Einblicke in das Hospiz Luise

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25 Jahre Hospiz Luise in Hannover

Seit fünf Jahren arbeite ich im Hospiz Luise in Hannover. Als Krankenschwester in Teilzeit. Jetzt wird unser Hospiz 25 Jahre alt und ist damit das älteste Hospiz seiner Art in Niedersachsen. Deshalb werde ich einen Blog schreiben. Über das Leben und das Sterben, über unsere Arbeit und bestimmt auch mal über die Trauer. Dabei versuche ich möglichst viele Spenden für unsere Arbeit zu sammeln.
Ich freu mich drauf in der Zeit vom 01. November 2019 bis zum 31. Oktober 2020 für euch zu bloggen!

Eure Nici Friederichsen

Nachtdienst

Die stationäre Arbeit von Hospizeinrichtungen wird in den Rahmenvereinbarung nach § 39a Abs. 1 Satz 4 SGB V geregelt. Dort steht wie viele Betten ein Haus haben darf, wer dort arbeiten sollte, was für Ausbildungen diese Menschen benötigen, die Finanzierung ist dort verankert und auch die Aufnahmekriterien. Es handelt sich um Menschen, die u.a. an einer Erkrankung leiden, die progredient verläuft, bei der eine Heilung ausgeschlossen ist und eine Lebenserwartung von Tagen, Wochen oder Monaten zu erwarten ist. Oft sind das onkologische Erkrankungen. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass nicht jeder Mensch, nur weil er stirbt, einen Anspruch auf einen Hospizplatz hat.
Ich war vorher in einem ambulanten Dienst tätig und habe erlebt, wie Menschen zuhause versterben konnten. Oder bis es gar nicht mehr ging dort blieben und dann nochmal in eine stationäre Einrichtung verlegt wurden. Ich bin froh, dass wir ein so großartiges und flächendeckendes ambulantes und stationäres Netz an Hilfe gespannt haben und die Versorgung zuhause, in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern sensibler und immer besser wird. Dennoch ist es auch eine gesellschaftliche Aufgabe Tod und Sterben nicht ausschließlich in Institutionen zu verbannen, sondern wir alle sind aufgerufen unsere Grundhaltung zu überdenken und diesen Themen mehr Raum in unserem Leben zu geben.beaded-1630493_1280.jpg

Aber zurück zum Nachtdienst. In den Rahmenvereinbarungen ist seit 2018 geregelt, dass wir zu zweit Wachen. Vorher waren wir alleine mit einer Rufbereitschaft. Natürlich stellt sich direkt die Frage, warum man denn für 8 Patienten gleich zwei voll ausgebildete Fachkräfte braucht. Gute Frage.
Unsere Patienten benötigen in ihrer letzten Lebensphase oft ein hohes Maß an pflegerischer Versorgung. Ein Symptom wie Erbrechen oder Schmerz bedarf viel Begleitung und Zeit. Lagerungen sind zu zwei weitaus schonender für die Patienten (und unsere Rücken) und manchmal kommt in der Nacht eben auch die Angst, oder eine delirante Phase und dann ist es gut zu zweit zu sein.
Das ermöglicht uns auch mal in einem Zimmer zu bleiben. Ruhe zu verströmen, eine Fußeinreibung zu machen oder eine nächtliche Suppe anzureichen.
Wir reden mit schlaflosen Angehörigen oder sind in einer ruhigen Nacht auch mal nur dabei Schränke zu sortieren, uns auszutauschen, oder schon für die Weihnachtsbude zu basteln. Andere legen auch gerne mal 5 min die Füße hoch, denn auch das ist Realität. Die Belastung des Schichtdienstes trifft einige meiner Kolleg*innen.IMG-20191103-WA0006

In den Fensterbänken leuchten LED Kerzen und mitten in der Nacht essen wir zusammen, was wir mitgebracht haben oder schauen, was der Kühlschrank so hergibt. In der Arbeitsgruppe „Zwei für eine Nacht“ haben wir gemeinsam festgelegt, was der Nachtdienst alles für Aufgaben übernehmen kann, ohne die Nachtruhe zu stören. Wir waschen die Dienstkleidung und Patientenwäsche, machen Bestellungen fertig, füllen auf und bereiten vor. Wenn unsere Kollegin Konny von der Hauswirtschaft Dienst hat, dann zieht schon um 5 Uhr der Kaffeeduft durch das Haus. Meine Lieblingsstunde, denn ich weiß, ich darf gleich in mein Bett.

In meiner allerersten Nachtschicht 2015 hat mich Anne eingearbeitet. Eine Patientin wollte unbedingt sitzen, war eigentlich zu schwach und so haben wir mich mit in das „Sitznest“ gebaut und ich bin bei ihr geblieben. Lange habe ich da gesessen, ein altes Kinderlied gesummt und gemerkt, wie das Leben neben mir langsam zu Ende ging. Das war so friedlich und ich kann mich erinnern, dass ich mich gefragt habe, wie ich so einer Situation allein begegnen würde. Das muss ich jetzt nicht mehr und kann genau wie in dieser Nacht einfach da sein.

Herzlich

Eure Nici

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P.S. Schaut mal in den Pressebereich, dort habe ich auch die Festschrift für euch eingestellt! Was für eine tolle Arbeit hat da in erster Linie Ute Reimann gemacht!

Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich

Weihnachtsbude

Einmal im Jahr herrscht bei uns im Hospiz Ausnahmezustand. Schon Ende Oktober ist es kaum noch möglich unsere Kreativgarage zu betreten. Kiste, an Kiste finden sich dort zum Bespiel Sterne, bemalte Steine, Gläser mit den leckersten Marmeladen, Schmuck, Selbstgestricktes und ab Mitte November auch Kekse. Ein wechselndes Team von inzwischen 3 Kolleginnen aus dem stationären Bereich hat alles unter Kontrolle und blickt auf insgesamt mehr als 10 Jahre Erfahrung zurück. Angefangen hat vor 11 Jahren Kurt Bliefernicht mit einem kleinen Team. Verkauft wurden Fröbelsterne, Kekse und selbstgemachte Socken. Diese drei Dinge sind auch heute noch der Renner.

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Anne, Manuela, und seit diesem Jahr auch Mandy, sind schon in den letzten Tagen in der Hochphase, ab morgen eng begleitet von unserer Hospizleitung Kurt Bliefernicht und seinem Auf- und Abbauteam. Seit Wochen hängt in der Küche der Dienstplan für die Haupt- und Ehrenamtlich Mitarbeitenden, die dann in der Weihnachtsbude von 11 – 21 Uhr stehen und für den guten Zweck alles verkaufen, ins Gespräch kommen und sich über bekannte Gesichter freuen.

Auch ich habe heute Kontakt mit meinen Kolleginnen gehabt. Sie haben mir Bilder geschickt, aber in der Hauptsache wurde heute sortiert, ausgezeichnet und umverpackt, damit morgen alles gut auf der Lister Meile ankommt.
Manche Kisten waren richtige Überraschungen, denn uns bringen inzwischen mehr als 40 fleißige Wichtel etwas ins Haus. Unfassbar! Gerne hätte ich an dieser Stelle auch ein Foto der drei Heldinnen mit Strickmützen gezeigt, aber das wurde leider nicht genehmigt 😉 Wer sie sehen möchte, der muss einfach in den nächsten 3 Tagen zur Kirchenbude auf der Lister Meile kommen. Täglich von 11-17 Uhr! Am Sonntag um 12 Uhr singt sogar der Markuschor vor unserer Bude!

Ich habe in diesem Jahr auch mal gebastelt. Korken-Schlüsselanhänger, Minitannenbaumgirlanden (habe ich schon gesagt, dass ich wirklich ungerne handarbeite und bastel) und meine Favoriten – Ministaffeleien mit 12 Fotos zum Austauschen, je nach Lust und Laune. Dazu noch Klappkarten. Die Motive haben wir in unserer kleinen Postkartengruppe zusammengesucht. Jeder wie er kann. Ja, und Mango-Chili-Chutney aus dem von Sigrid Bruch geliehenen Thermomix habe ich auch gekocht.

Am Ende hoffen wir einfach auf eine große Menge an Menschen, die Freude hat etwas bei uns einzukaufen, mit uns ins Gespräch kommen und die wir ein wenig in Adventsstimmung zaubern möchten.
Unser Hospiz verwandelt sich dieser Tage, auch Dank unserer Dekorationsbeauftragen Susanne, in eine große Adventlandschaft. Kerzen sind uns aus Sicherheitsgründen nicht mehr uneingeschränkt erlaubt und so funkeln jetzt eben LED Lampen um die Wette.

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In den Zimmern hängen schon die ersten Adventskalender und auch die Gewissheit, dass es wohl das letzte Fest ist, dass die Patienten mit ihren Zugehörigen verbringen. Das auszusprechen ist hart. Einmal war ich dabei, als ein Paar darüber gesprochen hat. Kein bitterer Beigeschmack, Akzeptanz, tiefe Seufzer und ein langer Blick. Das gelingt nicht allen so gut. Weihnachten, Fest der Liebe, der Familie…wie schnell wird in der Erinnerung daraus ein Fest der Trauer, das war die Zeit als mir mein Liebster genommen wurde. Im Trauercafé hören wir immer wieder, dass es so schwer ist jetzt alles zu schmücken. Die Kraft fehlt, die Lust. Wofür?
Manchmal kehrt die Freude auch langsam wieder zurück. Wird vorsichtig um den leeren Platz ein virtueller Zweig gelegt, eine Kerze angezündet und ein Wunsch in den Himmel geschickt. Aber das kann dauern. Sich verändern. Alles ist dann richtig, solange es den Trauernden gut tut.

Wem eigentlich nicht so nach einem Weihnachtsmarktbesuch ist, der kann trotzdem zu uns kommen. Sich in die Ecke der Bude setzen, einen Kinderpunsch oder Glühwein trinken. Sich ein Lächeln oder Lachen abholen, oder um ein Ohr bitten. Was immer es braucht – wir sind da!

Bis dahin,

herzlich Nici

P.S. DELLA hat uns wunderschöne Beutel zum Jubiläum gestaltet, die gibt es auch im Büdchen!
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Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich 🙂

Spätdienst

Der Dienst beginnt um 13:30 Uhr mit einer stillen Übergabe. 20min lesen meine Kollegin und ich uns durch die Dokumentation. Wir können aus den Aufzeichnungen erkennen ob unsere Patienten Schmerzen oder Übelkeit hatten, wir bekommen Auskunft darüber ob am Vormittag jemand geduscht hat, wo er gefrühstückt hat oder ob wichtiger Besuch da war. Zwischen den Zeilen können wir auch lesen, ob es ein ruhiger oder turbulenter Vormittag war.

Manchmal spürt man das schon nach dem Aufschließen der Tür. Dann liegt etwas in der Luft. Ist Anspannung zu spüren, so als ob die Emotionen kurz vor dem Überkochen sind. Dann liegen manchmal auch alle Patientenakten noch wild auf dem Tisch im Dienstzimmer, es klingelt, die Kolleg*innen vom Frühdienst sind alle in den Zimmern oder fliegen über die Flure.

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Heute ist es relativ still, wir nehmen das von unserer Ehrenamtlichen vorbereitete Kaffeetablett und unsere Lektüre mit nach oben, und teilen uns direkt ein, damit jeder erstmal nur 4 Akten durchblättert. Als Teilzeitkraft passiert es mir manchmal, dass ich lange nicht im stationären Bereich eingesetzt bin und auch die Diagnosen, das Familiensystem und den Verlauf zügig erfassen muss. Auch das ist heute anders, denn ich habe schon ein paar Tage Dienst. Bald kommen die Kolleg*innen dazu und wir hören uns eine Übergabe an, die sich auf wesentliche Punkte beschränkt. Wir fragen manchmal nach, wir atmen auch mal tief durch. Acht Patienten, acht Schicksale, achtmal Zugehörige. Da muss jeder für sich aufpassen, dass er bei sich bleibt und den Fokus nicht verliert. Begleitung am Lebensende ist nicht immer so verklärt, wie es in Filmen dargestellt wird. Begleitung am Lebensende ist auch nicht immer schwer. Manchmal auch gar nicht friedlich. Manchmal plötzlich und still.
Trotz einer durchschnittlichen Liegezeit von 21 Tagen haben wir manchmal alle zusammen noch eine richtig gute Zeit. Ein bisschen also wie im richtigen Leben. Auf und ab, mal links, mal rechts. Der eine mag es steinig, andere könnten über Scherben laufen und dem Dritten muss man jedes Mal behutsam aus dem selbst erschaffenen Labyrinth helfen.
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Um 14:30 Uhr sind wir nur noch zu zweit. Das Ehrenamt und der Frühdienst sind weg. Wir hangeln uns an den Routinen durch den Nachmittag, sehen nach unseren Patienten. Es gibt Kaffee und Kuchen im Wintergarten oder im Bett. Für die Terrasse ist es schon zu kalt, zu nass. Nur die rauchenden Patienten finden noch den Weg raus. Unsere Eichhörnchen im Garten können wir aber auch durch die großen Fensterfronten beobachten. Der Garten ist wunderschön angelegt, liebevoll gestaltet und gepflegt durch eine Ehrenamtliche und ihren Mann, was für ein wundervoller Einsatz.

Es ist manchmal anstrengend am Nachmittag. Die Küche versorgen wir mit, wenn kein Ehrenamt da ist. Müssen wir aber auch in den Zimmern Speisen anreichen, ist es schwieriger das Abendessen zu begleiten. Es braucht also eine gute Absprache, Geduld und Flexibilität. Wenn es ruhig scheint, dann gibt es auch manchmal Überraschungen.

Meine Patientin in Zimmer 1 wird bald sterben. Den ganzen Sommer war sie bei uns, eine lange Begleitung. Wir kommen gut klar, ich kann ihre klaren Anweisungen und die irgendwie liebevoll, schroffe Art gut aushalten. Angst vor dem Ende ist bei ihr ein großes Thema. Atemnot. Wer wird wohl bei ihr sein. Angehörige gibt es nur wenige, keine Kinder. Wir bereiten uns mit ihr darauf vor, reden, zeigen Möglichkeiten auf und versuchen ruhig zu bleiben, wenn sie am unruhigsten ist. Keiner hat eine Glaskugel und kann voraussehen was kommt.

Auf ihrem Balkon stehen Geranien. Ich bin eine bekennende Geranienhasserin. Im Schutz des Balkons sind sie vor dem ersten Frost verschon geblieben. Da ich sehr ehrlich bin erzähle ich ihr im Gespräch, dass ich diese Blumen eigentlich grauenhaft finde, aber die mit den pinken Blüten gefällt mir doch irgendwie. Die einzig mögliche Konsequenz war das Erbe dieser Geranie. Verunsichert frage ich, wie ich das Ding über den Winter kriegen soll. „Schwester Nicole, ich will das die beim nächsten Sommerfest vor meinem Balkon steht. Das ist dann, als ob ich dabei bin. Fragen Sie Ihre Mutter, wenn Sie keine Ahnung haben!“ Dieses Erbe habe ich angetreten.
Eine Erinnerung an einen Spätdienst, der schon zurückliegt. Ja, ich habe einen Winter lang geschwitzt und gehofft. Am Ende hat dieses Pflänzchen mich nicht enttäuscht und hat geblüht. Diese Patientin werde ich niemals vergessen können. Das ist auch ein Teil der Arbeit. Erinnerungen weben sich in unsere Köpfe, manchem von uns auch ins Herz. Das ist nicht immer leicht.
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Heute mache ich bestimmt 10.000 Schritte. In Zimmer 7 klingelt es im Minutentakt, die Patientin hat viele Wünsche. Die wenigsten kann ich erfüllen. Meine anderen Patienten kommen etwas zu kurz, Geduld ist gefordert und einmal bitte ich meine Kollegin zur Klingel zu gehen. Ich brauche eine Pause. Es wird heute später, meine Dokumentation schreibe ich nach der Übergabe fertig, alles was liegengeblieben ist wird der Nachtdienst richten. Irgendwann wird auch die Patientin in der 7 schlafen, jemand anders dafür in der Nacht wach liegen.

Die Nachtluft ist klar. Ich atme tief durch. Mein Kopf brummt, ich habe nicht eingetragen, dass der Patient in der 3 morgen Lymphdrainage bekommt. Ich rufe aus dem Auto nochmal an. Dann ist Stille in meinem Auto, in meinem Kopf. Feierabend für heute.

Bis bald

herzlich Nici

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Fotos: Mandy Grune, Pixabay und ich

Tue Gutes und rede darüber!

Kaum war mein Blog 15 Tage jung, habe ich schon die ersten Spenden annehmen dürfen!

Die erste Aktion war die absolut einzigartige Idee von Sven Friedrich Cordes einen Sarg zugunsten des Hospiz Luise zu versteigern. Gestaltet von Mansha Friedrich und Gästen hat das schöne Stück ein Jahr lang in der Galerie gestanden, bevor er am 02. November für 500 Euro seinen Besitzer wechselte und jetzt eine Weinbar wird. In der Galerie metavier hatten meine Kollegin Manuela und ich jedenfalls einen richtig tollen Abend. Danke, lieber Sven für diese großartige Idee!
Spendenertrag: 500 Euro Versteigerungserlös plus 50,50 Euro in meinem Schweinchen

30 Jahre Mauerfall – Party mit Spendenschweinchen

Meine Kollegin Kerstin, die bei unserem Ambulanten PalliativDienst arbeitet hat auch gleich ein Schweinchen bestellt und es mit zu einer besonderen Feier genommen. Neben Lagerfeuer und einem köstlichen Essen haben die Freunde von Kerstin 30 Jahre Mauerfall gewürdigt und nebenbei unser Schweinchen liebevoll gefüttert. Danke dafür!!
Spendenertrag: 200 Euro und viele weitere Ideen, wo das Schwein noch Gast sein kann

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Hannoverscher Carnevals Club sammelt beim Tiergartenfest

Beim Tiergartenfest konnte für 0,50 Cent das Glücksrad gedreht werden und viele Kinder erhielten ein wunderschön geschminktes Gesicht. Möglich machten das die Mitglieder des HCC. Der Erlös war für das Hospiz Luise bestimmt. Was für ein toller Einsatz! Die Übergabe fand im Leonardo Hotel Hannover am Tiergarten statt und ich danke Dirk Knappert und seinen Mitarbeitenden für den netten Rahmen der Scheckübergabe. Merci an den HCC!
Spendenübergabe von 535,72 Euro plus 30 Euro spontan Spende

Das macht nach Adam Ries schon eine Summe von 1316,22 Euro!!!

Ein weiteres Schweinchen durfte ich diese Woche nach Burgdorf in die Haarschneyderei von Nicole Lang bringen. Dort wird es jetzt in der Hannoversche Neustadt 14 für uns sammeln. Herzlichen Dank auch dafür!

Jetzt seid Ihr dran! Ich suche noch weitere Geburtstagskinder, Partymäuse, Hochzeitspaare, Geldverschenker und Schweinehüter! Unterstützt mich bei meinem Ziel 25.000 Euro für das Hospiz Luise in Hannover zu sammeln. Ich freue mich über Eure Mail an mailto:25jahrehospizluise@gmx.de. Gerne bringe ich Euch die Schweinchen und berichte auch über Euch, Euer Geschäft oder wo auch immer Ihr sammeln möchtet…Weihnachtsfeiern sind doch auch eine gute Möglichkeit 😉

Tue Gutes und rede darüber, ich kann es gar nicht oft genug schreiben. Danke an alle, die mit mir unterwegs sind, sein werden und über die ich berichten darf.

Herzliche Grüße

Eure Nici

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Fotos: Leonardo Hotel und ich

Frühdienst

Um diese Jahreszeit ist es noch dunkel, wenn um 6:30 Uhr der Frühdienst beginnt. Manchmal komme ich zum Dienst und gehe als erstes die Stufen zu unserem Flur rauf und schaue ob die Kerze in der Kapelle brennt. Die zünden wir immer an, wenn ein Mensch in unserem Haus verstorben ist.

Heute ist die Kerze aus, und ich stiefel wieder runter in den Umkleideraum. Wir tragen bunte Oberteile. T-Shirts, Blusen oder bunte Kasaks. Wie Farbkleckse auf einer Staffelei sind auch wir sehr verschieden, nicht nur bei der Auswahl unserer Lieblingsfarben. Heute habe ich mit zwei Kolleginnen Dienst. Morgens versuchen wir immer zu dritt zu sein, der Spät- und Nachtdienst arbeitet zu zweit. Oft werden wir durch ehrenamtlich Mitarbeitende ergänzt, die uns bei den Mahlzeiten, beim Empfang von Besucher*innen und anderen Tätigkeiten im Ablauf unterstützen. An schweren Tagen gibt mir das immer eine Leichtigkeit, weil es ein Geschenk ist noch jemanden im Hintergrund zu wissen, der helfen kann.

Unsere Kapelle

Übergabe Nummer 1. Wie war der Tag gestern, wie war die Nacht. Wer ist noch zu Gast im Haus, gibt es spezielle Aufträge oder Wünsche an den Frühdienst. Wir arbeiten sehr individuell, teilen ein wer welchen Patienten an diesem Vormittag betreut. Vorzugsweise bleiben wir bei denen die wir schon kennen. Vertrauen ist wichtig. Die Patienten kommen oft mit einer hohen Symptomlast zu uns, haben teilweise viel erlebt und durchgemacht und müssen an dieser letzten Station ankommen. Jeder in seinem Tempo, von uns Schritt für Schritt begleitet. Mal vor und mal zurück.

Ich betreue drei Patienten an diesem Vormittag. Das klingt wenig. Betrachtet man aber die pflegerischen und psychosozialen Anforderungen von sterbenden Menschen und ihren Zugehörigen, dann kann es manchmal sogar sein, dass ich bis zur Mittagsübergabe gar nicht alles geschafft habe, was ich mir mit den Patienten vornehme.

Die Strukturen bei uns sind fein geknüpft und haben einen Rahmen, der auch Ausnahmen zulässt und sehr flexibel ist. Alle Mitarbeitenden, vom Ehrenamtlichen bis zur Hauswirtschaft, erhalten eine Übergabe, werden beim Stehtisch informiert oder finden Wichtiges im Infobuch vermerkt. So kann jeder seinen Vormittag zwar individuell gestalten, und dennoch finden wir immer wieder im Herz des Hauses, unserem Wintergarten, zusammen.

Unser Wintergarten


Meine Patienten können nicht mehr alle an gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen, eine Frau ist sterbend. Der Ehemann ist im Haus. Ihretwegen habe ich direkt geschaut ob die Kerze brennt. Ich begegne ihrem Ehemann im Treppenhaus, ein stiller Blick. Er wartet, wir warten. Aushalten ist ein großes Thema.
Im Zimmer ist eine schöne Stimmung. Eine Duftlampe verbreitet einen angenehmen Geruch. Zwei Betten nebeneinander, in einem liegt meine Patientin. Hier kann ich heute nur in kleinen Schritten pflegen. Eine Ganzwaschung, wäre viel zu belastend.

Bei den anderen beiden gilt es Schmerzen zu stillen, nonverbal zu kommunizieren und auch andere Stimmungen und Gerüche zu erleben. Jedes Zimmer ist einzigartig, so wie die Menschen, die jetzt darin leben.
Ich pendel zwischen meinen Patienten und wasche, kleide an, verteile Medikamente, führe Gespräche, bereite das Frühstück, scherze, dokumentiere, telefoniere, mache Verbände, berate mich mit meinen Kolleg*innen und sitze mit Patienten, Zugehörigen, unserem Hausmeister und dem Mittagsdienst um Punkt 12 Uhr im Wintergarten zum gemeinsamen Mittagessen. Das gelingt mir nicht immer, aber heute gibt es Eier in Senfsauce und in mir regen sich Kindheitserinnerungen. Wie auch bei den Gästen am Tisch. Für mich ist das immer ein Ort zum Kraftschöpfen.

Nach dem Essen noch eine Runde durch alle Zimmer. Lagerung, Teilwaschung, ein Dinkelkissen -was immer gerade nötig ist und dann kommt um 13:30 Uhr schon die nächste Schicht. Die gemeinsame Übergabe wird begleitet von Kaffeeduft, Keksen und dem Austausch zwischen uns. Wer hat vielleicht eine gute Idee für Zimmer 4, damit der Verband dort gut hält, was für Schmerzen sind das eigentlich in der 8, vielleicht helfen da gar keine Medikamente, sondern es braucht andere Unterstützung. Dann noch die Frage, wer in den nächsten zwei Wochen unsere Frühstückseier besorgt, da die „Eierbeauftragte“ im Urlaub ist. Dann umziehen und meinen rituellen Weg um das Haus zu meinem Auto gehen. Schweres dalassen, abschalten. Das gelingt nicht immer, denn als ich später mit meinem Hund unterwegs bin, frage ich mich, ob die Kerze morgen früh wohl brennt….

Meine Arbeit ist teilweise bestimmt durch viele Vorgaben, Routinen und Abläufe. Dennoch habe ich noch nie eine so individuelle, überraschende, erfüllende und berührende Tätigkeit ausgeführt, wie in der Luise. Auch wenn ich nur eine Teilzeit-Luise bin, bestimmt diese Arbeit in vielfacher Hinsicht mein Leben positiv.

Herzlich und bis bald
Eure Nici

Fotos: Hospiz Luise und ich

Auftakt

1994 – 2019 Hospiz Luise – Dankgottesdienst und Empfang

Nach über einem Jahr Vorbereitungen hat gestern die erste Veranstaltung stattgefunden. Ein Dankgottesdienst mit anschließendem Empfang in der schönen St. Joseph Kirche und dem dazugehörigen Forum.

Schon bei der Begrüßung der Gäste durch Hospizleiter Kurt Bliefernicht und Generaloberin Schwester M. Teresa war Wiedersehensfreude, Aufregung und Dankbarkeit zu spüren. Dankbarkeit für 25 Jahre Hospiz Luise.
Vorbereitet durch die Seelsorgegruppe unseres Hauses konnten wir einen berührenden und kraftspendenden Gottesdienst unter der Leitung von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ feiern.
Wenn eine große Gemeinde gemeinsam singt, betet oder der Musik lauscht, dann erleben wir Gemeinschaft. Wenn eine Gruppe von 89 Mitarbeitenden aus dem Haupt- und Ehrenamt Menschen in den letzten Tagen und Wochen ihres Lebens begleitet, dann gelingt das auch nur in Gemeinschaft. So wie in der Luise.

Im Forum gab es dann ein Gläschen mit Sekt oder Saft in die Hand und ein paar Ohnmachtshappen standen bereit, denn alle Ehrengäste hatten ein Grußwort vorbereitet. In der Planung war mir persönlich schon etwas mulmig bei der Länge von 5 Beiträgen und Kurt Bliefernichts Abschluss und Übergang. Aber es hat sich alles gefügt und die Gäste hörten kurzweilige, erheiternde, nachdenkliche und wohltuende Beiträge. Dafür bin ich so dankbar. Diese 25 Jahre sind so voll von Geschichten, beginnend in der ungewissen Pionierzeit bis heute. Voll des Lebens muss man sagen, und gestern auch mit dem notwendigen Humor und Leichtigkeit vorgetragen – neben dem Schweren in unserer Arbeit braucht es auch diesen Anteil.

Unser Schirmherr Ministerpräsident Stephan Weil musste sich leider entschuldigen, aber dafür gab es Grußworte der Sozialministerin Frau Dr. Carola Reimann, Frau Dagmar Vogt-Janssen (Leiterin des Fachbereiches Senioren der Stadt), Herrn Gert Klaus (Vorsitzender vom Hospiz und Palliativverband Niedersachsen), Herrn Ulrich Domdey (Vorsitzender des Landesstützpunktes Hospizarbeit und Palliativ Versorgung in Niedersachsen) und von der allerersten Hospizleitung Frau Felicitas Hanne.

Der Ausklang der Veranstaltung mit alten Bildern, wunderbarem Fingerfood und Begegnung war wunderbar. Die Festschrift, die Ute Reimann erstellt hat, wurde an die Gäste ausgegeben. Unser Jubiläumsbeutel mit einem Motiv von DELLA konnte endlich erworben werden und es war Zeit für Gespräche, Umarmungen, weitere Glückwünsche, Schulterklopfen und auch ein wenig Stolz. Stolz auf das, was andere da geschaffen haben vor 25 Jahren. Gegen alle Widerstände aus einer Vision von Felicitas Hanne.
„Einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen im Sterben, sanft in Gottes Hände fallen“. Nach dem Gedicht „Die Blätter fallen“ von Rainer Maria Rilke. Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr.

Einen Fernsehtipp gebe ich an dieser Stelle noch gerne ab. Demnächst könnt ihr einen kleinen Film vom NDR bei „Hallo Niedersachsen“ sehen. Frau von Lucke hat uns besucht und wir sind schon sehr gespannt! Hier gibt es schon einen Vorgeschmack.
Die nächste Veranstaltung ist der Weihnachtsmarkt auf der Lister Meile – dort verkaufen wir selbstgemachte Weihnachtsgeschenke zugunsten des Hospizes.

Herzliche Grüße

Eure Nici

Blogbeiträge

Hier findet ihr die Beiträge zu unserer Arbeit, Geschichten und aktuelle Berichte zu den Veranstaltungen. Es wird mal bunt, mal leise und sicher abwechslungsreich. So wie unsere Arbeit.

Ermutigen wir uns gegenseitig mehr durch unser Beispiel als durch unsere Worte

Luise von Marillac

Bist du mutig?

Wie ich vor fünf Jahren im Hospiz Luise ankam

Vor ziemlich genau fünf Jahren habe ich das erste Mal in der Brakestraße 2d in Hannover vor der Tür gestanden und geklingelt. Das Herz schlug mir bis zum Hals.
Seit 10 Jahren hatte ich nicht mehr in einer stationären Einrichtung gearbeitet und mich nun kurzfristig entschieden ein Praktikum in einem Hospiz zu machen. Es sollte nicht irgendein Hospiz sein. Es sollte die Luise in Hannover werden. Der Ruf eilte dem Haus voraus.
Als Koordinatorin für ambulante Hospizdienste war ich schon 4 Jahre in der Hospiz- und Palliativarbeit tätig. Doch da war diese Sehnsucht in mir, wieder zurückzukehren. Zu meinen Wurzeln. Zu dem, was ich mal gelernt hatte und was bis heute noch meinem Traumberuf entspricht.

Der Summer ging. Ein paar Stufen nach oben gehen und dann stand da eine Krankenschwester. Kopf leicht schräg, die Beine schon wieder auf dem Weg ins Patientenzimmer, forscher Blick und eine Frage, nachdem ich mich als neue Praktikantin für die nächste Woche vorgestellt hatte: „Bist du mutig?“
„Keine Ahnung“, war meine Antwort und keine 2 Minuten später stand ich auch schon im Zimmer von Herrn F., ein ALS Patient im Rollstuhl. Weitere 3 Minuten später stand ich vor ihm, habe ihn nach klaren und freundlichen Anweisungen der Kollegin in spe gehalten und wir haben ihn zurück ins Bett gelegt. Was für ein verrückter Einstieg.

Nach einer Woche Praktikum habe ich meinen Job als Koordinatorin gekündigt. Ich wollte in diesem Haus arbeiten. Nach ein paar Monaten hat es dann geklappt und ich bin in das Team gekommen.
Ein buntes Team, einzigartig, speziell, gefühlte hundert Jahre Erfahrung in der Versorgung von Sterbenden und ihren Zugehörigen. Ein bisschen wie auf einem Schiff ist es manchmal. Jeder hat seine Position, seine Aufgaben, es gibt hier und da auch mal eine Meuterei. Wenn es stürmisch wird, dann versuchen wir uns zu halten. Am Schiff, oder aneinander. Gemeinsam räumen wir danach auf und wenn einer seekrank wird, dann hält ihm jemand die Hand. Wir sind manchmal rau, humorvoll, gefühlvoll, neugierig, behutsam, weich, überrascht und demütig. Wir lieben das Leben. Im Hospiz leben unsere Patienten bis zu ihrem Tod. Leben bis zuletzt, nicht nur eine Floskel.

Ermutigen wir uns mehr durch unser Beispiel als durch unsere Worte
Luise von Marillac

Jetzt brauche ich Eure Hilfe. Ich werde ein Jahr lang über unsere Arbeit bloggen, Interviews führen, Veranstaltungen organisieren und Spenden sammeln.
Mein Spendenziel sind 25.000 Euro – zum 25. Geburtstag des Hospiz Luise in Hannover.

Was ich alleine nicht schaffe, das Schaffen wir dann zusammen!

Ich zähle auf Euch!

Eure Nici Friederichsen