Einblicke in das Hospiz Luise

Seit fünf Jahren arbeite ich im Hospiz Luise in Hannover. Als Krankenschwester in Teilzeit. Jetzt wird unser Hospiz 25 Jahre alt und ist damit das älteste Hospiz seiner Art in Niedersachsen. Deshalb werde ich ehrenamtlich einen Blog schreiben. Über das Leben und das Sterben, über unsere Arbeit und bestimmt auch mal über die Trauer. Dabei versuche ich möglichst viele Spenden für unsere Arbeit zu sammeln.
Ich freu mich drauf in der Zeit vom 01. November 2019 bis zum 31. Oktober 2020 für euch zu bloggen!

Benefizaktion: Minileinwände für das Hospiz

14Tage 06Std. 45Min. 05Sek.

Ich freue mich auf die neueste Aktion, die einige meiner ausgefallenen Aktionen ersetzt. Prominente, Freunde des Hospizes und UnterstützerInnen haben dieser Tage Post bekommen, oder bekommen sie noch. Ich bitte um die Gestaltung von Minileinwänden, die bis zum 22. Oktober versteigert werden. Schirmherr ist Dr. h. c. Herbert Schmalstieg. Alle Teilnehmer*innen und Infos findet ihr hier

Wenn ihr an der Auktion teilnehmen möchtet, dann abonniert den Newsletter und verpasst nichts mehr!
Eine kleine Auswahl von etwas mehr als als 100 Kunstwerken in 10x10cm

Pause

Gerade habe ich die Daten für die stille Auktion an Sabrina Behm übertragen. 111 mal Fotos besorgen (naja, es fehlen noch so 3-5), 111 mal eine kurze Vita schreiben. Falls ich sie vorher nicht bekommen habe muss ich entscheiden, was wichtig ist. Wir sind uns einig, da kann ich eigentlich nur verlieren. Oder meine Leinwandspender*innen sind milde mit mir, wir werden sehen. Jedenfalls habe ich mich sehr angestrengt. Jetzt brauche ich eine Pause für mein wirres Hirn.

Das ist ja so eine Sache. Wir glauben oft zu wissen, was für andere gut ist oder wie man etwas richtig macht. Welche Jacke ist die Richtige für das Kind, wie die Frau vor einem an der Kasse abnehmen könnte, wie Rosen wirklich geschnitten werden oder auch tiefergehende Entscheidungen, welche Therapie denn jetzt angesagt ist.
Ist das so? Ich glaube manchmal ist ja auch der Wunsch, der Vater des Gedanken (oder die Mutter). Wenn bei uns im Hospiz ein Patient Schmerzen hat, dann bieten wir alles an, was wir aufwarten können. Neben Medikamenten sind das auch Einreibungen, Dinkelkissen, Lagerungsmittel, aus dem Bett in den Stuhl, links oder rechtsrum liegen, Zeit schenken, zuhören, oder einfach mal nur halten. Aushalten. Das möchten auch einige. Einige Angehörige möchten das auch manchmal. Oder umgekehrt. Manchmal brauchen die Menschen auch eine Pause. Sterben ist anstrengend für alle.

Das ist das Dilemma mit dem Sterben. Wir wollen das Leid des anderen gelindert sehen, aber die Nebenwirkungen hätten wir nicht gern. Nicht müde werden, noch alles sagen. Gemeinsame Zeit ist doch so kostbar. Herzzerreißende Momente sind das. Wir könne die Zeit nicht anhalten.
Die Sterbenden wollen manchmal ganz bewusst keine Schmerzmedikamente. Oder manchmal schwingen wir alle nebeneinander im System und es gibt eine Lösung die alle in dem Moment einigermaßen gut finden. Wird ein Patient müde von den Schmerzmitteln, dann kann doch auch die Familie mal durchatmen. Pause.
Es ist wirklich so besonders wie eine Schwangerschaft. Die eine werdende Mutter nimmt alles mit, was der Markt hergibt und die andere wählt einen anderen Weg. Auch die Geburten sind individuell. Selbst da gibt es manchal die Notwendigkeit einer Pause, um wieder zu Kräften zu kommen.

Für mich ist es in der Arbeit wichtig den Patient*innen und Zugehörigen zwar meine Erfahrungen wiederzugeben, aber Entscheidungen müssen auch selbst getroffen werden. In unserem Leben treffen wir doch oft mal eine Wahl, die wir vielleicht bereuen. Im Sterben kann das auch passieren. „Hätten wir vorher gewusst, wie gut das tut…“ höre ich oft, wenn ich mal jemanden spazieren gehen schicke, oder ein Gesprächsangebot genutzt wurde oder doch die Schmerzdosis erhöht. Wenn wir mit voller Aufmerksamkeit da sein wollen, müssen wir uns dafür auch mal abwenden von unserem Plan. Glaube ich zumindest.

Es ist an der Zeit mutig zu sein. Es ist Zeit nicht alles auf die letzten paar Wochen zu schieben. Heute ist der Tag um Unangenehmes aus dem Leben zu entfernen, oder einen Weg zu finden damit zu leben. Das Leben an die Hand zu nehmen und kleine Momente zu lieben. Nicht immer das große Wunder.
Ich werde jetzt jedenfalls mein Hirn ausmachen und eine schöne Pause machen,

herzlich Eure Nici

Pflege

Vor gut 25 Jahren habe ich in der Krankenpflegeausbildung in Bremen waschen gelernt. An Mitschüler*innen haben wir geübt, wie wir anregend und beruhigend waschen. Zusätze für das Wasser ausprobiert und die Königsklasse versucht. Dem Menschen der dort gelegen hat das Gefühl zu geben, es ist alles gut. Deine Intimsphäre wird gewahrt. Ich behandel dich mit Respekt und Würde. Du bist nicht in einer Waschstraße. Deine Bedürfnisse werden gesehen. Da hatte ich Glück, dass ich so wunderbare Lehrer*innen hatte. Schon vor einem Vierteljahrhundert war ihnen das wichtig. Mir ist das heute noch wichtig, wenn ich pflege.

Im Hospiz ist die pflegerische und psychosoziale Betreuung eine unserer Aufgaben. Die Patient*innen sind unterschiedlich selbständig und benötigen irgendwann immer unsere Hilfe. Bevor ich persönlich einen Menschen das erste Mal pflegerisch betreue, stelle ich mich gedanklich gerne einen Schritt neben mich. Das schärft meine Sicht und hilft mir meinem Gegenüber besser zu begegnen. Der Handlung eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit zu geben. Sicherheit auszustrahlen. Vertrauen zu schaffen. Scham und Ängsten zu begegnen.
Da könnt ihr euch natürlich fragen, ob das bei so etwas banalem, wie der Grundpflege nötig ist. Da würde ich mal vorschlagen, dass ihr euch in die Situation begebt.
Stellt euch mal vor ihr seid von jetzt auf gleich auf Unterstützung angewiesen. Ein anderer, fremder Mensch kommt in euer Zimmer geschneit und nimmt euch die Grundpflege ab. Berührt euch. Kommt euch nah. Riecht euch, ihr riecht ihn/sie auch. Hilft euch auf den Toilettenstuhl, beim Füße waschen und der Intimpflege.


Keiner von uns möchte das. Verständlich. Dennoch werden wir nicht alle plötzlich tot umfallen, sondern die Meisten von uns werden irgendwann von irgendwem gewaschen und versorgt werden. Das ist jetzt blöd, sich das vorzustellen.
Aber für mich steigt damit die Hochachtung vor den Menschen, die tagtäglich in Einrichtungen genau dies tun. Die professionell, respektvoll und liebevoll pflegerische Tätigkeiten verrichten und es schaffen, dass die zu Pflegenden sich fallen lassen. Das Schicksal annehmen und plötzlich beim Rückenwaschen fast schon schnurrren, weil es so schön ist.
Pflegekräfte die unter übelsten Bedingungen Dutzende Menschen duschen und waschen müssen. Dennoch haben sie oft ein Lächeln zur rechten Zeit, obwohl sie absolut erschöpft sind.

Im Hospiz haben wir diesen Druck in dieser Form nicht. Auch bei uns gibt es natürlich ungewöhnliche Tage, an denen wir erst um 12 Uhr frühstücken, weil unsere Patient*innen unsere ganze Zeit und Aufmerksamkeit fordern. Doch es gibt auch die Tage an denen alles möglich ist und wir im Einklang mit den Bedürfnissen der uns anvertrauten Menschen durch den Tag kommen.
Es ist ganz wunderbar zu sehen, was eine rhythmische Einreibung auslösen kann, oder wie entspannt ein sterbender Mensch in die Kissen sinkt, wenn wir mit warmen Wasser und dem Lieblingsduft sanft waschen. Manchmal über den ganzen Tag verteilt, um die Anstrengung so gering wie möglich zu halten.

Wenn wir uns Zeit nehmen können, dann können wir auch abgeben und annehmen. Das tun wir im Grunde ja jeden Tag, ohne es zu merken.
Ein lieber Gruß an alle Kolleg*innen – ihr macht einen wunderbaren Job! Vergessen möchte ich auch nicht, die pflegenden Angehörigen❤ Ein Danke an alle Patient*innen, die sich uns vertrauensvoll zuwenden und uns unseren Lieblingsjob machen lassen.

Herzlich Eure Nici

Die Sache mit den Leinwänden

Könnt ihr Euch vorstellen, wie es ist, wenn seit Wochen die Umschläge auf meinem Schreibtisch landen und es jedesmal ein wenig wie Weihnachten ist? Nein, könnt ihr natürlich nicht, aber dennoch möchte ich euch ein kurzes Update geben.

Im Herbst letzten Jahres wusste ich schon, wie der Abschluss meines Blogs aussehen sollte. Eine Versteigerung von Minileinwänden in Hannover. Mit einem schönen Rahmenprogramm und einem guten Ergebnis für mein Gesamtziel.
Dann kam die Pandemie auf uns zugerollt und als Projektleiterin für das 25jährige Jubiläum des Hospiz Luise konnte ich fortan nur noch Veranstaltungen absagen. Deshalb habe ich meine Aktion vorgezogen und spontan Briefe geschrieben. Handgeschrieben, auf eigens dafür erstelltem Briefpapier (das hat mir Edda Wilkening alias Yolande Sketch gemacht, danke, dass du meine Gedanken lesen kannst). Zweiseitig. Aus Sicht von Fundraisern unzumutbar. Aber ich habe das aus dem Herz und meinem Engagement gemacht. Nicht nach Vorschrift. Der Erfolg gibt mir Recht.


Ich kann euch allen nicht genug danken, aber einigen Danke ich heute schon mal stellvertretend:
*Udo Lindenberg für den selbstbeschriebenen Umschlag mit dem Herzchen drauf
*Ingo Siegner für die erste Leinwand mit dem Helden aus meinen Lieblings-Mama-Büchern – Kokusnuss
*Lisa Wächter, weil mein Herz kurz ausgesetzt hat als ich das Bild gesehen habe – so zart und schön
*Ole West, weil er mir Strandwatschel gemalt hat
*Meinem Chef und meinen Kolleg*innen, die sich immer so mit mir freuen
*dem Creative Director von Wolfgang Joop, der so ein wertschätzendes Telefonat mit mir geführt hat
*Herbert Schmalstieg, weil er ein unfassbar toller Schirmherr ist
*Caren Cunst für die Möglichkeit in ihrer Galerie auszustellen
*meinen malenden Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kolleginnen für ihre wundervollen Beiträge
*all den Hannoveranern, die unser Hospiz durch ihre Leinwände unterstützen
*den unbekannten Menschen, die ich aus dem Bauchgefühl gefragt habe und die einfach „Ja“ gesagt haben.
*unsere Patientin, die sich darauf eingelassen hat und auch mitmacht
*Sabrina Behm für die Stille Auktion Plattform
*Tobi Wagner für seine coolen Kontakte
*Alex Pettyfer, dass er seine Toni Garrn portraitiert hat
*den prominenten und nichtpromineten Teilnehmer*innen, die uns unterstützen
*Jacky, der ehrlichsten Haut überhaupt, die mich so wundervoll ergänzt
*Martina Gilica, die uns als Moderatorin unterstützen wird
*einfach euch allen – ich bin so reich beschenkt durch EURE Teilnahme!!

Anfang September werden wir alle bis dahin eingetroffenen Bilder fotografieren (natürlich mit Edda) und eine wunderschöne Broschüre erstellen. Dann seht ihr auch endlich alle Bilder!
Dort werden auch die Zugangsdaten für die Versteigerung stehen. Wenn ihr also dabei sein wollt, dann registriert euch für den Versand der Broschüre (0nline) in meinem Newsletter. Nach der Saat kommt ja die Ernte und ich hoffe auf ein fulminaten Abschluss!
Die heutigen Bilder habe ich quasi ausgelost. Sie sind alle so toll, deshalb habe ich Tütchen gegriffen und das ist das Ergebnis.
Alle Bilder und alle Namen gibt es dann endlich Anfang September!
Beseelte Grüße an euch alle,

herzlich
Nici

P.S. Schaut doch mal im Veranstaltungskalender vorbei und notiert euch die Termine!

„Um Leben leben zu lernen“ – vom Ehrenamt im Hospiz Luise

Wie unser Hospiz ohne ehrenamtliche Mitarbeitende funktioniert, haben wir in den letzten Monaten schmerzlich erfahren müssen. Es ist wie ein Mobilee, an dem ein Hauptteil fehlt. Schieflage. Umso schöner, dass sich seit einiger Zeit die Auflagen entspannen und ein wichtiger Teil des Teams mit den Ehrenamtlichen wieder Einzug ins Haus hält. Unter strengen Hygienereglen.
Hilde Weeg hat mir mal das beste Frühstücksei der Welt gekocht. An so einem Morgen, wo nichts geklappt hat und alle Bemühungen manchmal nichts nützen, weil ein Patient mit dir gerade nicht weiterkommt, weiterkommen will, der Himmel weint und man sich selbst am liebsten in Embryonalstellung ins Bett rollen würde. Dann schlurfst du irgendwann auf einen Kaffee in den Wintergarten und dann kommt Hilde, lächelt, stellt dir ein frisch gekochtes Ei vor die Nase. Eine wunderbare Geste und dann lächelst du auch, startest frisch gestärkt in die nächste Runde und meist klappt dann irgendwie alles besser.
Hilde ist ein Beispiel für viele Ehreamtliche, die alle so unterschiedlich, liebevoll, witzig, speziell, überraschend und großartig sind.
Danke, dass es euch gibt!

Der Text von Hilde Weeg aus der Festschrift
„Warum machst Du das?“ Diese Frage wird im Freundes- und Bekanntenkreis häufig gestellt, wenn es umden ehrenamtlichen Dienst im Hospiz geht. Einigevon uns Ehrenamtlichen – rund 30 jüngere und ältere
Männer und Frauen – haben sie bei einer hausinternen Umfrage beantwortet. Hier ein paar Zitate aus der
Liste:

• Fühle mich wohl, wahrgenommen und aufgehoben.
• Bereicherung.
• Gebraucht werden.
• Weil es schön ist!
• Aus Dankbarkeit für mein sorgenfreies Leben.
Ich möchte etwas davon zurückgeben.
• Um Leben leben zu lernen und Widrigkeiten
in Relation zu sehen.

Einige der Antworten geben vermutlich auch Ehrenamtliche in Sportvereinen, bei der Essensausgabe der Tafel oder in der Flüchtlingshilfe. Aber die Antwort „Um Leben leben zu lernen“ trifft ganz besonders gut
das, was den Dienst in einem Hospiz von anderen Ehrenämtern unterscheidet. Leben lernen – mit und vonschwer und schwerstkranken Menschen. Und ebensoviel von den Menschen, die diese Menschen respektund liebevoll begleiten.

Es sind vor allem die kleinen Gesten, die wir als Ehrenamtliche hier erleben, die den Unterschied zur üblichen „Wurschtigkeit“ im Alltag machen. Dass eine Blume im Zimmer steht (im Sommer aus dem Hospizgarten), wenn ein neuer Gast kommt. Dass genau erfragt wird, ob das Rührei eher fest oder eher weich sein soll. Und wieviel Löffel Kakao in die warme Milch gehören. Dass Zeit ist, mal kurz Heidelbeeren oder eine
bestimmte Zahnpasta zu besorgen. Dass alle mit allem kommen können: Verbitterung, Erleichterung, Schmerz oder Hilflosigkeit.
Oder dem Wunsch nach einer Tasse Kaffee.

Wahrnehmen, was ist. Genauer hinschauen. Hinhören. Zusammen die Eichhörnchen im Garten beobachten. Manchmal am Tisch sitzen bleiben, weil das hilft. Manchmal aufstehen und Geschirr wegklappern, weil das besser ist als Stille. Wir lernen von und mit allen, die am Tisch sitzen. Wie man mit dem umgeht, was schwierig ist. Abschied, Enttäuschungen oder eine schlaflose Nacht: Wie man die großen oder kleinen Probleme ignorieren, auslachen, niederkämpfen kann. Wie man einfach weitermacht. Oder etwas ändert.

Was wir von den Pflegenden lernen: Geduld. Sich Zeit nehmen. Liebevolle Zuwendung. Eigene Befindlichkeiten ausblenden, wenn Anderes wichtiger ist. Der eigene Ärger: Peanuts. Meistens. Wir lernen sensibler zu werden, auch für uns selbst. Konflikte austragen, ohne zu verletzen. Und wenn doch etwas wehgetan hat, das miteinander zu klären. Die Schwächen und
Stärken aushalten. Fehler: erlaubt. Erfahren, dass alle einen wichtigen Anteil am Ganzen haben – vom Hausmeister über die Reinigungskräfte und die Ehrenamtlichen bis zu den Pflegekräften und den Sekretärinnen.
Von Kaffeekochen (eins der wichtigsten Ehrenamtspflichten!) bis Katheter legen. Manches dauert länger. Schlimm? Nein.

Für manche hat die Arbeit mit ihrer christlichen Überzeugung zu tun. Aber diese Einstellung ist keine Voraussetzung, sich hier ehrenamtlich zu engagieren. Ist das Hospiz ein idealer Ort? Nein. Aber es ist ein Ort, an
dem das Miteinander besser klappt, als an sehr vielen anderen Orten. Woran das zu sehen ist? Am Aufatmen beim Ankommen. Ruhiger werden. Am Aufklaren vieler Gesichter über die Tage. ,Ah, da ist jemand, der zuhört.‘ ‚Wie schön, hier ist es ruhig.‘ ‚Ach, hier darf gelacht werden?‘ Das Hospiz: ein Ort, in dem Menschen für Menschen da sind. Und das immer wieder üben. Weil das zum Leben gehört. Eigentlich könnten viele Orte so
sein. Noch etwas, was man hier lernen kann.

Die Aufgaben der Ehrenamtlichen im stationären Hospiz Luise:
• Die Essenszeiten in drei Schichten von 7.30h-19h
begleiten: Frühstück, Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen.
• Die Rolle eines Gastgebers/einer Gastgeberin einnehmen: auf Wünsche oder Bedürfnisse am Tisch eingehen. Den Esstisch auf- und abräumen.
• Auf die Türklingel reagieren und Besucherinnen empfangen. • Bei Engpässen in der Pflege bei den Patientinnen nachschauen, wenn sie klingeln.
• An- und Zugehörige betreuen, wenn sie das wünschen.
• Auf kurzfristige Bedarfe reagieren (Mahlzeiten für Patient*innen vorbereiten, die auf dem Zimmer bleiben, kleine Einkäufe erledigen, Zeit haben für ein Gespräch).
• Vorräte im Blick haben und auffüllen (Getränke, Kaffee, Servietten usw.).

Quelle: https://www.weeg-kommunikation.de/zur-person/

Hilde Weeg
Ehrenamtlich Mitarbeitende

P.S. Für die stille Auktion Oktober könnt ihr euch schon in den Newsletter eintragen, um die Zugangsdaten vorher einfach per Mail zu erhalten!



Schritte

372932 Schritte bin ich in meinem Urlaub laut meiner schlauen Uhr am Handgelenk gegangen und gewandert. Über Asphalt, Kopfsteinpflaster, Waldwege, Wurzeln, Steine – einmal habe ich auch den Halt verloren. Mich mit beiden Händen fest an einer Kette gehalten. Den kompletten Absturz noch verhindert. Einige blaue Flecken erinnern mich jetzt an diesen Moment.

Schritte haben für uns eine große Bedeutung. Da ich das vierte Kind bin gibt es nicht gerade eine Fülle von Fotos von mir, aber eines, wo mein Bruder mich an den Händen hält und ich die ersten Schritte mache. Auch die ersten Schritte meiner Kinder haben mein Herz höher schlagen lassen, sieht man die Welt doch aus einer völlig anderen Perspektive. Was für besondere Momente.
Schritt für Schritt gehen wir unseren Lebensweg und nehmen nicht immer den erstbesten Weg. Wir laufen unter größter Anstrengung auch mal einen Berg hinauf und müssen vor dem Gipfelglück kehrtmachen. Oder wir sind auf einem komfortablen Untergrund unterwegs und merken gar nicht, dass links und rechts so viele wunderbare Alternativen sind. Wir lassen auf unserem Weg Schritt für Schritt Menschen stehen, gehen gemeinsame Strecken und entscheiden uns auch bewusst für andere Wege. Einige Wege kann man nur einmal gehen und dann ist ein Umkehren unmöglich. Überall hinterlassen wir Spuren.

Der Schritt in ein Hospiz zu gehen ist erstmal unvorstellbar für einen gesunden Menschen. Viele wissen ja auch gar nicht, was hinter den Mauern, der meist freundlich anmutenden Häuser wartet.
Aus meiner Erfahrung warten dort Menschen. Menschen, die bereit sind die letzten Schritte mit den Patient*innen und Zugehörigen zu gehen. Das sind Mitarbeitende, die vorbehaltlos und ohne Wertung den Menschen annehmen, der jetzt mit seinem Leid und seiner Geschichte kommt. Der Ruhe und Unterstüzung sucht.
Jeder Mitarbeitende hat einen individuellen Lebensweg. Deshalb gelingt uns gerade im Hospiz Luise oft auch auf „schwerem Untergrund“ eine würdevolle und gute Begleitung der Sterbenden. Unsere Unterschiedlichkeit ist ein Segen für die Patient*innen, gibt das doch die Chance ganzheitlich auf den Weg jedes Einzelnen zu blicken.
Manchmal sind wir auch müde, wenn der Weg sehr beschwerlich ist und müssen rasten. Wechseln uns ab – tragen gemeinsam.
Den letzten Schritt müssen die Patient*innen selber gehen.

Was mich immer besonders berührt sind die Rückschritte. Da ist auch viel Trauer zu spüren.
Wenn sich der Radius um das Bett immer mehr verkleinert. Die Mobilität Stück für Stück nachlässt und irgendwann der Tag kommt, an dem es von der Bettkante nur noch in den Stuhl geht. Mit viel Anstrengung für die sterbenden Menschen. Wenn ich den Patient*innen aus dem Bett helfe, dann kommen wir uns sehr nah. Keine Hauruckschlepperei auf den Stuhl, sondern eine bewusste und kraftschonende Bewegung aus der Kinästhetik reicht oftmals.
Dazu braucht es Vetrauen. Wenn ich den Menschen erkläre, was wir gleich gemeinsam machen, dann nehme ich oft das Beispiel des Tanzes. Denn in diesem Moment bewegen sich unsere Körper im Einklang und wer sich führen lässt, der wird auch ein Stück gehalten.
Die Erinnerung an vergangene Tänze zaubert einigen ein Lächeln ins Gesicht, ein Funkeln in die Augen und ehe sie sich versehen ist die Mobilisation gelungen – geht es nicht im Einklang der Bewegung, dann braucht es mehr Unterstützung.

Am Ende sind die letzten Schritte für mich spirituelle Momente. Dann gehen wir dahin, wo unsere Weltanschauung uns hinführt. Bis es soweit ist, wünsche ich Euch einen guten Weg und viele bewusste Schritte.

Herzlich Nici

P.S. Tragt euch gerne in den Newsletter für die große Benefizaktion im Oktober ein! Die Zugangsdaten für die Versteigerung erhaltet ihr dann einfach per Mail von mir!



Das, was noch erklingt

Heute ein Gastbeitrag von unserer Musiktherapeutin Christiane Hecker. Wie wundervoll für unsere Patient*innen, dass wir dieses Angebot haben. In unserer Festschrift findet ihr alle Beiträge zu unserem Jubiläum. Einfach mal hier unter den Downloads schauen – aber erst lesen 😉

Das, was noch erklingt
Schon vor 25 Jahren, als ich im Regionalfernsehen einen Beitrag zur Eröffnung des Hospiz Luise sah, wollte ich dorthin. Nun bin ich zu meiner großen Freude seit 2012 einmal wöchentlich als Musiktherapeutin in diesem Haus.
Jedes Mal wenn ich ins Hospiz komme, erhalte ich alle für mich notwendigen Informationen über die Patientinnen und Patienten. Oft werden mir Menschen direkt ans Herz gelegt, weil die Pflegenden glauben, dass meine Anwesenheit hilfreich sein könnte.
Anschließend gehe ich in die einzelnen Zimmer und stelle mich vor. Ich erzähle, warum ich hier bin und dass ich Musik mitgebracht habe. Instrumente, meine Stimme und CDs sind meine Berufsbegleiter. Darf ich bleiben, ist die Musik schon mit im Raum.
Aus meinem musiktherapeutischen Alltag im Hospiz jetzt einige Beispiele:
Frau D. (59) hat Krebs im Endstadium und kann nicht mehr aufstehen. Sie sieht mich bei unserer ersten Begegnung mit großen ernsten Augen an. Darauf, wenn es vorbei ist, freut sie sich. Sie kann sterben, denn
sie hat ihre sich selbst gestellte Lebensaufgabe erfüllt. Diese war, ihre Eltern zu pflegen. Meine Frage nach ihrer Lieblingsmusik beantwortet sie ohne zu zögern mit „Mendelssohn-Bartholdy, Schottische Sinfonie“. Wegen dieser Sinfonie ist sie nach Schottland gereist. Das Land findet sie wunderschön. Ein strahlendes Gesicht und leuchtende Augen begleiten ihr Erzählen.
Bei unserer nächsten Begegnung hören wir gemeinsam den ersten Satz der Sinfonie. Schon nach den Eingangstakten nimmt Frau D. die Brille ab, legt ihre Hände auf die Brust, scheint wie in der Musik versunken und bekommt einen beinahe verzückten Gesichtsausdruck. Danach erzählt sie, dass die Musik sie weggetragen habe. Sie habe die schottischen Berge und das Meer gesehen. Das mache sie glücklich. In der kommenden Woche möchte sie die anderen Sätze der Sinfonie hören.

Herr E. (84) ist durch seine Krebserkrankung und die
Langzeitpflege seiner Frau stark geschwächt. Er hat keine Kraft mehr. Im Glauben gefestigt sieht er dem nahenden Tod bewusst entgegen. Über sein arbeitsreiches und, wie er sagt, erfülltes Leben spricht er mit mir.
Gemeinsam singen wir Kirchenlieder. Es sind die, die
ihn schon ein Leben lang begleitet haben, nicht nur
im Gottesdienst sondern auch auf Familienfeiern und
morgens in der Küche beim Kochen. Mein Eindruck ist,
dass während unseres Singens im Zimmer eine Atmosphäre von Ruhe und Geborgenheit entsteht.

Frau R. (73) hat eine Autoimmunerkrankung, und sie
musste zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen. Die Pflegekräfte bitten mich, sie zu besuchen.
Bei unserer ersten Begegnung fällt mir sofort auf, wie
abgemagert und schwach. Frau R. ist, fast zu schwach zum Atmen. Sie spricht kaum. Worte scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Sie ist dankbar, dass ich einfach nur da bin und ihre Hand halte. Eine Woche später teilen die Pflegenden mir mit, dass
Frau R.s Sterbeprozess sehr weit fortgeschritten ist.
Wieder bitten sie mich zu ihr zu gehen. Frau R. ist noch schmaler geworden. Ihr Körper ist zugedeckt, ihr Kopf liegt ruhig auf dem Kissen, beide Augen starr an die Decke gerichtet. Nur durch die Bewegung ihrer Zunge kann ich erkennen, dass sie noch atmet.
Diesen Atemrhythmus, besser gesagt, den nicht vorhandenen Rhythmus, lasse ich mit der linken Hand auf dem Monochord* erklingen. In die immer länger werdenden Pausen spreche ich leise beruhigende Worte und berühre dabei Frau R. sanft am Oberkörper. Vor ihrem letzten Atemzug hat sie die Schultern mehrmals ganz leicht nach vorne gezogen. Anschließend,
fast unmerklich, hat sich der Kopf ein wenig nach hinten geneigt. Nach langen Minuten konnte sie zum allerletzten Mal ausatmen.
Auf dem Monochord spiele ich noch einige Zeit aufsteigende Klänge. Dann verabschiede ich mich von ihr.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in der so wohltuend
offenen, entspannten, vertrauensvollen und warmherzigen Atmosphäre dieses Hauses arbeiten darf.
Christiane Hecker
Musiktherapeutin

*ein rechteckiger Resonanzkörper aus Holz mit vielen parallel gespannten Saiten, die auf den gleichen Ton gestimmt sind und dadurch einen vollen Klang ergeben

Herzlich

Eure Nici


Niemals geht man so ganz

Mein lieber Kollege Hansjörg hat uns Ende Juni verlassen. Wir haben uns in den letzten Monaten den Schrank geteilt -beide in Teilzeit tätig war uns das genug. Jetzt hängt da nur noch mein Schild. Von Hansjörg habe ich soviel gelernt, zu ihm aufgesehen. Ein Mensch, der seine Stärken und Schwächen kennt, zerbrechlich und liebevoll die Arbeit im Hospiz Luise geprägt hat. Unter Coronabedingungen haben wir ihn verabschiedet. Mit Tränen, Gelächter und mit roten Clownnasen oder gar wundervollen Verkleidungen. Abschied gehört zu unserer Arbeit. Jemanden aus dem Team gehen zu lassen ist irgendwie nochmal anders. Leben ist Bewegung.

Hansjörg, ich hab dich von der ersten Sekunde so gemocht und bin froh, dass wir uns auch in Zukunft über den Dächern von Hannover oder woanders wiedersehen werden. Danke für alles und vorallem für deinen wunderbaren Text, den du mir geschickt hast.

Guten Tag,
mein Name ist Hansjörg Hartmann, ich bin Krankenpfleger von Beruf und habe als solcher fast 20 Jahre im Hospiz Luise meinen Dienst getan.
Am 30.06. dieses Jahres beendete ich mein Arbeitsverhältnis, nicht weil ich in den Ruhestand gehen muss/darf, sondern weil meine „Seele eine Pause braucht“.
Meine wundervollen KollegInnen verabschiedeten mich vergangenen Dienstag auf eine für mich sehr bewegende „Corona angepasste Weise“ im Hospizgarten. Viele waren als Clowns liebevoll verkleidet. Als ich von unserem Chef durch den Wintergarten in den Hospizgarten geführt wurde, erklang vom „Hospizchor“ das Lied „Viel Glück und viel Segen“. Anschließend überreichte mir jede/ jeder Anwesende eine Blume statt mich zu umarmen, was ja nun leider nicht ging. Und aus den einzelnen Blumen wurde ein schöner Blumenstrauß. Zum Abschluß gab es dann noch Kartoffelsalat und Würstchen mit angemessenem Abstand. Über die liebevoll verpackten Geschenke freue mich jeden Tag neu, da ich nun einen „Sommer-Adventskalender“ habe.
Ja und dann fragte mich Nicole, ob sie einen Beitrag zu meinem Abschied in diesen Blog schreiben dürfte. Da dachte ich, das versuche ich doch mal selber.
Nun, meine Seele braucht eine Pause. Ich habe in diesen vielen Jahren so intensive Gefühle gelebt und begleitet. Wir haben gelacht, geweint, und Aus-Gehalten in stillem Dasein.                                                               
Ich erinnere mich aber auch an größere Aktionen. Zum Beispiel an eine Frau, die gerne nochmal in ihr Haus wollte, um sich zu verabschieden. Auf Grund ihrer Schwäche und der damit verbundenen Atemnot war dieser Ausflug mit viel Vorbereitung verbunden, aber auch möglich. Wir fuhren mit einem Transporter, in den die Patientin in einem Rollstuhl über eine Rampe geschoben werden konnte, in ihren Wohnort. Der Schwager übernahm das Fahren, mobiles Sauerstoffgerät und Notfallmedikamente waren natürlich mit dabei. Als wir an dem Haus ankamen wurde von den Nachbarn ein Gartenfest gestaltet. Trotz des Abschiedes war dieser Tag für die Patientin etwas sehr besonderes und sie war sehr dankbar.
Oder auch die Vorbereitungen für Begleitungen in ein Konzert oder in den Zoo. All diese kleinen und großen Begebenheiten sowie der Zusammenhalt und die kollegiale Unterstützung haben mir immer wieder die Kraft gegeben, mich dem Thema Tod und Sterben so lange auf sehr intensive Art und Weise zu stellen.In den letzten Jahren spürte ich, dass ich immer trauriger wurde. Ich forschte nach den Gründen, wollte aber auf keinen Fall wahr haben, daß die eigentlich für mich so „schön empfundene“ Aufgabe im Hospiz etwas damit zu tun haben könnte. Ich dachte, wenn ich ein Kraft gebendes Außen und einen guten Ausgleich hinbekomme, kann ich diese Arbeit bis zur Rente machen.

Nun, da ich eine berufliche Alternative gefunden habe, die sehr viel weniger mit dem Thema Tod zu tun hat und die mich aber ähnlich zufrieden macht, wird mir immer bewusster, daß die Beschäftigung im Hospiz für mich doch einen größeren Einfluss auf mein Gemüt hatte als ich es wahr haben wollte.

Ich bin sehr sehr dankbar für die Zeit im Hospiz Luise und nehme ganz viel für mein weiteres Leben mit. Ich wünsche meinen KollegInnen und allen anderen, die mit dem Thema Tod, Sterben und Trauer zu tun haben, dass sie gut auf sich achten und den Spagat zwischen Nähe und Distanz weiterhin gut hinbekommen.Zum Schluß noch ein Text von Claudia Klein, den mir eine ehrenamtliche Mitarbeiterin zum Abschied geschrieben hat:

Schau nach vorn,
und schau ins Licht,
vertrau darauf,
so verlierst du nie die Übersicht.
Es wird kommenwas dein Herz begehrt,
nehm es an und sei gespannt wie es sich vermehrt.

Mit diesen, wie ich finde hoffnungsvollen Worten sage ich Tschüß und alles Gute!
Hansjörg Hartmann

Zwei Schweine packen aus

Mich haben zwei Schweinepaten gebeten die Geschichten ihrer Schweine weiterzugeben. Lest doch mal rein und vielleicht möchtet ihr auch so ein Schwein kennenlernen und ausleihen? Dann schreibt mir doch eine Nachricht an 25jahrehospizluise@gmx.de
Danke an Kerstin und Uwe, dass ihr so gut zuhören könnt und uns daran teilhaben lasst!

Das Luther-Festschweinchen

Ich möchte auch von ein paar „Schweinereien“ berichten, die ich in diesem Hospizgeburtstagsjahr bisher erlebt habe …
Hier in meinem Stall werde ich das „Luther Festschweinchen“ genannt 😊. Schon im November bin ich nach Luthe gezogen und konnte am 9.11.19 meine erste Lagerfeuerparty erleben. Meine Freunde Kerstin und Detlef haben´30 Jahre Mauerfall` gefeiert und zu Soljanka, Quarkbällchen, Hallorenkugeln und Getränken eingeladen. Die Gäste sollten statt Mitbringseln nur für mein Futter sorgen und haben das gern getan.

Nun kannte mich der Freundeskreis der beiden und war nicht verwundert, daß ich im Advent beim Krippensingen wieder mit dabei war – Ursel und Willi hatten geladen und ich danke für den Glühweinobulus in meinem Bauch.

Da wegen der Coronaeinschränkungen die Geburtstagsfeiern eher klein ausgefallen sind, gab es erst an Pfingsten wieder eine Gartenparty. Diesmal wurde gegrillt und später noch am Lagerfeuer gesessen. Statt Gaben fürs Buffet sollte wieder Futter für mich dabei sein – und alles war sehr lecker…😊
Ich danke allen, die ich bisher in Luthe kennenlernen durfte, daß sie sich immer etwas einfallen lassen, mir eine Freude zu machen. So bin ich schon gespannt auf die nächsten Treffen, bevor ich im November wieder in meinen Heimatstall Hospiz Luise ziehe…

Mein Schweineleben in der Haarschneyderey zu Burgdorf

Als ich im November 2019 in mein neues Zuhause, der Haarschneyderey zu Burgdorf, gebracht wurde, war mein Magen total leer. Meine neuen Pflegeeltern, Nicole Lang und Martin Sniehotta, die dort arbeiten, gaben mir einen super Platz auf der Fensterbank, der mir einen Rundumblick erlaubte.Das Geschehen im Arbeitsraum und auf der Straße konnte ich von dort aus gleichermaßen gut beobachten.Viele Menschen, die ich dort kennenlernte, waren daran interessiert, dass es mir gut ging. Ich wurde gerne und oft gefüttert. Besonders in der Adventszeit meinten es viele mit einem hungrigen Schwein gut. Auch Nicole und Martin haben ihr Essen oft mit mir geteilt.

Gerne haben die beiden ihren Kunden etwas über mein Elternhaus, dem Hospiz Luise, warmherzig erzählt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Viele Kunden wussten gar nichts über die Arbeit im Hospiz, weil sie Angst vor dem Thema „Sterben“ haben. Aber es gab aber auch andere, die durch eigene Erfahrungen mit ihren Angehörigen vom Hospiz Luise wussten. Sie haben sich sehr lobend über die Menschen, die dort arbeiten, geäußert.

Sie fühlten sich in der schweren Situation gut begleitet. Besonders die liebevolle Pflege ihrer kranken Angehörigen hat sie sehr beeindruckt. Auch die Atmosphäre mit bunten und fröhlichen Farben im ganzen Haus empfanden sie sehr angenehm. Darüber habe ich mich ganz doll gefreut.

Da ich noch nicht so schnell zurückkommen werde, nutze ich diesen Weg, den Mitarbeiter*Innen  im Hospiz weiterzugeben, wie positiv die Meinung der betroffenen Menschen über ihre Arbeit war.

Nicole hat mich auch zu einem Geburtstag mitgenommen, wo ich alle „Geschenke“ auffuttern durfte. Das war auch ein Festtag für mich.Ich freue mich darauf, noch eine ganze Weile auf meinem schönen Fensterplatz bleiben zu können, Geschichten zu hören, Menschen kennen zu lernen und bin dankbar, wenn die Kunden von Nicole und Martin mich (trotz Corona) weiter füttern würden.
Viele Grüße vom Schweinchen aus der Haarschneyderey zu Burgdorf
Uwe Lang  ( mir hat das Schweinchen seine Geschichte erzählt)

Danke an alle meine Schweinepaten und ich grüße euch alle herzlich,

Nici

Gewohnheiten

Aufstehen, Badezimmer, Treppe runter, Kaffeemaschine anmachen, Hund in den Garten lassen, Zeitung holen, Hund füttern, Kaffee Karin zubereiten …
Wir alle haben unsere Gewohnheiten. Liebgewonnene Rituale, manche über Jahrzehnte eingebrannt. Mit dem Alter und veränderten Lebenssituationen verändern sich diese kleine Inseln. Dann entern die Kinder unsere Zeitfenster und bevor du Kaffeetrinken kannst wickelst du ein Baby. Oder im Urlaub. Da ist nochmal alles anders und du entdeckst vielleicht wundervolle Jugendrituale wieder und trinkst dort den Kaffee im Bett.

Am Ende eines jeden Lebens, welches durch Krankheit oder das Alter bevorsteht, sind Rituale auch wichtig. Gerade habe ich meine Schwiegermutter einige Zeit zu Hause betreut und gemerkt wie wichtig das ist. Festhalten am vertrauten Rhythmus, solange es nur irgendwie geht. Das macht die Menschen stark, gibt ihnen Kraft und Sicherheit. Deshalb wollen ja so viele Menschen zuhause bleiben. Weil der Gang in die Küche vertraut ist, die Gerüche und Farben die selbst gewählten sind. Erinnerungen im ganzen Wohnbereich sind. Weil dort gelebt, gestritten, geliebt, gelacht, gefeiert, getrauert, gestaunt und gewohnt wurde.

gray metal coffee pot
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Sein Zuhause zu verlassen bedeutet auch Gewohnheiten zurückzulassen. Manche können wir im Hospiz dennoch weiter ermöglichen. Kaffee vor dem Aufstehen im Bett, Zähneputzen nach jeder Mahlzeit, die Zeitung am Vormittag, Ölziehen nach dem Aufstehen, Duschen an bestimmten Tagen, Jeden Mittwoch ein Ei, Rückenmassage, Dinkelkissen vor dem Mittagsschlaf, nach dem Mittag in den Garten, drei Seiten vorlesen vor dem Schlafengehen, gemeinsam mit dem Partner am Sonntag Kaffeetrinken, Sonntags der Tatort….das alles x 8, denn soviele Betten haben wir. Oder wir finden neue Gewohnheiten. Manchmal sind es kleine Dinge, die unseren Patient*innen die Zeit so angenehm machen. Der Lieblingstee im Bett und dann findet vielleicht auch einen Teil der Grundpflege im Bett statt, das schont Ressourcen für den lieben Besuch am Vormittag. Dazu gehört Vertrauen, loslassen, abgeben.

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Eine Patientin sagte neulich zu mir: „Sterben ist nichts für Feiglinge“. Dabei hat sie gelächelt und akzeptiert, dass ich fortan die Strümpfe und Schuhe anziehe, weil es ihr nicht mehr möglich war. Das ist vielleicht die große Gabe, die viele Pflegende haben. Sie geben den Patient*innen nicht das Gefühl, dass es ihnen lästig ist zu unterstützen, sondern machen ihre Arbeit mit Freude und Respekt vor den Menschen.

Akzeptieren wir doch, dass wir nur eine gewisse Zeit hier auf der Erde zu Gast sind, pflegen unsere Gewohnheiten und Rituale und schenken dem, was wir so haben, ab und an einen liebevollen Moment der Achtsamkeit. Dann sind wir doch wie ein Gefäß, das sich füllt und von dem wir zehren können, wenn wir unsere Gewohnheiten irgendwann langsam abgeben müssen.

Bleibt behütet,

herzlich Nici

Tue Gutes – Teil 4

Alle Kraft, die wir fortgeben, kommt erfahren und verwandelt wieder über uns.
Rainer Maria Rilke

Der Sommer ist da und ich kann schon wieder von guten Taten berichten.
Ich habe mich sehr gefreut, dass gleich zwei kleine Schweine wieder den Weg ins Hospiz gefunden haben.

Ein kleines Schweinchen hat 65,21 Euro für uns gesammelt und durfte eine zeitlang bei Katrin Kokemüller in ihrem Friseurgeschät Kokis Coiffeur wohnen. Vielen Dank dafür!

Ein zweites Schwein hat bei Nicole Lang in der Haarschneyderey gewohnt, wo gleich alle Mitarbeitenden auf ihr Trinkgeld verzichtet haben, Kunden spendeten und der Betrag am Ende von Uwe Lang noch großzügig aufgefrundet wurde, so dass wir 400 Euro erhalten haben. Vielen Dank auch dafür!

Dann war da noch meine Kollegin Walburga Schnock-Störmer vom Leuchtturm e. V., die mir bei einem Besuch in Ihrem schönen Garten von der Aktion #wekickcorona erzählt hat. Unser Antrag war schnell und unkompliziert geschrieben und so haben wir unglaubliche 4000 Euro für die Beschaffung von Schutzkitteln erhalten. Wow!

Dazu kam noch meine Idee, Schutzkittelpatenschaften zu vergeben. Das hat sehr schnell jemand aufgeschnappt und schon hatten wir nochmal 1500 Euro für Schutzmaterialien! Die Spender*innen möchten gerne anonym bleiben, dennoch wollte ich das hier gerne erwähnen! Auch wenn Corona augenscheinlich an vielen Orten vorbei ist, sind wir im Hospiz auf die Materialien händeringend angewiesen und mehr als dankbar für die finanziellen Zuschüsse! Das habe ich allerdings in meiner Arbeitszeit organisiert, deshalb zähle ich das fairerweise nicht mit.

Ebenso unser Sommer (food) to go. Die Idee stammte von meiner Kollegin Manuela Gabbert Funke und mir und wir haben dank wundervoller Unterstüzung einiger Ladies Circle (LC 27, LC 127 und der TC 27), Janet Nesmedin, unseren Haupt- und Ehrenamtlichen ein großartiges Ergebnis von 2292,20 erzielt! Ein dickes Danke auch an meinen Chef, der sofort einverstanden war und Monika Ingelmann für das schöne Plakat im Vorfeld.

Mein Ziel ist also quasi schon erreicht, aber ihr wisst, die große Benefizversteigerung von Minileinwänden steht noch bevor. Das wird wunderbar, also bleibt dran! Ich bleibe es auch.

Jetzt verschwimmt mein Blog an manchen Stellen mit meiner neuen Stelle im Hospiz, aber ich glaube es ist egal, woher und in welcher Form die Unterstützung unser Hospiz erreicht. Es ist einfach wundervoll, dass so viele Menschen mit Herz an unserer Seite sind und ich bin so glücklich, dass meine neue Spendensumme sich nunmehr auf :
27.342,48 Euro beläuft (ohne Sommerfood und die anonyme Spende).

Mit viel Dankbarkeit im Herz,

Eure Nici

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Fotos: Benush Martinez und ich 😊