hoffnungsvoll & seelenschwer

Ein Ausstellungsname, der mir vor drei Jahren in den Kopf geflogen kam und mich seitdem eng begleitet. Neben meiner hauptamtlichen Tätigkeit im Hospiz Luise bin ich ehrenamtlich geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Bundesverband Trauerbegleitung. Für diesen Verband bin ich von Samstag bis Mittwochnacht unterwegs gewesen. Auf der alljährlichen Jahrestagung im Hans-Lilje-Haus in Hannover haben wir ein buntes Programm gehabt, und ebenso bunt war der Austausch und die Diskussionen über Qualität in der Trauerarbeit. Ein Vortrag in der Marktkirche mit Prof. Dr. Luise Reddemann hat die Tagung abgerundet.

Im Hospiz ist Trauer auch ein großes Thema. Seelenschwer. Manchmal fließt die Trauer wie ein grauer Nebel durch das ganze Haus und wird immer wieder unterbrochen durch kleine Sonnenstrahlen. Ich bin froh gut ausgebildet zu sein, das ermöglicht mir Trittsteine für die Trauer zu legen. Behutsam zu erzählen, was guttun könnte. Sich zum Beispiel Zeit zu nehmen. Am Bett. Auch wenn der geliebte Mensch schon verstorben ist. Begreifen. Durch Berührung. Das ist schwer für viele. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich erlebe, dass Menschen über sich hinauswachsen. Aushalten. Dann spüre ich die Liebe und all die anderen Gefühle und muss auch gut auf mich achten. Als Krankenschwester darf ich nicht im Nebel untergehen. Betroffen sein und dennoch professionell agieren. Manchmal ein Drahtseilakt, aber ich ja auch einen Schirm dabei. Der steht für mein Team. Wie viel Tod verträgt das Team? Dazu wurde sogar schon geforscht.

Gestern dann nach Düsseldorf. Eine Einladung zur Eröffnung meines Ausstellungsprojektes. Es war schön, dass eine Teilnehmerin des Projektes, Bettina Attenberger, mit mir aufgebaut hat. Sonnenschein, Gelächter, das Team des stationären Hospizes und Koordinatorinnen des ambulanten Hospizdienstes haben uns unterstützt. Hoffnungsvoll. In der schönen Heilig Geist Kapelle entstand unter unseren Händen die ganz eigene Zusammenstellung des katholischen Netzwerkes für Palliativ- und Hospizarbeit Düsseldorf. Da wurden so viele wunderschöne Details aus dem stationären Hospiz und von zuhause mit eingebracht. Für den einen war die gerade Ausrichtung der Rahmen wichtig, andere haben bunte Lichter als Akzente gesetzt und wieder andere haben die Exponate liebevoll in der Kapelle untergebracht. Danke an Herrn Pfeiffer für die wunderbare und perfekte Organisation. Ich freue mich, dass ich Anita, Ulla, Dirk und Herrn Conrads an meiner Seite hatte. Was für eine wunderbare Begegnung mit euch!
Abends dann noch meine Kollegin Walburga Schnock-Störmer an meiner Seite, es gab wunderschöne Musik und einen eindrucksvollen Tänzer. Es waren viele Interessierte vor Ort, ein gelungener Auftakt.

Die Teilnehmenden der Ausstellung haben über Trauer geforscht, geliebte Menschen verewigt. Haben durch ihr Ausstellungstück ihre Verbindung mit dem Verstorbenen sichtbar gemacht. Trauer ins Leben integrieren, ein großes Thema. Einige Exponate sind auch von Kolleg*innen aus meinem Hospiz. Das erfüllt mich beim Aufbau jedesmal mit Dankbarkeit. Britta, Mandy und Maike haben wie alle anderen Teilnehmer*innen ein Stück ihrer Trauer oder ihres Lebens preisgegeben. Danke euch allen dafür!
Das macht die Ausstellung so individuell, so bunt, so überraschend, so traurig, so informativ, eben so hoffnungsvoll & seelenschwer. Genau wie das Leben. Genau wie die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen.

Abends habe ich mich spontan entschieden noch nach Hause zu fahren. Knapp 300 km, auch wenn ich so viele reizende Alternativübernachtungsmöglichkeiten angeboten kam (von Sofa bis zum Hospizgästebett). Ich war nach den Begegnungen der letzten Tage wie ein volles Gefäß und bin hellwach gewesen.
Das wünsche ich jedem von euch. Begegnungen und Momente der Achtsamkeit, die euch auffüllen. Mit Glück, Liebe, Freude und Leben.

Herzlich,
Eure Nici

P.S. Natürlich kann man die Ausstellung auch ausleihen! Das solltet ihr sogar, es lohnt sich wirklich 🙂
Fotos: Bettina Attenberger, Walburga Schnock-Störmer und ich 🙂

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