Flurgeflüster

In einem Hospiz gibt es unterschiedliche Bereiche. Einer davon ist die Hauswirtschaft. Unser Hausmeister Slavko, Konni & Klaudia mit einer Zusatzkraft, die gemeinsam so viel mehr sind als das Wort Hauswirtschaft ausdrücken könnte.
Morgens um kurz nach 5 hört man den Schlüssel von Konni in der Haustür. Wenn ich Nachtdienst habe ist das immer ein Highlight. Der Kaffeeduft zieht schon durch das Haus und dann kommt Konni strahlend in die Küche. Immer. „Weil es ein Glück ist, dass sie gesund ist, eine Familie hat, die sie liebt“, sagt sie. Mein Gefühl zu Konni ist, dass sie voller Lebensfreude ist und wunderschöne Melodien in sich trägt, die wir immer hören können, wenn wir ihr im Alltag auf den Fluren im Hospiz begegnen.

Slavko ist unser Hausmeister. Das bedeutet in einem Hospiz auch den unmittelbaren Kontakt zu unseren Patienten. Bis zum Nachmittag gehört Slvako auch zu unseren gemeinsamen Mahlzeiten. In Zeiten von Corona sind diese sehr einsam, weil unser Wintergarten immer noch geschlossen ist, für dieses wunderbare Ritual. Das fehlt. So sieht man dieser Tage aber auch Patienten, die Slavko draussen besuchen, wo er gerade im Garten arbeitet. Zeit für ein Gespräch hat er immer. Geduldig hört er unsere Reparaturwünsche, fährt das Klavier durch das Haus, grillt für uns, erklärt uns, warum wir keinesfalls über seinen geliebten Rasen laufen dürfen… und wir sind nach jedem Urlaub von Slavko froh, wenn er wieder im Haus ist.

Klaudia ist der ruhige Pol im Team. Leise und dennoch mit viel Präsenz und Gefühl für die Situation ist sie im Haus unterwegs. Sie erkennt schon an unserer Nasenspitze, wie unser Tag ist. Sind wir angestrengt, entspannt, unruhig, gestresst, albern oder müde. Intuitiv reagiert sie mit den richtigen Gesten. Dann darf ich zum Beispiel auch noch ein paar Minuten länger im Dienstzimmer sitzen bleiben und dokumentieren, auch wenn dort eigentlich gerade gewischt werden soll. Manchmal stehen wir im 1. Stock im Türrahmen, wenn ich im stationären Bereich arbeite und dann reden wir über unsere Kinder und was uns sonst bewegt. Flurgeflüster.

Unsere Hauswirtschaftskräfte sind Teil des Teams. Lange war auch Claudia die Dritte im Team und wird momentan vertreten. Es ist besonders hier zu arbeiten, ein Ort, an dem man auch Schicksale hautnah erlebt und zwischen Nähe und Distanz balanciert.
Konni und Klaudia bekommen morgens eine Übergabe, ebenso wie das Ehrenamt. Sie wissen, was sich hinter den Türen gerade für eine Situation darstellt, ob Angehörige im Zimmer sind, wer ausschlafen möchte und wer sterbend ist. Beim Sommerfest haben sie feste Aufgaben, ebenso wie bei anderen Veranstaltungen. Wir lachen zusammen, wir tauschen Erfahrungen über schnöde Dinge, wie Intervallfasten aus. Wir trösten einander, wenn wir traurig sind. Wir sind ein Team.

Einmal hat es bei uns im Haus Alarm geklingelt. Ich war gerade in Zimmer 7, meine Patientin in der Waschecke. Vor der Tür war Konni, ich bin raus und habe ihr nur zugerufen, ob sie ein Auge haben kann. Das hatte sie, die Patientin war wohlbehütet, als ich zurückkam. Da sind keine Berühungsängste. Slavko weiß am Mittagstisch genau, was die Patient*innen mögen und ist immer hilfsbereit. Klaudia hört genau hin, wenn die Patient*innen schon früh morgens auf sie einreden, und merkt genau, wann sie uns rufen muss.
Wir sind ein Team.
Ich bin voller Bewunderung für meine Kolleg*innen aus der Hauswirtschaft, dass sie an diesem Ort in einer liebevollen Selbstverständlichkeit für uns da sind.
Danke dafür,

herzlich
Eure Nici

3 Gedanken zu „Flurgeflüster

  1. Liebe Nici, es ist so schön wie Du von diesen besonderen Menschen und ihrer wertvollen Arbeit schreibst. Ich liebe meine Arbeit an diesem Ort auch deshalb, weil jeder Dienst – egal wie klein oder eher unsichtbar – als wichtig anerkannt wird und Teil des großen Puzzle Hospiz Luise ist.
    Deinem Danke schließe ich mich gerne an – herzlich Kerstin

  2. In Zeiten von Corona nennen wir diese Menschen „systemrelevant“, aber dieser Begriff lässt nicht annähernd ihren wirklichen Wert erkennen! Jeder von EUCH bedeutet ganz viel Herzenswärme, Menschlichkeit, Empathie, Umsicht, Hilfsbereitschaft und noch ganz viel andere tolle Eigenschaften mehr. Ich als Ehrenamtlicher im Luise vermisse die Begegnungen mit Euch allen sehr 🙂

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