Tanken

In den letzten Tagen  war ich unterwegs. Ein Weihnachtsgeschenk für meinen Mann bestimmte den ersten Tag. Wir waren im Pfefferbergtheater in Berlin und ich habe das erste Mal Katharina Thalbach und Sandra Quadflieg live erleben dürfen. Wer von Euch mal zwei Stunden abtauchen möchte und den Briefen zweier Frauen lauschen, der sollte das Hörspiel „Im Vertrauen“ hören. So wunderschön, bewegend und mit feinem Humor und dabei tiefsinnig und mit Geschichte gespickt. Absolut empfehlenswert.IMG_20200122_073725_343

Am Tag danach stand ein Interview beim Trauerradio von Eva Terhorst auf dem Programm. Ich durfte über meine Hospizarbeit erzählen, über meine Projekte, den Blog und auch den Bundesverband Trauerbegleitung. Das war ziemlich neu und aufregend für mich. Nachhören könnt ihr das Interview hier. Es war toll Eva mal persönlich kennezulernen, bisher kannte ich nur ihre Bücher. Was für ein Multitalent lebt dort in Berlin.


Auf dem Rückweg zum Hotel bin ich dann auch noch bei lebensnah Bestattungen vorbeigerauscht – Eric Wrede war zwar nicht da, aber seine beiden Herzdamen haben mich wunderbar empfangen und es war toll, auch mal das Team zu sehen.

Tag 3 war dann der eigentliche Grund meiner Reise. Der 4. Tag der Opferhilfe in Berlin. Für den Vorstand des Bundesverband Trauerbegleitungwar ich mit meiner Kollegin Eva Kersting-Rader dort. Was für eine beeindruckende Veranstaltung und wie viele Menschen waren dort, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen einsetzen. Dann einsetzen, wenn es zu Gewalt kommt, zu terroristischen Anschlägen, oder die bei Verkehrsunfällen einen kühlen Kopf bewahren. Es lohnt sich auf der Website in dieses Thema einzutauchen!

Dann wieder im Hospiz. Öffentlichkeitsarbeit für das Hospiz. Meine neue zusätzliche Aufgabe. Veranstaltungen bearbeiten, Rücksprache mit dem Chef halten, Ideen entwickeln, Mails schreiben. Wenn ich dann durch das Haus gehe sehe ich die Kolleg*innen im Haus rumhuschen, im Dienstzimmer telefonieren. Irgendwo lacht jemand. Die Kerze brennt. Ich schaue auf dem Plan, wer verstorben ist. Halte inne, atme durch.
Bevor ich dann Mittags gehe habe ich noch ein Gespräch mit einer Angehörigen, die ich treffe. Kurzer Bericht für mich, wie es ihrem Mann geht. Nochmal die Tasche abstellen, mit in das Zimmer gehen. Besuch ist da. Tränen fließen, wie reden, wir lachen. Ich verabschiede mich still. Das mache ich immer. Ich bin nicht immer da. Das ist mein Ritual.
Soviel zu hören aus den unterschiedlichsten Bereichen. Das bereichert mich.
Soviel Leben, soviele Krafttankstellen auf meinem Weg. Die wünsche ich euch auch – man muss ja nicht immer volltanken, aber vergessen darf man es auch nicht. Hört mal in euch, was euch gut tut und dann einfach machen. Nur Mut!

Herzlich Eure Nici
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Foto Timm von Borstel & Nici

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