Bist du mutig?

Wie ich vor fünf Jahren im Hospiz Luise ankam

Vor ziemlich genau fünf Jahren habe ich das erste Mal in der Brakestraße 2d in Hannover vor der Tür gestanden und geklingelt. Das Herz schlug mir bis zum Hals.
Seit 10 Jahren hatte ich nicht mehr in einer stationären Einrichtung gearbeitet und mich nun kurzfristig entschieden ein Praktikum in einem Hospiz zu machen. Es sollte nicht irgendein Hospiz sein. Es sollte die Luise in Hannover werden. Der Ruf eilte dem Haus voraus.
Als Koordinatorin für ambulante Hospizdienste war ich schon 4 Jahre in der Hospiz- und Palliativarbeit tätig. Doch da war diese Sehnsucht in mir, wieder zurückzukehren. Zu meinen Wurzeln. Zu dem, was ich mal gelernt hatte und was bis heute noch meinem Traumberuf entspricht.

Der Summer ging. Ein paar Stufen nach oben gehen und dann stand da eine Krankenschwester. Kopf leicht schräg, die Beine schon wieder auf dem Weg ins Patientenzimmer, forscher Blick und eine Frage, nachdem ich mich als neue Praktikantin für die nächste Woche vorgestellt hatte: „Bist du mutig?“
„Keine Ahnung“, war meine Antwort und keine 2 Minuten später stand ich auch schon im Zimmer von Herrn F., ein ALS Patient im Rollstuhl. Weitere 3 Minuten später stand ich vor ihm, habe ihn nach klaren und freundlichen Anweisungen der Kollegin in spe gehalten und wir haben ihn zurück ins Bett gelegt. Was für ein verrückter Einstieg.

Nach einer Woche Praktikum habe ich meinen Job als Koordinatorin gekündigt. Ich wollte in diesem Haus arbeiten. Nach ein paar Monaten hat es dann geklappt und ich bin in das Team gekommen.
Ein buntes Team, einzigartig, speziell, gefühlte hundert Jahre Erfahrung in der Versorgung von Sterbenden und ihren Zugehörigen. Ein bisschen wie auf einem Schiff ist es manchmal. Jeder hat seine Position, seine Aufgaben, es gibt hier und da auch mal eine Meuterei. Wenn es stürmisch wird, dann versuchen wir uns zu halten. Am Schiff, oder aneinander. Gemeinsam räumen wir danach auf und wenn einer seekrank wird, dann hält ihm jemand die Hand. Wir sind manchmal rau, humorvoll, gefühlvoll, neugierig, behutsam, weich, überrascht und demütig. Wir lieben das Leben. Im Hospiz leben unsere Patienten bis zu ihrem Tod. Leben bis zuletzt, nicht nur eine Floskel.

Ermutigen wir uns mehr durch unser Beispiel als durch unsere Worte
Luise von Marillac

Jetzt brauche ich Eure Hilfe. Ich werde ein Jahr lang über unsere Arbeit bloggen, Interviews führen, Veranstaltungen organisieren und Spenden sammeln.
Mein Spendenziel sind 25.000 Euro – zum 25. Geburtstag des Hospiz Luise in Hannover.

Was ich alleine nicht schaffe, das Schaffen wir dann zusammen!

Ich zähle auf Euch!

Eure Nici Friederichsen

 

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