Gemeinsam auf dem Weg

Die wenigsten Menschen sind ganz allein, wenn sie in das Hospiz kommen. Es gibt Partner, Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen. Dabei ist die Anzahl dieser Menschen und die Intensität der Beziehung sehr unterschiedlich. Auch die Herkunft und die Vorstellung vom Lebensende. Einiges wird im Angesicht des bevorstehenden Todes auch nochmal anders beleuchtet.

Ich habe einen Kurs zur Sterbebegleiterin gemacht, als ich noch als Koordinatorin in einem ambulanten Hospizdienst gearbeitet habe. An einem Wochenende haben wir eine geführte Meditation gemacht, in der wir uns mit unserem eigenen Sterben auseinandergesetzt haben. Das ist lange her, aber ich erinnere mich noch wie wenig beunruhigend ich das fand. Ich war überrascht, wen ich mir zu dem Zeitpunkt meines Lebens in den „letzten“ Stunden an mein Bett gewünscht habe.

Bei uns haben die Patienten es selbst in der Hand, wer sie begleitet. Dürfen Besucher*innen wieder fortschicken, herwünschen und ihre Meinung ändern. Manchmal ist das alles sehr klar, manchmal reißen alte Wunden auf und können auch nicht immer vollständig heilen. Dafür ist das Leben gedacht, nicht der Tod. Leicht gesagt.
Bei uns haben die Patienten es auch selbst in der Hand, welche spirituelle Begleitung erfolgt. Als katholisches Haus achten wir die Wünsche unabhängig vom Glauben jedes Einzelnen. Jeder Mensch ist einzigartig. Außerdem blicken wir über den Tellerrand und verstehen uns nicht als Insel. Das war uns auch bei unserem Jubiläum wichtig. Neben unserer Hauptaufgabe, der Begleitung von Patienten und Zugehörigen, haben wir auch die Aufgabe über unsere Arbeit in der Öffentlichkeit zu berichten und Spenden zu sammeln. Doch mit wem könnten wir gehen, haben wir uns gefragt?

Gemeinsam sind wir im Hospiz auf dem Weg, um im Sinne unserer Namensgeberin Luise von Marillac Bedürftigen zu helfen. Auf diesem Weg, mit Blick über den Tellerrand, haben wir in unserem Jubiläumsjahr auch Asphalt getroffen. Meine Kollegin Kerstin Patzner-Koch aus dem Ambulanten Palliativdienst hatte die Idee an einem Freitag, den 13. mit Asphalt eine Veranstaltung zu planen. Seit 25 Jahren unterstützen unsere beiden Institutionen Menschen, die in Not geraten sind. Sei es durch eine unheilbare Erkrankung oder durch den Verlust von Hab und Gut. Unsere gemeinsam geplanten Veranstaltungen haben wir jetzt verschoben – die Rahmenbedingungen haben uns schweren Herzens zu diesem Entschluss gebracht. Wenn wir neue Termine haben, melden wir uns umgehend wieder zu Wort!

Am selben Wochenende möchen wir auch einen thematischen Gottesdienst in der Markuskirche mit Superintendentin Bärbel Wallrath-Peter und Pastor Bertram Sauppe feiern. Dazu laden wir alle Interessierten am 15. März um 10:30 Uhr ein!

Manchmal beobachte ich ganz bewusst Menschen. Lese die kleinen Zeichen der Fürsorge und der Liebe. Darunter sind auch Menschen, die nicht vorhaben mit irgendwem gemeinsame Sache zu machen, da ist keine Fürsorge und Liebe. Diese Menschen, die nur ihre eigenen hasserfüllten Ziele vor Augen haben. Die Einzigartigkeit nicht anerkennen und unsere Gesellschaft spalten wollen. Das ist nicht Thema dieses Blogs denkt man, aber im entfernten Sinne schon. Unser Haus macht die Tür auf. Für Menschen. Für alle Menschen. Unabhängig von Herkunft und Religion. Wertfrei.
Denn am Ende wird unser Leben mit dem Tod enden und dann ist es an uns wie wir dem begegnen, was dann kommt. Besser wir lieben und leben zu Lebzeiten in Achtung vor dem Anderen, zeigen Haltung, Toleranz und gehen gemeinsam.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit und freue mich auf die Begegnungen in den nächsten Wochen.
Herzlich,
Eure Nici

2 Gedanken zu „Gemeinsam auf dem Weg

  1. Nici, es ist wie immer schön, etwas von Dir zu lesen. Danke für all Deine Beiträge und natürlich auch die der anderen Schreiber… Die vielen Blickwinkel auf die Arbeit und das Leben im Hospiz sind wie ein Prisma und brechen im Betrachten in vielen Farben auf. Gern bleibe ich weiter neugierig auf diese Farben und möchte nie auf dem rechten blind werden!
    Liebe Grüße Kerstin

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