Nachtdienst

Die stationäre Arbeit von Hospizeinrichtungen wird in den Rahmenvereinbarung nach § 39a Abs. 1 Satz 4 SGB V geregelt. Dort steht wie viele Betten ein Haus haben darf, wer dort arbeiten sollte, was für Ausbildungen diese Menschen benötigen, die Finanzierung ist dort verankert und auch die Aufnahmekriterien. Es handelt sich um Menschen, die u.a. an einer Erkrankung leiden, die progredient verläuft, bei der eine Heilung ausgeschlossen ist und eine Lebenserwartung von Tagen, Wochen oder Monaten zu erwarten ist. Oft sind das onkologische Erkrankungen. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass nicht jeder Mensch, nur weil er stirbt, einen Anspruch auf einen Hospizplatz hat.
Ich war vorher in einem ambulanten Dienst tätig und habe erlebt, wie Menschen zuhause versterben konnten. Oder bis es gar nicht mehr ging dort blieben und dann nochmal in eine stationäre Einrichtung verlegt wurden. Ich bin froh, dass wir ein so großartiges und flächendeckendes ambulantes und stationäres Netz an Hilfe gespannt haben und die Versorgung zuhause, in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sensibler und immer besser wird. Dennoch ist es auch eine gesellschaftliche Aufgabe Tod und Sterben nicht ausschließlich in Institutionen zu verbannen, sondern wir alle sind aufgerufen unsere Grundhaltung zu überdenken und diesen Themen mehr Raum in unserem Leben zu geben.beaded-1630493_1280.jpg

Aber zurück zum Nachtdienst. In den Rahmenvereinbarungen ist seit 2018 geregelt, dass wir zu zweit Wachen. Vorher waren wir alleine mit einer Rufbereitschaft. Natürlich stellt sich direkt die Frage, warum man denn für 8 Patienten gleich zwei voll ausgebildete Fachkräfte braucht. Gute Frage.
Unsere Patienten benötigen in ihrer letzten Lebensphase oft ein hohes Maß an pflegerischer Versorgung. Ein Symptom wie Erbrechen oder Schmerz bedarf viel Begleitung und Zeit. Lagerungen sind zu zwei weitaus schonender für die Patienten (und unsere Rücken) und manchmal kommt in der Nacht eben auch die Angst, oder eine delirante Phase und dann ist es gut zu zweit zu sein.
Das ermöglicht uns auch mal in einem Zimmer zu bleiben. Ruhe zu verströmen, eine Fußeinreibung zu machen oder eine nächtliche Suppe anzureichen.
Wir reden mit schlaflosen Angehörigen oder sind in einer ruhigen Nacht auch mal nur dabei Schränke zu sortieren, uns auszutauschen, oder schon für die Weihnachtsbude zu basteln. Andere legen auch gerne mal 5 min die Füße hoch, denn auch das ist Realität. Die Belastung des Schichtdienstes trifft einige meiner Kolleg*innen.IMG-20191103-WA0006

In den Fensterbänken leuchten LED Kerzen und mitten in der Nacht essen wir zusammen, was wir mitgebracht haben oder schauen, was der Kühlschrank so hergibt. In der Arbeitsgruppe „Zwei für eine Nacht“ haben wir gemeinsam festgelegt, was der Nachtdienst alles für Aufgaben übernehmen kann, ohne die Nachtruhe zu stören. Wir waschen die Dienstkleidung und Patientenwäsche, machen Bestellungen fertig, füllen auf und bereiten vor. Wenn unsere Kollegin Konny von der Hauswirtschaft Dienst hat, dann zieht schon um 5 Uhr der Kaffeeduft durch das Haus. Meine Lieblingsstunde, denn ich weiß, ich darf gleich in mein Bett.

In meiner allerersten Nachtschicht 2015 hat mich Anne eingearbeitet. Eine Patientin wollte unbedingt sitzen, war eigentlich zu schwach und so haben wir mich mit in das „Sitznest“ gebaut und ich bin bei ihr geblieben. Lange habe ich da gesessen, ein altes Kinderlied gesummt und gemerkt, wie das Leben neben mir langsam zu Ende ging. Das war so friedlich und ich kann mich erinnern, dass ich mich gefragt habe, wie ich so einer Situation allein begegnen würde. Das muss ich jetzt nicht mehr und kann genau wie in dieser Nacht einfach da sein.

Herzlich

Eure Nici

BVT (19)

P.S. Schaut mal in den Pressebereich, dort habe ich auch die Festschrift für euch eingestellt! Was für eine tolle Arbeit hat da in erster Linie Ute Reimann gemacht!

Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich

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