Das Hospiz-Mobile ist stetig in Bewegung

Heute gibt es einen Bericht der Pflegedienstleitung Maike Dudek, der auch in der Festschrift zu lesen ist.

Den PDL-Stab übergab mir mein Vorgänger Guido Cremer im Jahr 2012. Zuvor war ich schon als Krankenschwester einige Jahre im Hospiz Luise tätig.
Mit Freude und Motivation übernahm ich ein Team, das schon lange und beständig miteinander arbeitete. Größtenteils Pioniere, die mit Werten und Prinzipien der Hospizarbeit angetreten waren, für die sie leidenschaftlich brannten.
Immer neue Herausforderungen auf den verschiedensten Ebenen mussten im Laufe der vielen Jahre gemeinsam gemeistert werden; nicht nur hausinterne, sondern auch solche, deren Entstehung in der deutschen Gesundheitspolitik und Bürokratie zu suchen sind. Das hat auch die Arbeit im Hospiz Luise an der einen oder anderen Stelle geprägt. Darüber hinaus war die Hospizarbeit im Hospiz Luise aus den Kinderschuhen gewachsen. Zunehmende Professionalisierung und Differenzierung der Aufgaben machten auch vor dem Team nicht halt. Die unausgesprochene Parole „Jeder macht alles“ aus den Anfangsjahren wich zunehmend Zuschreibungen zu einzelnen Personen im Haus. Das brachte für die einen im Team Befreiung, für andere sicher auch ein Stück Umdenken und schmerzliches Loslassen von Traditionen. Das inzwischen umfassende und wichtige Thema Qualitätsmanagement macht dieses an vielen Stellen bis heute hin sichtbar.

Gütesiegel – Maike Dudek und Susanne Dörfler (Mitte)

Eine ganz andere und besondere Erfahrung der letzten 15 Jahre war für alle die Zeit der Auslagerung in die Berta- Klinik von 2011-2012. Aus dem gemütlichen Kirchrode im Grünen ging es mitten in das Zentrum von Hannover in ein Klinikgebäude. Hier war die große Kreativität und Kompromissbereitschaft aller Mitarbeitenden gefragt, was zum Gelingen beitrug. Aus- und Einzug waren für das gesamte Team, sowie für
Patient*innen und Zugehörige natürlich eine Belastung, die aber bald neben der großen Freude, wieder „zuhause“ zu sein, vergessen war. Das Hospiz erstrahlte nach seiner Sanierung in neuen Farben und Formen, die die Mitarbeitenden in vielen Bereichen maßgeblich mitbestimmen konnten. Das hat sicherlich die Verbundenheit mit dem Haus für sie noch mehr intensiviert.

Umzug in die Bertaklinik

Trotz der geringen Fluktuation im Personalbereich gab es auch seit 2005 immer wieder Veränderungen, zumeist aufgrund des biologischen Werdegangs – sprich Rentenalter – des einen oder anderen. Einige Pioniere der ersten Stunden verließen das Hospiz- Mobile. Aber auch veränderte Lebenspläne einzelner führten zu Neubesetzungen im Kreis der Mitarbeitenden in allen Professionen, wie z.B. meine Position als Pflegedienstleitung. Durch Weggang und Ankunft neuer Mitarbeitenden geriet das Personal-Mobile immer wieder in Schwingung, mit mehr oder weniger Ausschlägen, weil die Teilchen im Rhythmus miteinander geschwungen sind, sich verbunden haben, oder sich auch mal verheddert haben. Nach jeder unruhigen Schwingungsphase pendelte sich das Mobile wieder in ruhige Bewegungen ein, die immer auch eine stetige Weiterentwicklung in allen Bereichen ermöglichten.

Aber von allen Veränderungen ist das oberste Ziel – die letzte Lebensphase und das Sterben – von Patient*innen so würdevoll wie möglich und mit Lebensqualität zu gestalten, unberührt geblieben. Dafür braucht es neben Fachwissen, Einfühlungsvermögen auch Kreativität. Sich einzufühlen und hinzuhören: was können wir – neben medizinischer und pflegerischer Versorgung – noch tun? Einen Konzertbesuch zu Elton John begleiten, einen letzten Ausflug in die eigene Wohnung professionsübergreifend unterstützen oder einen Überraschungsauftritt einer Tanzgruppe zum Geburtstag einer Patientin, die selbst lange getanzt hat, organisieren. Und das hat sich in 25 Jahren auch nicht verändert: der leidenschaftliche Wille, einen letzten Herzenswunsch zu ermöglichen!

Das zeigt, dass der Kern unserer Arbeit im Hospiz von den kleinen und mittleren Stürmen, die das Team im Hospiz Luise in den letzte Jahren erlebt hat, unberührt geblieben ist. Diese Erkenntnis ist tröstlich, und macht Mut für die Zukunft!
Maike Dudek Pflegedienstleitung

Maike Dudek

Fotos: Hospiz Luise, Pixabay und ich

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