen. Dabei fühlen wir uns immer besonders mit den Ordensschwestern unserer Trägerin, der Kongregation der Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Hildesheim, verbunden und feiern gern mit ihnen zusammen.                                                                                                                                               

Die Vorbereitungen für viele dieser Feste werden von der Seelsorgegruppe übernommen, die sich immer freut, wenn sich viele der KollegInnen mit einbringen. So gestalten wir am Beginn des Kirchenjahres ein „Türchen“ des lebendigen Adventskalenders in Kirchrode, es wird das Friedenslicht aus Bethlehem von den Pfadfindern gebracht und die Sternsinger besuchen uns mit ihrem Segen im Januar. Wir gestalten in der Fastenzeit einen Gedenkgottesdienst und laden beim Sommerfest mit verschiedenen Impulsen zum Innehalten ein.                                                                                                                                      

Für die Planung, die Text – und Liedersuche trifft sich die Seelsorgegruppe regelmäßig – hatte aber leider eine längere Corona-Pause. Im Oktober soll es wieder losgehen und wir wissen schon jetzt, daß sich etwas verändert hat und es wieder Bewegung in der Gruppe gibt – Elisabeth Pätzold ist im August in ihren wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Sie war seit vielen Jahren in dieser Gruppe und hat sie mit ihrer Spiritualität, ihren Themenvorschlägen und persönlichen Beiträgen sehr belebt. DANKE Elisabeth!

Da ich in meiner eigenen Religiosität und Spiritualität immer auf der Suche bin, neugierig auf die anderen Menschen und Freude an der Gestaltung von Festen und Gottesdiensten habe, bin ich gern Mitglied der Seelsorgegruppe.          
Damit wir diese lebendig halten und Veränderungen mittragen können, braucht es immer wieder auch Anregungen und Fragen aus dem gesamten Hospizteam. So hoffe und wünsche ich, dass wir weiter miteinander auf einem guten Weg bleiben, um für (auch unsere) Seelen sorgen zu können.                     

Ein Gedanke zu „Seelsorge im Hospiz Luise

  1. Juhu, da ist wieder was… danke, daß Du, liebe Nici, alles immer so stimmig mit Fotos untermalst.
    Liebe Grüße Kerstin

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