„Ich bin so froh hier zu sein“

Von meiner Kollegin Margarete bekomme ich ein paar Fotos gesendet. Sofort sehe ich, aus welchem Zimmer die sind. Bis vor ein paar Wochen war ich selbst noch als Krankenschwester bei der Patientin. Ich nenne sie mal Frau W.

Frau W. kennt meinen Blog und gibt gerne einen kleinen Einblick. In die aktuelle Gefühlslage und wie es für sie im Hospiz gerade ist.
Wenn man die Tür aufmacht, dann blickt das Auge auf viele persönliche Erinnerungen und Fotos. Dank unserer Magnetfarbe ist jetzt auch die Wand ein flexibler Bilderrahmen geworden. Mehrmals in der Woche kommt Post im Hospiz für unsere Patientin an, die dann schnell den Weg an einen schönen Platz findet.

„Wissen Sie, ich fühle mich wohl hier. Das gibt mir Sicherheit.“, erzählt mir Frau W. in unserem Gespräch. Zu wissen, dass Symptome einer schweren Erkrankung durch Medikamente und Zuwendung gelindert werden können. Zuhause wäre das für sie nicht denkbar.

Für andere wieder doch, dafür gibt es ergänzend zum stationären Angebot die ambulanten Dienste des Hospiz Luise. Der Versuch, die Begleitung möglichst passgenau dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird. Das ist der tägliche Spagat, den die Mitarbeiter*innen machen.

Als wir über zuhause sprechen wird ihr Blick weich. Es ist zu erahnen, dass auch dort schöne Dekorationen und eine angenehme Atmosphäre zu finden waren. Zuhause.  Da sind die Menschen und das soziale Umfeld, mit denen man gelebt hat. Die jetzt von „Außen“ Anteil nehmen, an dem Schicksalsschlag von Frau W.

Heiligabend hatte ich Dienst und wir haben gemeinsam am Tannenbaum gesessen. Mit der Familie und der Hospizleitung. Getestet – mit Abstand und Masken. Das war ein magisch schöner Moment. Das sind kraftvolle Begegnungen, die uns auch als Personal erfüllen.

Frau W. hat seit Beginn der Pandemie viele Krankenhausaufenthalte hinter sich gebracht, bis das Leben sie bei uns angespült hat.  Während meines Besuches in ihrem Zimmer fließen auch Tränen, dann lachen wir, Erinnerungen werden wach und ich höre zu.
„Ich bin so froh hier zu sein.“, sagt sie nochmal und lächelt.

Corona hat auch unsere Besucherfrequenz reduziert. Noch sind nicht alle geimpft, die Mutationen sorgen für Unsicherheit. Die heilige Luise hat bis jetzt ein Auge auf uns gehabt.

Heute hat es geschneit und die Kollegin im Frühdienst hat mich angesehen und gesagt, „Ich brauche doch jetzt Sonne!“
Wir sehnen uns nach einem warmen Frühling, damit alle wieder raus können. Die Leichtigkeit wieder zurückkehrt. Wir wieder Gartenkonzerte erleben und auftanken können nach diesem schon so langen Winter.

Gehen wir in das Zimmer von Frau W., dann ist da schon ein Anflug von Sommer, Urlaub und Farbenpracht. Das hilft uns zumindest auch ein bisschen – danke dafür!

Herzlich
Nici Friederichsen

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