Ver-rückt

Unbekümmert und eifrig haben sich heute Morgen zwei Amseln auf meinem Spaziergang bemerkbar gemacht. Der Frühling hält Einzug. Dort wo mir sonst morgens viele Menschen begegnen war es einsam. Blauer Himmel, Sonnenschein. Das erste Grün in den Bäumen, rosa Blüten.

Auf diesen Spaziergängen entstehen oft Ideen für meine Tätigkeit als Fundraiserin. Heute habe ich nur gedacht. Verrückt. Alles ist tatsächlich ver-rückt. Jeden Tag gibt es neue Nachrichten, verrückte Reaktionen der Angst und Panikmache. Als Krankenschwester gehe ich normal arbeiten. In ein paar Tagen sind es nur noch bestimmte Berufsgruppen, die arbeiten gehen werden.

Meine Mama war letztes Jahr sehr krank und wir haben gestern telefoniert. Die Isolation zuhause steckt sie noch ganz gut weg. Bei unserem Telefonat saß sie in der Sonne auf dem Balkon. Fast erwartet man in diesen Zeiten, dass die Welt aufhört sich zu drehen, die Sonne aufhört zu scheinen. Die Natur bleibt unbeeindruckt. Es ist jetzt an uns, das Beste aus der Situation zu machen. Für viele geht es um Existenzen. Ich vertraue auf die Politik, die Unterstützungen schon zugesagt hat.
Wir selber könnten auch etwas tun. Kleinigkeiten. Zeichen setzen. Mein to do Liste sieht folgendermaßen aus:

-Gutscheine meiner Lieblingsrestaurants einkaufen ( danke für den Tipp Anne🙃)
-Musik und Hörspiele von Lieblingskünstler*innen runterladen
-Jeden Tag einen lieben Menschen anrufen
-meine Nachbarn fragen, ob ich etwas für sie besorgen kann
-mein Arbeitszimmer fertig aufräumen (optional)
-jede Woche ein Buch lesen
-spielen
-jeden Tag Sport machen (ab morgen sicher)
-versuchen dennoch eine Veranstaltung stattfinden zu lassen – womöglich als Livestream
-weiter motiviert ins Hospiz zu gehen und meinen Humor behalten
…..was steht auf deiner Liste?

Keine Konzerte mehr besuchen, die Lieblingsreise absagen, Freunde nicht mehr treffen. So ist es für Menschen, die eine schwere Erkrankung haben und dann vielleicht zu uns kommen. Nur, dass in diesem Fall alle um sie herum weitermachen. Jetzt sitzen wir alle im selben Boot.
Unsere Patienten dürfen noch Besuch von engsten Familienangehörigen bekommen. Sitzen in der Sonne, genießen das selbstgekochte Essen aus dem Vinzenzkrankenhaus. Wir haben auch noch Klopapier. Frühstückseier (danke an Inga) und jeden Nachmittag Kuchen. Der Verkehr wird weniger. Dafür füllt sich der Garten. An windgeschützten Plätzen wird Cappuccino getrunken, gelacht und Zeit miteinander verbracht.
Ver-rückt.
Ich bin zuversichtlich, dass wir das durchstehen. Die Meisten von uns haben das so noch nicht erlebt. Wir müssen besonnen bleiben. Schwer erkrankte Menschen mögen Hilfe in den Krankenhäusern bekommen, weil die Panikmacher ruhig bleiben.

Foto Thomas Rodriguez


Matthias Brodowy und ich planen für den 23.03. ein kleines Konzert. An diesem Tag war ohnehin ein Wohnzimmerkonzert bei mir geplant. Mein Geburtstagsgeschenk. Zugunsten des Hospiz Luise wollte ich meine Gäste um eine Spende bitten. Das muss ich jetzt absagen. Wie eigentlich alle meine Veranstaltungen.
Aber als Livestream ist es vielleicht jetzt doch möglich. Wir arbeiten daran. Wenn alles klappt, dann informieren wir euch. Unterstützt werden wir von Grünes Zimmer. Alles mit viel Abstand, aber etwas fürs Herz muss sein in diesen Zeiten!

Passt auf euch auf, in diesen besonderen Tagen und habt einander lieb, seid respektvoll, habt Vertrauen und Zuversicht.

Eva Terhorst

Herzlich Eure Nici

P.S. Gestern hat uns eine Angehörige Schokolade geschenkt und eine Karte dazu geschrieben. Das Gedicht auf der Karte ist so wunderschön, dass muss ich euch zum Abschluss noch weitergeben.

Begegne dem, was auf Dich zukommt nicht mit Angst.,
sondern mit Hoffnung.

Franz von Sales

Elisabeth Wächter

Ein Gedanke zu „Ver-rückt

  1. Ach Nici, ich liebe Deine Einträge… Dann sitze ich hier im Keller am Schreibtisch, lächle vor mich hin und mir wird warm im Herzen – DANKE dafür!
    Herzlich Kerstin

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